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Chinas «Jadehase» erkundet Mondoberfläche

Ein großer Sprung für die junge Raumfahrtnation: Mehr als drei Jahrzehnte nach der letzten Mondlandung kurvt ein chinesischer Rover auf dem Erdtrabanten herum. Foto: Imaginechina/Chinesisches StaatsfernsehenGroßansicht

Peking (dpa) - China feiert seine erste Mondlandung als «vollen Erfolg». Einen Tag, nachdem das Raumschiff «Chang'e 3» in der «Bucht der Regenbogen» aufgesetzt hatte, beglückwünschte Staats- und Parteichef Xi Jinping am Sonntag die Techniker und Wissenschaftler im Kontrollzentrum in Peking.

Der Mondflug wurde als Chinas «bislang schwierigstes Vorhaben im All» gepriesen. Nach den USA und der früheren Sowjetunion ist China erst die dritte Nation, die einen Mondlandung unternommen hat.

Mehr als 26 Stunden nach der Landung fotografierten sich der Rover «Jadehase» und das Mutterschiff «Chang'e 3» erstmal gegenseitig. In einer Rede im Kontrollzentrum sagte Vizepremier Ma Kai, die Mondlandung schenke «der Nation, der Partei und der ganzen Bevölkerung» Zuversicht. Der Erfolg läute eine neue Phase für das Raumfahrtprogramm ein. Der Vizepremier versicherte, dass China der friedlichen Nutzung des Weltraums verpflichtet sei.

Mit «Chang'e 3» setzte erstmals seit 37 Jahren wieder ein Raumschiff auf dem Erdtrabanten auf. «Ein chinesischer Traum seit alter Zeit wird wahr», kommentierte Chinas Staatsfernsehen. Nach der Landung am Samstag um 14.11 Uhr MEZ rollte in der Nacht zum Sonntag das Mondfahrzeug «Jadehase» (Yutu) problemlos über eine Rampe auf die Oberfläche des Erdtrabanten. Auf seiner Fahrt hinterließ der sechsrädrige Rover eine tiefe Spur im Mondstaub.

«Es ist ein Symbol für die Stärke der Nation», sagte Professor Jiao Weixin von der Universität Peking der Nachrichtenagentur dpa. «Jeder Schritt ist eine Vorbereitung für den nächsten Schritt.» So lege die Landung auch Grundlagen für eine eventuelle bemannte Mondmission. Experten gehen aber davon aus, dass frühestens in 10 bis 15 Jahren ein Chinese auf dem Mond landen könnte.

Das Landemanöver am Samstag klappte problemlos. In der elfminütigen Schlussphase steuerte sich «Chang'e 3» selbst. In 100 Metern Höhe schwebte das Raumschiff und suchte sich mit seinen Sensoren eine geeignete, flache Landestelle. Auf den letzten vier Metern schaltete sich das Triebwerk ab, so dass die Sonde im freien Fall auf seine vier gefederten Füße fiel.

Nach der Landung brach im Kontrollzentrum spontan Jubel aus. Das Fernsehen sprach von einem «historischen Augenblick». Drei Monate lang soll das 140 Kilogramm schwere Mondfahrzeug die Oberfläche erkunden. Es besitzt ein Radargerät, das die Mondkruste bis in 100 Meter Tiefe analysieren kann. Die Sonde «Chang'e 3» soll ein Jahr lang stationär im Einsatz bleiben. Eine Rückkehr mit Gesteinsproben zur Erde ist erst bei künftigen Mondflügen bis 2017 geplant.

Die USA hatten zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Erdtrabanten gebracht. Zuletzt war vor 37 Jahren die sowjetische Sonde «Luna 24» auf dem Mond gelandet. Chinas Raumfahrzeug ist nach der Mondfee Chang'e benannt, die der Legende nach mit ihrem Hasen auf dem Mond sitzt. Deswegen wurde der Rover «Jadehase» genannt.

Der Flug der Sonde wird von der europäischen Raumfahrtagentur Esa unterstützt, deren Aktivitäten im Kontrollzentrum in Darmstadt zusammenlaufen. «Die Esa ist eine große Hilfe für diesen Flug», sagte der australische Raumfahrtexperte Morris Jones der dpa. «Ohne die Unterstützung gäbe es weniger Daten und eine schlechtere Abdeckung.»

Der Erfolg sei ein Prestigegewinn für China, «der bedeutende geopolitische Auswirkungen und Vorteile hat», sagte die Expertin Joan Johnson-Freese vom US Naval College der dpa. Vor dem Hintergrund der Spannungen in den Inselstreitigkeiten mit seinen Nachbarn erinnere die Landung auch daran, «dass China eine wachsende Militärmacht ist», sagte Dean Cheng von der US-Denkfabrik Heritage Foundation der dpa.

«China hat ein ausgewachsenes Raumfahrtprogramm und kann seine Ressourcen für alles Mögliche einsetzen - von Waffenlenksystemen über weltraumgestützte Aufklärung bis hin zu globaler Kommunikation», sagte der China- und Raumfahrtexperte. «Im Falle eines Konfliktes stellt China eine ganz andere Herausforderung dar als irgendeine Nation in den vergangenen zwei Jahrzehnten.»

Raumfahrt / Wissenschaft / China
15.12.2013 · 17:42 Uhr
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