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Chinesischer Künstler nach Polizeiprügel operiert

Der international bekannte chinesische Künstler Ai Weiwei (Archivfoto). Nach Prügel durch chinesische Polizisten der Architekt in München wegen einer Gehirnblutung operiert worden.Großansicht
München (dpa) - Nach Schlägen durch chinesische Sicherheitsleute ist der international bekannteste chinesische Künstler Ai Weiwei in München wegen einer Gehirnblutung operiert worden. «Ich wäre beinahe gestorben», sagte der 52-Jährige telefonisch vom Krankenbett.

Der Eingriff erfolgte am Montagabend im Klinikum Großhadern. «Die Ärzte haben mich gerettet und mir geht es jetzt wieder gut.» Der Bluterguss im Kopf sei eine «direkte Folge» von Schlägen gewesen, die ihm bei einem Zwischenfall vor vier Wochen in der Provinz Sichuan mit Angehörigen von Polizei oder Staatssicherheit zugefügt worden seien.

Der Künstler, der das «Vogelnest» genannte Olympiastadion in Peking mitentworfen hat, ist ein profilierter Kritiker des kommunistischen Systems. Gegen den Widerstand örtlicher Behörden bemüht sich Ai Weiwei seit der Erdbebenkatastrophe in Sichuan um Aufklärung darüber, wie viele Kinder in Schulen ums Leben gekommen sind, die wegen Pfusch am Bau eingestürzt waren. Er hat schon mehr als 5000 Namen dokumentiert. Im August war Ai Weiwei mit elf anderen Aktivisten nach Chengdu gereist, um einen Prozess wegen «Subversion» gegen seinen Mithelfer Tan Zuoren zu verfolgen.

In der Nacht kamen rund 20 Sicherheitsleute in Uniform und Zivil ins Hotel, um sie vorübergehend festzunehmen und an der Teilnahme an dem Prozess zu hindern. Einer schlug Ai Weiwei hart gegen den Kopf und drohte sogar, ihn umzubringen, wie der Künstler berichtete. Er habe seitdem unter Kopfschmerzen gelitten und sich nicht mehr konzentrieren können, berichtete Ai Weiwei auch der «Süddeutschen Zeitung», die als erste über die Operation berichtete. Bei einem Deutschland-Aufenthalt hätten sich die Schmerzen verstärkt.

In Großhadern habe ihm der Direktor der Neurochirurgie dringend zu einer Operation geraten. Es seien zwei Löcher in die Schädeldecke gebohrt worden, um den Druck zu reduzieren. «In Deutschland sagten die Ärzte, ich hätte kurz vor einem Koma gestanden», sagte Ai Weiwei in einem dpa-Interview. Bis Montag muss er noch im Hospital bleiben. Er übte mit Blick auf seine Enthüllungen über die Schulkinder in Sichuan scharfe Kritik am System: «Wenn auch 60 Jahre nach der Gründung der Volksrepublik immer noch abgelehnt wird, Fehler selbst im Angesicht von Wahrheit oder Gerechtigkeit einzugestehen, dann ist es ein gefährliches Land.»

Der «Süddeutschen Zeitung» sagte Ai Weiwei ferner: «Welches Licht wirft das auf unseren Staat, der sich gerade anschickt, sein sechzigjähriges Jubiläum zu feiern, wenn dies die Antwort auf legale Nachforschungen ist?» Durch die Schläge hätte er leicht bleibende Schäden davontragen können, sagte Ai Weiwei. Er könne sich die Behandlung zwar leisten, aber «tausende Landsleute, die jedes Jahr von der Polizei misshandelt werden, können das nicht». Ai Weiwei will am 11. Oktober eine Ausstellung im Münchner Haus der Kunst eröffnen und auf der Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober auftreten.

Menschenrechte / China
16.09.2009 · 14:00 Uhr
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