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CDU streitet über Abschied von der Hauptschule

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Berlin (dpa) - Die CDU-Spitze gibt die Hauptschule nach langem Festhalten auf und strebt nur noch zwei Schulformen an - das Gymnasium und eine Oberschule. Diese soll Hauptschule und Realschule vereinen. Dagegen regte sich am Mittwoch umgehend Widerstand aus den eigenen Reihen.

Den einen reicht die Kehrtwende nicht aus, den anderen geht sie zu weit. Auch Politiker der Koalitionsparteien CSU und FDP sowie der Opposition kritisierten die Pläne.

Die Oberschule soll nach dem Willen der Parteispitze den Weg entweder in die berufliche Bildung oder zur allgemeinen Hochschulreife eröffnen. Einen entsprechenden Entwurf des Leitantrags zum Bundesparteitag im November in Leipzig will der Vorstand bei einer Sitzung mit Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel am nächsten Montag in Berlin verabschieden. In dem Entwurf heißt es: «Derzeit haben wir zu viele Schulformen, die Eltern, Schüler und Lehrer gleichermaßen verwirren, (...). Deshalb treten wir für eine Reduzierung der Schulformen und die Einführung des Zwei-Wege-Modells in allen Ländern ein: Gymnasium und Oberschule.»

Das von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) miterarbeitete Papier sei eine Diskussionsgrundlage, aber unausgereift, sagte der Bildungsexperte der hessischen CDU-Fraktion, Hans-Jürgen Irmer. In Deutschland gebe es sehr gut funktionierende Hauptschulen und Realschulen: «Damit wird den unterschiedlichen Begabungen der Kinder in besonderer Weise Rechnung getragen.»

Baden-Württembergs CDU-Generalsekretär Thomas Strobl sagte dem «Tagesspiegel» (Donnerstag), für den Landesverband habe die Hauptschule einen eigenen pädagogischen Wert. Es gebe keinen Grund für «unsinnige Strukturexperimente». «Dagegen werden wir uns wehren.»

Der CDU-Bürgermeister im sauerländischen Finnentrop, Dietmar Heß, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Die CDU läuft ganz deutlich der Entwicklung und auch dem Elternwillen hinterher.» Er will mit Unterstützung der rot-grünen Regierung von Nordrhein-Westfalen eine Gemeinschaftsschule gründen, die um einen gymnasialen Zweig erweitert sein soll. Heß sagte: «Ich bedauere, dass das Thema nicht dadurch abgeräumt wurde, indem die CDU ernsthaft an einem Schulfrieden arbeitet.» Auf CDU-Parteitagen heiße es immer, Deutschland brauche nicht nur Abiturienten, sondern auch Hauptschüler. «Für ihre eigenen Kinder haben die Parteimitglieder aber einen anderen Bildungsweg vorgesehen. Das ist für mich ein Stück Heuchelei.»

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte, der Freistaat halte an der Hauptschule fest. Er begründete dies mit «individueller Förderung der Schülerinnen und Schüler». Die Vorsitzende der CSU- Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sagte der dpa, im Vordergrund müsse stehen, wie unterschiedliche Talente sowie praktische und theoretische Fähigkeiten der Kinder am besten gefördert werden könnten. Dabei sei sie für jede Diskussion offen.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt kritisierte, die CDU-Spitze habe «am grünen Tisch» eine Oberschule entworfen und wolle nicht nur die Hauptschule, sondern auch die Realschule abschaffen. Es sei auch keinem Hauptschüler geholfen, wenn er künftig den Stempel Oberschüler trage. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: «Die CDU vertritt in jedem Bundesland eine andere schulpolitische Position und offenbart damit die ganze Schizophrenie ihrer Bildungspolitik.» Die Linken-Abgeordnete Rosemarie Hein erklärte, ein zweigliedriges Schulsystem könne nur ein Zwischenschritt sein. Denn auch dieses hebe die «ausgrenzenden Effekte nicht auf».

Parteien / CDU / Bildung
22.06.2011 · 19:37 Uhr
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