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China jetzt Stau-Weltmeister

Im Norden Chinas stehen seit Tagen tausende Autos im Stau.Großansicht

Peking (dpa) - «Wer keine Geduld hat, kommt nicht ans Ziel», sagen die Chinesen. Ein 100 Kilometer langer Stau hatte sich nordwestlich von Peking aufgebaut - doch nach zehn Tagen konnten die ausdauernden Brummifahrer endlich wieder durchstarten.

Wie durch ein Wunder habe sich der Mega-Stau früher als erwartet wieder aufgelöst, berichteten Autofahrer am Mittwoch. Immerhin hinterließ der Bandwurm dem gerade zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht aufgestiegenen Milliardenreich einen neuen Rekord: Das Land mit den längsten Blechlawinen.

Besonders schlimm war es auf der G 110-Landstraße und der Peking-Tibet-Autobahn zwischen Huai'an in der Provinz Hebei und Xinghe in der Inneren Mongolei. Tagelang ging nichts mehr. Der Stau warf ein Schlaglicht auf die angespannte Verkehrslage in China, das zu wenig Straßen für seine rasant steigende Zahl von Lastern und Autos hat.

Am Mittwoch zeugten auf der Straße noch der Müll und andere Reste der Nachtlager von dem tagelangen Martyrium. Der Stau hatte sich auflösen können, weil an einigen Baustellen wieder Fahrbahnen freigegeben worden waren. Auch hatte die Polizei auf die sonst routinemäßigen Lkw-Kontrollen verzichtet, die den Lastwagenverkehr immer aufhalten. Zuvor hatte der China News Service berichtet, der Stau könne noch Wochen dauern. Die Straßenbauarbeiten, die als eine der Ursachen galten, würden erst Mitte September beendet.

Doch neue Blechkolonnen sind vorprogrammiert. Ein Grund für verstopfte Straßen sind auch die Kohlelieferungen aus der Inneren Mongolei in andere Teile des Milliardenreiches. Der August ist traditionell der Monat, in dem begonnen wird, die Kohlelager für den harschen Winter zu füllen. Die Innere Mongolei ist im vergangenen Jahr zum größten Lieferanten des «schwarzen Goldes» aufgestiegen, nachdem in der Kohleprovinz Shanxi wegen vieler Grubenunglücke aus Sicherheitsgründen zahlreiche Bergwerke geschlossen wurden.

Staus gehören ohnehin schon lange zum Alltag. Vor den Toren der 17- Millionen-Metropole Peking stauen sich Lastwagen in Bandwurmschlangen über viele Kilometer, weil sie nur nachts in die Hauptstadt fahren dürfen. Erst im Juli hatte sich auf dem Peking-Tibet-Expressway über vier Wochen ein riesiger Stau gebildet.

Die Blechlawinen auf den Überlandstraßen sind Teil eines gigantischen Verkehrsproblems. Da heute nirgendwo in der Welt so viele Autos verkauft werden wie in China, sind auch die Städte völlig verstopft. Der Verkauf von Autos stieg 2009 um 45 Prozent. Allein in Peking werden heute jeden Tag mehr als 2000 Autos neu zugelassen. Da der Verkehr häufig nur im Schritttempo vorankommt, müssen die Pekinger je nach Nummernschild an einem Tag der Woche ihr Auto stehenlassen. Dennoch eroberte sich Peking im «Leidens-Index» der gequälten Pendler in Metropolen weltweit einen Spitzenplatz: «Nirgendwo sind die Staus schlimmer», titelten Zeitungen.

Verkehr / China
25.08.2010 · 16:50 Uhr
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