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China: Islamisten aus Pakistan für Gewalt verantwortlich

Ein uigurischer Händler verkauft Brot in der Oasenstadt Kashgar in der Unruheregion Xinjiang (Archivfoto vom 10.07.2009).Großansicht

Peking (dpa) - China hat pakistanische Islamisten für die Unruhen in der chinesischen Uigurenstadt Kashgar verantwortlich gemacht. Die in Pakistan beheimatete Islamische Bewegung Ostturkestans (Etim) habe die Täter im Umgang mit Bomben und Schusswaffen ausgebildet.

Dies berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Diese Bewegung sei «die gewalttätigste und gefährlichste» der islamischen Separatisten, zitierte sie einen Sozialwissenschaftler. Menschenrechtler zweifelten die offiziellen Darstellungen an und forderten eine unabhängige Untersuchung.

«Viele Indizien deuten darauf hin, dass diese Gewaltakte mehr Ausdruck der Verärgerung und Verzweiflung der in der Region lebenden Muslime sind als gezielt aus dem Ausland gesteuerte Terrorakte», erklärte Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen. «Wir befürchten neue Verhaftungen in Kashgar und eine weitere Zunahme der Gewalt.»

Am Wochenende waren in Kashgar im Nordwesten Chinas bei Anschlägen mindestens 19 Menschen getötet und 40 verwundet worden, darunter auch mehrere Attentäter. Bei der jüngsten Tat am Sonntag erschoss die Polizei vier mutmaßliche Täter, ein weiterer starb später im Krankenhaus. Vier Verdächtigen gelang die Flucht.

Nach den tagelangen Unruhen sprach sich die Gesellschaft für bedrohte Völker für eine unabhängige Untersuchung und ein Eingreifen der UN aus. «Wir sind tief besorgt über die sich zuspitzende Lage in der von Uiguren besiedelten Region Xinjiang (Ostturkestan), die immer mehr einem Pulverfass gleicht», schrieb die Menschenrechtsorganisation an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navanethem Pillay. «Die offiziellen Darstellungen des Geschehens sind so widersprüchlich, dass ihnen kein Glauben geschenkt werden kann. Dringend muss die UN tätig werden, damit eine weitere Gewalteskalation verhindert wird.»

Der Menschenrechtsorganisation zufolge sind in den vergangenen zehn Tagen bei den Unruhen mindestens 33 Menschen getötet worden. «Von den chinesischen Behörden werden immer Uiguren für die Gewalt verantwortlich gemacht», erklärte der GfbV-Asienreferent Delius einer Mitteilung zufolge. Die Schilderungen seien aber widersprüchlich. «Mal sollen die Täter Bomben geworfen, mal mit Messern auf Passanten eingestochen haben oder mit einem Lastwagen gezielt in eine Menschenmenge gefahren sein.»

Das chinesische Regime hat der Organisation zufolge in den vergangenen anderthalb Jahren 70 Prozent der traditionell nur von Uiguren bewohnten Altstadt Kashgars niederreißen lassen, um die Bevölkerungsstruktur in der Stadt zu verändern und die uigurischen Einwohner besser kontrollieren zu können. Zuvor seien dort mehrere Tausend Überwachungskameras installiert worden

Konflikte / Minderheiten / China
01.08.2011 · 14:01 Uhr
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