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Busfahrt in den Tod: Fieberhafte Suche nach Ursache

Bergung aus der WupperGroßansicht
Radevormwald (dpa) - Nach dem schweren Busunglück im bergischen Radevormwald mit fünf Toten suchen die Ermittler fieberhaft nach der Ursache. «Wir untersuchen in alle Richtungen, auch ob es gesundheitliche Probleme des Fahrers gab oder ein technischer Defekt vorlag», sagte eine Polizeisprecherin.

Berichte über einen Schwächeanfall des Busfahrers wiesen Polizei und Staatsanwaltschaft als «reine Spekulation» zurück. Die Befragung der Zeugen habe begonnen, müsse aber wegen der teilweise traumatischen Erlebnisse sehr behutsam erfolgen. Die technischen Untersuchungen rund um das Buswrack liefen auf Hochtouren.

Bei dem Unfall waren der Busfahrer und vier Fahrgäste getötet und weitere sieben Insassen teilweise schwer verletzt worden. Marcel Langer (25), einer der Überlebenden, sagte am Mittwoch am Unfallort der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Es war schrecklich. Der Fahrer hat Vollgas gegeben seit der Haltestelle davor. Es hat uns alle in die Sitze gedrückt. Ich konnte den Fahrer nicht sehen, aber ich glaube nicht, dass er einen Herzinfarkt hatte. Ich kann nicht sagen, ob er sich vielleicht einfach umbringen wollte.»

Einige der Verletzten konnten das Krankenhaus einen Tag nach dem Unglück wieder verlassen. Die Obduktion des getöteten 45-jährigen Busfahrers, von der sich die Ermittler wichtige Erkenntnisse erhoffen, verzögerte sich unterdessen und sollte nun erst am Donnerstag vorgenommen werden. «Da wird alles untersucht, was man sich vorstellen kann, Herzanfall, alles», sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld.

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer hält zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen in Linienbussen nicht für nötig. «Das macht überhaupt keinen Sinn, da mit Gurten zu arbeiten», sagte der Verbandssprecher Martin Kaßler. Die meisten Leute im Berufsverkehr stiegen schließlich nur kurz zu und hätten oft auch keinen Sitzplatz. Die Busse seien sicherheitstechnisch gut ausgerüstet, zum Beispiel mit drei Bremskreisläufen: «Wenn einer ausfällt, greifen immer noch die anderen.»

Der Bus der Linie 626 hatte am Dienstagmittag in hohem Tempo eine Leitplanke durchbrochen, war gut 15 Meter tief eine Böschung hinabgestürzt und in der Wupper liegengeblieben. Mit dem Fahrer waren ein älteres Ehepaar aus Schwerte sowie ein Mann (38) und eine Frau (80) aus Radevormwald getötet worden. Eine 81-Jährige, die in Lebensgefahr schwebte, war am Mittwoch laut Polizei in einem stabilen Zustand. Zu den weiteren sechs Verletzten gehören zwei 16 und 17 Jahre alte Mädchen.

Die Kleinstadt bei Wuppertal steht nach den Worten ihres Bürgermeisters Josef Korsten (SPD) unter Schock und trauert. Am Freitagabend soll es einen ökumenischen Gottesdienst für die Opfer, ihre Angehörigen, alle Helfer und die rund 150 Einsatzkräfte geben. Psychologen, Seelsorger und Mediziner kümmerten sich nach dem Unglück weiter intensiv um die traumatisierten Opfer und ihre Angehörigen. Bürger hatten am Unfallort Kerzen für die Opfer aufgestellt. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus.

Gutachter untersuchten das abgeschleppte Buswrack. Der Fahrtenschreiber wurde ausgebaut, auch um Informationen zur Geschwindigkeit zu erhalten. «Die gesamte Technik wird untersucht», erklärte Feld. Ob das Fahrzeug tatsächlich ungebremst mit 100 Kilometern pro Stunde die abschüssige Straße hinunterraste, steht laut Polizei noch nicht fest. Es soll noch einige Tage dauern, bis Ergebnisse zur Unfallursache vorliegen. Der Bus soll noch neu gewesen sein, der Fahrer sehr erfahren und zuverlässig.

An der Unfallstelle gingen Spurensuche und Aufräumarbeiten weiter. «Dass es weitere Opfer gibt, schließen wir jetzt aus», sagte Polizeisprecher Jürgen Dzuballe vor Ort. Feuerwehrleute fanden noch einige persönliche Gegenstände der Opfer.

[Unfallort]: Wuppertalstraße, Radevormwald

Unfälle / Verkehr
23.09.2009 · 16:30 Uhr
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