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China und USA wegen Klimazielen in der Kritik

Der Preis des Wachstum: Eine Pekinger Straßenfegerin schützt sich gegen die Luftverschmutzung. (Archivfoto)Großansicht
Peking/Stockholm/München (dpa) - Nach den USA hat mit China der zweite große Klimasünder erstmals Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase genannt - und ist damit weltweit auf Kritik, aber auch Zuspruch gestoßen.

China und die USA blasen zusammen etwa 40 Prozent aller Klimagase, die zur gefährlichen Erderwärmung führen, in die Luft. Umweltschützer und Politiker in Europa halten die Ankündigungen von US-Präsident Barack Obama wie auch Chinas für unzureichend. Der weltweit größte Rückversicherer Munich Re warnt, dass die Folgen des Klimawandels unbezahlbar werden.

EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt und Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßten zwar, dass die beiden Länder endlich Ziele formulierten, machten jedoch auch ihre Unzufriedenheit deutlich: «Wir hoffen, dass die chinesischen wie auch die amerikanischen Ankündigungen erste Schritte zu weitergehenden Reduzierungen darstellen», erklärten beide.

Reinfeldts dänischer Kollege Lars Løkke Rasmussen lobte China für seine Ankündigung, den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 2005 um 40 bis 45 Prozent reduzieren zu wollen. «China zeigt, dass das Land sich in Kopenhagen wirklich an den Verhandlungstisch setzen und ein ehrgeiziges Ergebnis erreichen will», sagte der Gastgeber des Klimagipfels im Dezember.

Die USA kündigten bereits am Vortag an, sich beim Gipfel auf die Verminderung der Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 17 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 verpflichten zu wollen. Das entspricht vier Prozent gegenüber den Emissionen von 1990. Die 27 EU-Staaten wollen dagegen - auf der Basis von 1990 - zusammen bis 2020 die Treibhausgase um 20 oder möglicherweise 30 Prozent verringern. Obama will am 9. Oktober, einen Tag vor der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo, nach Kopenhagen kommen. Die entscheidenden Verhandlungsrunden werden jedoch erst Tage später erwartet.

Ned Helme, Präsident des unabhängigen US-Zentrums für Klimapolitik und Luftreinhaltung CCAP sagte in der «Washington Post», Obama bewege sich «auf Messers Schneide». Er versuche, China und Indien zum Handeln zu bringen, ohne den US-Kongress vor den Kopf zu stoßen. Innenpolitisch hat in den USA Obamas umstrittene Gesundheitsreform weitaus mehr Gewicht. Um sie durchzusetzen, braucht er den Kongress, der auch in der Klimafrage gespalten ist.

Alarmierend ist die Einschätzung der Munich Re. Sollte es nicht gelingen, den Klimawandel aufzuhalten, könnten viele Menschen ihre Versicherungen gegen Katastrophenschäden nicht mehr bezahlen, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. Den weltweiten volkswirtschaftlichen Schaden aus klimabedingten Naturkatastrophen bezifferte der Versicherer schon für den zurückliegenden Zeitraum zwischen 1980 und 2008 auf 1,6 Billionen US-Dollar.

Der Konzern entwickelt ein Versicherungskonzept für Entwicklungsländer. Herzstück ist ein weltweiter Klima- Versicherungspool mit einem jährlichen Prämienvolumen von fünf Milliarden Dollar. Nach Ansicht des Versicherers müssen sich die Staaten in Kopenhagen mindestens auf Eckpfeiler für eine Nachfolge des Kyoto-Protokolls einigen. Das Kyoto-Protokoll, dem sich die USA nicht verpflichtet haben, läuft 2012 aus.

Die bedrohlichen Szenarien der Munich Re untermauern Forschungsergebnisse über die Zerstörung der Wälder auf der Erde. Der Mensch hat in den vergangenen beiden Jahrhunderten mehr als die Hälfte zerstört. Über eine Milliarde Hektar ließen sich jedoch erfolgreich wieder aufforsten, das ist mehr als die Fläche Kanadas, berichtete die Naturschutzorganisation Global Partnership on Forest Restoration (GPFLR) in London. Am Abend wollten die Amazonas- Anrainerländer in Manaus (Brasilien) zu einer Klimakonferenz zusammenkommen, zu der auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erwartet wurde.

Den Meinungswandel Chinas begründete die Führung am Donnerstag mit der Pflicht des Landes, zum globalen Klimaschutz beizutragen. Nach einer Sitzung unter Vorsitz von Ministerpräsident Wen Jiabao teilte der Staatsrat in Peking mit, die neuen Ziele seien eine «freiwillige Maßnahme» und ein «großer Beitrag zu den weltweiten Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel». Der Regierungschef wird persönlich nach Kopenhagen reisen. «Wir hoffen, ein gerechtes und angemessenes Abkommen zu erreichen», sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Die Nation mit mehr als einer Milliarde Menschen, deren Wohlstand stetig wächst, ist heute mit einem Fünftel weltweit der größte Produzent des Klimakillers Kohlendioxid. Ungeachtet aller Pläne, weniger CO2 ausstoßen zu wollen, wird China nach Experteneinschätzung noch bis mindestens 2030 weiter mehr Treibhausgase produzieren. China gehört weltweit zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Die Umweltorganisation Greenpeace ging mit den Plänen Chinas hart ins Gericht. «Das ist zu wenig, um unter dem Zwei-Grad-Ziel zu bleiben, zu dem sich China auch bekannt hat», sagte der Klimaexperte von Greenpeace International, Martin Kaiser.

Solange sich das Klima nur um zwei Grad erwärmt, können sich Mensch und Ökosysteme nach Forscheransicht noch halbwegs daran anpassen. Damit das Zwei-Grad-Ziel erreicht wird, sollten auch Entwicklungsländer ihren Ausstoß an Treibhausgasen drosseln. Ziel ist eine Verringerung von bis zu 30 Prozent. Die Ankündigung Chinas entspreche aber nur einer Abweichung von 6 bis 13 Prozent, sagte Kaiser.

UN / Klima / Gipfel / China
26.11.2009 · 18:36 Uhr
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