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Chef der Kommission Organtransplantation schlägt unabhängigen Laborarzt als Kontrollinstanz vor

Berlin (dts) - Der Chef der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, Hans Lilie, schlägt wegen des Organspende-Skandals in Göttingen eine zusätzliche Kontrollinstanz für die Überprüfung von Patientendaten nach dem Vier-Augen-Prinzip vor. "Bei dem Skandal in Göttingen wurden offenbar Laborwerte verfälscht. Daher verfolge ich die Idee, dass ein Laborarzt die Daten, die Eurotransplant geschickt werden, noch einmal prüfen sollte", sagte Lilie der Tageszeitung "Die Welt".

Eurotransplant ist die für Deutschland zuständige Vermittlungsstelle für Organspenden. Lilie führte weiter aus, dieser Arzt wäre "ein Zeuge für die Richtigkeit der Daten". Weiter sagte Lilie: "Dieser Arzt käme selbstverständlich nicht aus dem Umfeld des zuständigen Transplantationsmediziners, sondern wäre unabhängig und hätte daher auch kein Interesse an einer Verfälschung." Der Strafrechtsprofessor Lilie betonte, dass es sich bei seinem Vorschlag noch nicht um eine konkrete Forderung handle. Erforderlich wäre hierfür zuvor "eine entsprechende Entscheidung der Ständigen Kommission". Eckhard Nagel, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik in Essen, sprach sich ebenfalls für die Einführung des Vier-Augen-Prinzips aus: "Es würde die Sicherheit vor Ort und die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung von Betrügereien erhöhen, wenn zwei Ärzte die Befunde unterschreiben müssten." Nagel hatte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier vor der Nierenspende an dessen Frau beraten. Zum Göttinger Fall sagte Nagel: "Diese Form des Betrugs hat es in den letzten 25 Jahren noch nie gegeben." Gegen das Vier-Augen-Prinzip sprach sich Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Mitglied der Kommission Organtransplantation, aus: "Ich bin dagegen, das Vier-Augen-Prinzip einzuführen. Das ist für manche Entscheidungen nicht günstig und praktisch auch nicht immer machbar." Man müsse, sagte Windhorst weiter, "nicht das ganze System revolutionieren". Er gehe "nicht davon aus, dass alle Ärzte korrupt sind". Stattdessen müssten alle Transplantationszentren darauf überprüft werden, ob dort bisher richtig gearbeitet wurde, forderte Windhorst. Dies sollte mit Einzelfallprüfungen per Zufallsprinzip geschehen.
DEU / Gesundheit
21.07.2012 · 10:17 Uhr
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