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Chávez bricht Beziehungen zu Kolumbien ab

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Caracas/Bogotá (dpa) - Die jahrelangen Spannungen zwischen den südamerikanischen Nachbarländern Venezuela und Kolumbien haben sich verschärft.

Im Streit um die angebliche Präsenz kolumbianischer Guerilleros in Venezuela verkündete der linksgerichtete Präsident Hugo Chávez den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien.

Kolumbien hatte zuvor bei einer Sitzung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Washington dem Nachbarland vorgeworfen, kolumbianische Rebellen zu beherbergen. Ausgerüstet mit Fotos, Videos, Landkarten und GPS- Daten versicherte der kolumbianische OAS-Botschafter Luis Alfonso Hoyos am Donnerstag, das sich 1500 FARC- und ELN-Guerilleros in Venezuela aufhielten. Sie hätten sogar kürzlich Angriffe gegen Kolumbien gestartet.

Chávez, der am Donnerstag in Caracas den argentinischen Nationaltrainer Diego Maradona empfing, warf Kolumbien vor, gemeinsam mit den USA einen Krieg gegen Venezuela anzetteln zu wollen. «Ich sehe mich verpflichtet, die Beziehungen mit dieser Regierung Kolumbiens abzubrechen, schon aus Selbstachtung», sagte Chávez vor laufenden Kameras im Beisein Maradonas.

Das Verhältnis zwischen dem beiden südamerikanischen Ländern hatte sich schon seit dem Amtsanritt des konservativen kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe 2002 als Gegenspieler des Linkspopulisten Chávez verschlechtert. Uribe wird sein Amt am 7. August an seinen gewählten Nachfolger Juan Manuel Santos übergeben. Von Santos wird aber erwartet, dass er den politischen Kurs seines Vorgängers vor allem hinsichtlich der linken FARC und Venezuelas fortsetzen wird.

Bei der OAS-Sitzung in Washington lieferten sich die Botschafter beider Länder hitzige Wortgefechte. Venezuelas Vertreter Roy Chaderton wies die Beschuldigungen zurück und forderte seinerseits die Entsendung einer Kommission zur Untersuchung der US- Militärstützpunkte in Kolumbien. Diese dienen nach Angaben der Regierungen Kolumbiens und der USA vor allem der Bekämpfung der Drogenkriminalität in der Region.

OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza rief beide Ländern dazu auf, die Gemüter zu kühlen und den Dialog zu suchen. Insulza erinnerte daran, dass es nicht das erste Mal sei, dass beide Länder in den vergangenen Jahren ihre Beziehungen abgebrochen hätten. Aus Brasilia kündigte Präsidentenberater Marco Aurelio García an, dass sich Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva bereits mit Chávez und Uribe in Verbindung gesetzt habe, um in dem Konflikt zu vermitteln.

International / Venezuela / Kolumbien
23.07.2010 · 11:43 Uhr
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