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CDU und Althaus zittern - Opposition möglich

Gequältes Lächeln: Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU). Eine Rot-Rot-Grüne Koalition könnte seine Amtszeit beenden.Großansicht
Erfurt (dpa) - Die CDU von Ministerpräsident Dieter Althaus muss zittern. Nach dem Verlust ihrer zehn Jahre währenden Alleinherrschaft bei der Thüringer Landtagswahl am Sonntag wird kräftig um Koalitionen und Macht gepokert.

Die Hochrechnungen für die Parteien lassen zwei Möglichkeiten offen: Eine CDU-SPD-Koalition ebenso wie ein rot-rotes- grünes Bündnis. Althaus, der nach seinem schweren Skiunfall zu Jahresbeginn unbedingt Ministerpräsident bleiben wollte, könnte nach der Wahl sogar Geschichte schreiben.

Bekommt er eine Koalition mit der SPD seines Herausforderers Christoph Matschie nicht hin, könnte die CDU erstmals nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei Landtagswahlen direkt auf der Oppositionsbank in einem Bundesland landen. Einen solchen Absturz hatte bisher nur die SPD erlitten, zuletzt 2003 in Niedersachsen. Althaus Vorgänger und Ziehvater Bernhard Vogel sagte den lakonischen Satz: «Tränen würden überhaupt nicht helfen».

Die bisherige Opposition frohlockt. Linke und SPD sowie die in den Landtag eingezogenen Grünen, die zusammen auf knapp über 50 Prozent kommen, präsentierten sich in Feierlaune. «Das System Althaus ist abwählt», sagte Matschie. Der Spitzenkandidat der Linken, Bodo Ramelow, warb wortgewaltig für einen «Politikwechsel», gemeint ist ein Machtwechsel. Für Ramelow war die Wahl in Thüringen, wo die CDU seit 1990 den Ministerpräsidenten stellt, eine Art politisches Wetterleuchten. Statt drei sind nun fünf Parteien im bunter gewordenen Parlament vertreten, Rot-Rot-Grün nah und die NPD draußen.

Der 51-Jährige Althaus wirkte dagegen nervös, reserviert, ja verkrampft, wie oft schon im Wahlkampf. Ihm bleibt jetzt nur, auf die SPD zuzugehen. Auf eine Koalitionsaussage hatte sich der Spitzenmann der CDU wohlweislich vorab nicht festgelegt. Viele hatten mit einer großen Koalition geliebäugelt. Schon im Mai hatte sich Althaus vom Ziel einer absoluten Mehrheit verabschiedet und nur noch wolkig von «Gestaltungsmehrheit» gesprochen. Er hatte darauf gesetzt, dass die Wähler in der Wirtschaftskrise die unverkennbaren Aufbauerfolge in Thüringen honorieren. Offenbar zu wenig nach 19 Jahren CDU-Regierung in Thüringen und der Dauerkritik daran, wie Althaus medial mit dem Skiunfall umging, bei dem eine Frau ums Leben kam.

Das Zünglein an der Waage im Koalitionspoker ist jetzt der 48- Jährige Matschie, der sich mit einer Verbesserung des SPD-Ergebnisses um vier Punkte auf mehr als 18 Prozent als eigentlicher Wahlsieger sieht. Er könnte wählen zwischen einem Bündnis mit Ramelow und der Grünen-Spitzenkandidatin Astrid Rothe-Beinlich oder der «großen Koalition», die keine ist, mit Althaus. Doch so einfach ist das in der Thüringer SPD nicht: Matschie ist durch eine Urwahl von Anfang 2008 gebunden.

Die Parteibasis, die seit Jahren über den Umgang mit der Linken zerstritten ist, hatte Matschies Linie mit 72 Prozent abgesegnet. Rot-Rot-Grün ja, aber nur unter einem Ministerpräsidenten Matschie heißt damit die Festlegung, von der der SPD-Mann auch am Wahlabend nicht abrücken wollte. Ramelow, der die Linke auf stattliche 27 Prozent brachte und erster linker Ministerpräsident werden will, gab sich bei dem Thema zurückhaltend. Noch wirken er und Matschie wie zwei Königskinder, die sich schwer tun, zusammenzukommen. «In der Politik ist es wichtig, die Nerven zu behalten», hieß es vielsagend bei der SPD, die sich offensichtlich teuer verkaufen will.

Wahlen / Landtag / Thüringen
30.08.2009 · 22:30 Uhr
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