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Castor rollt gen Gorleben - Protest-Nacht erwartet

In der Nähe von Lüneburg haben sich Greenpeace-Mitglieder an den Gleisen auf der Castor-Strecke festgekettet. Beamte der Bundespolizei untersuchen, wie sie befestigt sind. Foto: Marc Müller

Gorleben (dpa) - Mit Gleisblockaden und Protesten wollen die Atomkraftgegner den Castor-Zug nach Gorleben so lange wie möglich ausbremsen. In einem Waldstück bei Hitzacker besetzten am Abend mindestens 1200 Atomkraftgegner eine Schienenstrecke im niedersächsischen Wendland.

Den Streckenabschnitt muss der Transport mit hoch radioaktivem Müll auf seinem Weg zum Verladebahnhof nach Dannenberg passieren. Die Station, an der die elf Behälter für die Weiterfahrt auf Spezialfahrzeugen umgeladen werden, war am Abend bereits von der Polizei weiträumig abgesperrt worden.

Wann der Castor sein Ziel im Zwischenlager erreicht, war noch unklar. Am Abend hatte der Zug über eine nördliche Route den Güterbahnhof Maschen bei Hamburg angesteuert und war damit noch rund 100 Kilometer von seinem Ziel entfernt. Von dort führt die Strecke über Lüneburg nach Dannenberg. Polizei und Protestierer bereiteten sich auf eine lange Nacht vor. Viele Demonstranten wollten - mit Strohsäcken und Wärmefolien ausgerüstet - stundenlang an den Gleisen ausharren.

Ob der letzte Transport mit hoch radioaktivem Abfall aus Frankreich nach Gorleben bereits am Sonntag oder erst am Montag das Zwischenlager erreichen wird, war weiterhin ungewiss. Starker Wind könnte erstmals das Umladen der Castor-Behälter von der Schiene auf Lastwagen in Dannenberg verzögern. Meteorologen sagten für das Wochenende heftige Windböen voraus.

Im Laufe des Samstags stürmten Castorgegner an mehreren Orten die Schienen und entfernten Steine aus dem Gleisbett. Die Einsatzkräfte gingen in den unübersichtlichen Waldgebieten massiv gegen die «Störer», wie sie von der Polizei bezeichnet werden, vor. Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Die Beamten wurden laut Polizei zudem mit Steinen und Böllern angegriffen. An einer anderen Stelle hatten Atom-Gegner die Schienen verbogen. Atomgegner kritisierten die Strategie der Polizei: «Das ist ein übertriebenes Machtspiel der Polizei», sagte Hans-Werner Zachow von der Bäuerlichen Notgemeinschaft. Die Polizei verteidigte ihr Vorgehen als angemessen.

In Dannenberg protestierten am Nachmittag mehrere tausend Kernkraftgegner aus ganz Deutschland friedlich und farbenfroh gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Zu der zentralen Kundgebung in der Nähe des Verladebahnhofes kamen nach Polizeiangaben rund 8000 Menschen. Die Bürgerinitiativen sprachen dagegen von mehr als 23 000 Teilnehmern.

«Wir geben nicht auf, bis Gorleben gestoppt ist», erklärte die Anti-Atom-Organisation ausgestrahlt. Die Atomgegner fordern die schwarz-gelbe Bundesregierung auf, den Salzstock in Gorleben als mögliches Endlager aufzugeben. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte mit den Ländern die bundesweite Suche nach einem Endlagerstandort vereinbart. Dabei wird auch Gorleben weiter auf seine Eignung erkundet.

Der Zug mit Atommüll war am Mittwoch im französischen La Hague gestartet. Auf seiner Fahrt ins Wendland hat der Transport bereits mehrere Zwischenstopps eingelegt - Atomkraftgegner hielten den Konvoi zudem mehrfach bei seiner Fahrt gen Norden auf. Im Wendland war es seit Donnerstag wiederholt zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizei gekommen. Bisher wurden laut Polizei 35 Beamte verletzt. Rettungskräfte aus der Region sprachen darüber hinaus von mehr als 100 verletzten Demonstranten. Atomkraftgegner kritisierten die Einsatzstrategie der Polizei als zu hart. Die Sicherheitskräfte dagegen berichteten immer wieder von aggressiven Attacken gegen Beamte.

Atom / Transporte / Gorleben
26.11.2011 · 21:07 Uhr
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