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China feiert sich mit mächtiger Waffenschau

Große Militärparade in PekingGroßansicht
Peking (dpa) - Show der Superlative zum Jahrestag: Mit einem gigantischen Propagandaspektakel und einer riesigen Militärparade hat die Pekinger Führung am Donnerstag die Errungenschaften der kommunistischen Herrschaft seit der Gründung der Volksrepublik vor 60 Jahren gefeiert.

Bei der bisher größten Waffenschau präsentierte sich China als selbstbewusste Militärmacht. In der ersten Militärparade seit zehn Jahren führte die Volksbefreiungsarmee 52 moderne Waffensysteme «Made in China» vor. Als «Trumpfkarte» wurden die mobilen Interkontinentalraketen bejubelt, die mit nuklearen Sprengköpfen die USA erreichen können. Im Anschluss an Panzer, Raketen und eine einzigartige Flugschau marschierten rund 200 000 Blumen und Fähnchen schwenkende Menschen mit bunten Umzugswagen an der kommunistischen Führung vorbei.

Die Feiern mündeten in eine spektakuläre Galashow mit 60 000 Darstellern am Abend auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Herzen Pekings. Nach den blutigen Unruhen in Tibet und Xinjiang sollte die bunte Inszenierung mit Tänzen und Gesängen die ethnische Einheit der 56 Volksgruppen in China beschwören und den Patriotismus anfachen, wie Staatsmedien schrieben. Das gewaltige Feuerwerk war doppelt so groß wie das bei der Eröffnung der Olympischen Spiele vor gut einem Jahr in Peking. Die Feiern fanden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Das normale Volk war nicht zugelassen. Die 17 Millionen Pekinger und der Rest des Milliardenvolkes waren aufgefordert, das Spektakel im Fernsehen zu verfolgen.

Zu Beginn der Militärparade nahm Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao als Oberkommandierender die Truppen stehend in einer Limousine des Typs «Rote Fahne» ab. «Genossen, Ihr habt es nicht leicht», rief der Präsident den 8000 Soldaten zu. Als einziges Mitglied der Führung trug der 66-Jährige in alter kommunistischer Tradition einen dunkelgrauen, traditionellen Mao-Anzug. In einer Rede vom Tian'anmen-Tor, wo der «große Steuermann» Mao Tsetung am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik ausgerufen hatte, versicherte Hu Jintao ungeachtet der waffenklirrenden Militärschau, dass China einer «friedlichen Entwicklung» verpflichtet sei.

Als einer der ersten Gratulanten lobte Russlands Regierungschef Wladimir Putin die Entwicklung seines Nachbarn als Erfolgsgeschichte. China habe «eine feste Position» unter den Weltmächten und genieße «hohe Autorität». Scharfe Kritik erntete das chinesische Regime von Menschenrechtsgruppen. Sie prangerten «tyrannische Herrschaft» und «unentschuldbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit» in den 60 Jahren an. «Zig-Millionen Menschen sind durch politische Verfolgung und Machtmissbrauch ums Leben gekommen.» Im Ausland lebende Vertreter ethnischer Minderheiten wie Tibeter und Uiguren beklagten Unterdrückung ihrer Volksgruppen. «Das Machtspektakel kann tiefe Unsicherheit nicht verbergen», fand «Human Rights in China» (HRiC).

Für die Parade wurde das Wetter mit dem bislang größten Einsatz der chinesischen Regenmacher manipuliert. Mit Chemikalien wurden Wolken über Nacht zum Abregnen gebracht. So wurden Nebel und Smog vertrieben, und die Sonne schien über den Feiern. Am blauen Himmel zeigte Chinas Luftwaffe ihre bislang größte Show. 151 Flugzeuge donnerten über die Hauptstadt, darunter chinesische J-10- und J-11-Kampfjets, ein Flugzeug zur Luftraumaufklärung sowie Bomber und Hubschrauber. Erstmals steuerten Pilotinnen 15 Flugzeuge - allerdings erst am Ende der Formationen.

In seiner Rede versicherte Präsident Hu Jintao, China werde «unerschütterlich» an seiner marktwirtschaftlichen Reformpolitik festhalten. «Nur der Sozialismus kann China retten, und nur Reform und Öffnung können die Entwicklung Chinas, des Sozialismus und Marxismus sicherstellen.» China sei auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts der Souveränität und territorialen Integrität sowie der «Nicht-Einmischung» zur Zusammenarbeit mit anderen Ländern bereit.

Geschichte / China
01.10.2009 · 16:06 Uhr
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