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Chinesischer Dissident sorgt mit Flucht für Aufregung

US-Botschaft in PekingGroßansicht

Peking (dpa) - Nach der spektakulären Flucht des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng aus seinem Hausarrest haben Menschenrechtler am Samstag über mögliche Verhandlungen zwischen Peking und Washington spekuliert.

Sie gehen weiter davon aus, dass Chen Zuflucht in der US-Botschaft in Peking gesucht hat. «Dies ist ein Angelpunkt der amerikanischen Menschenrechts-Diplomatie», schrieb Bob Fu, Vorsitzender der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation ChinaAid, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Nach seiner Darstellung wird bereits fieberhaft über die Zukunft des Bürgerrechtlers verhandelt.

«Er will im Land bleiben und kämpfen», sagte der Aktivist Hu Jia am Samstag in Peking der Nachrichtenagentur dpa. Eine Ausreise Chens in die USA schloss der Menschenrechtler aus: «Er hat nie über den Status eines politischen Flüchtlings gesprochen.» Hu wurde im Laufe des Tages nach eigener Darstellung von der Polizei zur Befragung vorgeladen.

Freunde Chens hatten am Freitag mitgeteilt, dass der 40 Jahre alte Bürgerrechtler seinen Bewachern im Dorf Dongshigu in der ostchinesischen Provinz Shandong entkommen und nach Peking gebracht worden sei. Nach offiziell nicht bestätigten Berichten soll er dort die US-Botschaft aufgesucht haben. Die US-Regierung lehnte es ab, sich zum Verbleib Chens zu äußern. Die «New York Times» berichtete am Samstag unter Berufung auf Quellen im chinesischen Ministerium für Staatssicherheit, dass sich der Dissident tatsächlich auf dem Gelände der diplomatischen Vertretung der USA in Peking aufhalte.

In einer am Freitagabend verbreiteten Videobotschaft forderte Chen den chinesischen Regierungschef Wen Jiabao auf, seine Familie vor «verrückten» Repressalien zu schützen.

Der Bürgerrechtler hatte sich seit Ende der 90er Jahre mit seinem Einsatz für Opfer von Machtwillkür einen Namen gemacht. Als Jurist half er auch Opfern von Zwangsabtreibungen in der Stadt Linyi und war den Behörden deshalb ein Dorn im Auge. 2005 wurde er zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Seit Ablauf einer Haftstrafe im September 2010 waren Chen und seine Frau in seinem Haus festgehalten worden.

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Bericht New York Times
Menschenrechte / USA / China
28.04.2012 · 14:10 Uhr
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