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Carabinieri: Ein deutsches «Concordia»-Opfer

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Giglio (dpa) - Bei der Kreuzfahrt-Tragödie vor der italienischen Küste soll mindestens ein Deutscher ums Leben gekommen sein. Wie ein Kommandant der Carabinieri am Sonntag auf der Insel Giglio mitteilte, ist eines der acht identifizierten Opfer ein Mann aus Deutschland.

Weitere Details dürfe er nicht nennen. Das Auswärtige Amt bestätigte den Toten auf Anfrage nicht. Eine Sprecherin sagte, es lägen «keine belastbaren Informationen über deutsche Staatsangehörige unter den Toten vor». Damit gelten weiterhin zwölf Deutsche als verschollen.

Am Nachmittag wurde in Giglio die 13. Leiche - eine Frau - im Wrack der «Costa Concordia» gefunden. Dadurch stieg die Zahl der noch nicht identifizierten Toten auf fünf.

Am Wrack des Luxusliners wurde am neunten Tag nach dem Unfall die Suche nach den Vermissten fortgesetzt, nachdem sich das Schiff in der Nacht wieder bewegt hatte. Im Heck fanden Taucher nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa gegen 15.20 Uhr eine tote Frau auf Deck sieben.

Carabinieri-Kommandant Rocco Carpenteri sagte, neben dem Mann aus Deutschland seien unter den Toten vier Franzosen - darunter ein Ehepaar - und je ein Mann aus Italien, Spanien und Ungarn. «Sieben der Opfer sind Männer, eines eine Frau», berichtete Carpenteri.

Da den Einsatzkräften zum Teil widersprüchliche Angaben über die Anzahl der Passagiere und Besatzungsmitglieder vorliegen, geht der Einsatzleiter Franco Gabrielli weiter von 24 Vermissten aus. Es sei möglich, dass die noch unidentifizierten Opfer nicht auf offiziellen Listen standen. Sie wären demnach zusätzlich an Bord gewesen.

Eine Frau aus Ungarn hat sich nach Angaben ihrer Familie auf der «Concordia» aufgehalten, steht aber nicht auf der Liste der Reederei. «Sie könnte eine 25. Vermisste sein», sagte Gabrielli. Außerdem meinte der Chef des Zivilschutzes, auf dem Schiff könnten sich auch blinde Passagiere befunden haben.

Die Rettungstrupps konzentrierten sich am Sonntag zunächst auf Deck vier. Dort werden im Bereich eines Restaurants weitere Opfer vermutet, wie ein Feuerwehr-Hauptmann erklärte.

Geologe Nicola Casagli von der Universität Florenz sagte, das Schiff sei in der Nacht teilweise einen Zentimeter pro Stunde abgerutscht. Am Tag wurde diese Bewegung fast komplett gestoppt. «Wir wissen nicht, warum sich das Schiff bewegt hat», sagte Casagli.

Unterdessen hat der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffes die Reederei Costa Crociere für sein riskantes und misslungenes Manöver verantwortlich gemacht. Laut Tageszeitung «La Repubblica» sagte Francesco Schettino bei einer Anhörung vor Gericht diese Woche, die sogenannte Verbeugung vor Giglio vom 13. Januar «wurde noch vor dem Start in Civitavecchia von Costa geplant und verlangt».

Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, «machen wir Werbung für uns», zitierte der «Corriere della Sera» den unter Hausarrest stehenden Kapitän der «Costa Concordia». Manöver dieser Art habe es bereits «vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt» gegeben, habe Schettino weiter gesagt. Im Anschluss an seine Aussage war er aus der Haft in den Hausarrest entlassen worden.

Dagegen will die Staatsanwaltschaft Grosseto Einspruch einlegen und hofft auf die Daten und aufgezeichnete Gespräche des Fahrtenschreibers auf der Kommandobrücke. Die Hoffnung auf die Blackbox zerstreute Schettino in seiner Aussage vor Gericht: «Wir hatten an Bord ein Problem, seit 15 Tagen war das Backup der Sprachaufzeichnung kaputt. Wir haben einen Techniker gebeten, das Problem zu beheben, aber das ist nicht passiert.»

Zugleich rechtfertigte der Kapitän, den Notruf an die Küstenwache mehr als eine Stunde verzögert zu haben: «Aber wir mussten auf Nummer sicher gehen, denn ich wollte weder Passagiere ins Meer schicken noch Panik verbreiten, und es hätte unnötig Tote gegeben.»

Schifffahrt / Unfälle / Italien
22.01.2012 · 18:02 Uhr
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