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Bundesweit Warnstreiks im Bahnverkehr

Warnstreiks bei der BahnGroßansicht

Berlin/Stuttgart (dpa) - In vielen Teilen Deutschlands müssen Bahnreisende am Dienstagmorgen wegen Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Schwerpunkte dürften Bayern, Baden-Württemberg und Hessen sein, wie örtliche Sprecher der Gewerkschaften Transnet und GDBA am Montag berichteten.

Direkt betroffen ist der Regionalverkehr, aber auch der Fernverkehr könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Arbeit der Eisenbahner soll an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten für jeweils zwei Stunden ruhen.

Grund für den Ausstand ist die Unzufriedenheit der Gewerkschaften mit den bisherigen Verhandlungen über einen Branchentarifvertrag. Zu den Aktionen, die im frühmorgendlichen Berufsverkehr anlaufen sollen, sind Beschäftigte mehrerer Privatbahnen und der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB) aufgerufen. Transnet und GDBA verlangen von den privaten Bahnunternehmen ein deutlich höheres Einkommensniveau als bisher angeboten. Die Unternehmen kritisierten die Streiks und boten eine Schlichtung an.

«Wir hoffen, dass unser Signal von den Arbeitgebern verstanden wird», erklärten Transnet-Chef Alexander Kirchner und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Die beiden Gewerkschaften sowie die Lokführergewerkschaft GDL verhandeln seit mehreren Wochen parallel mit sechs großen Privatbahnen und der DB über einheitliche Tarifstandards für die Branche. Damit soll ein Wettbewerb über die Lohnkosten vermieden werden. Die Einkommen bei privaten Konkurrenten liegen teils 20 Prozent unter DB-Niveau. Allein mit den Regionalzügen des Marktführers fahren täglich 3,4 Millionen Passagiere.

«Bundesweit sind erhebliche Störungen im gesamten Schienenverkehr zu erwarten», teilten Transnet und GDBA mit. In Baden-Württemberg sind laut GDBA vor allem die Regionen Karlsruhe und Stuttgart betroffen. Am Hauptbahnhof Stuttgart soll der Fernverkehr lahmgelegt werden. «Unser Ziel ist es, dass zwischen 05.00 und 08.00 Uhr kein Intercity oder ICE den Hauptbahnhof Stuttgart verlässt», kündigte GDBA-Sprecher Hans-Peter Hurth an.

Ein anderer Schwerpunkt der Warnstreiks soll unter anderem Bayern sein. Bestreikt werden würden vom frühen Morgen an die Privatbahnen Arriva, Veolia sowie die DB, sagte Transnet-Sprecher Johann Gebhardt in Nürnberg. «Konzeptionell wird ganz Bayern betroffen sein, auch wenn wir nicht überall voll reinlangen.» Der Fernverkehr könne ebenfalls beeinträchtigt werden.

Im Rhein-Main-Gebiet wird voraussichtlich Frankfurt das Zentrum der Aktionen sein. Vor dem Hauptbahnhof wollen sich am Morgen wie auch am Kasseler Kulturbahnhof Streikende versammeln, berichtete der Gewerkschafter. Auch in Mainz wird mit Behinderungen gerechnet. Im Norden müssen sich Pendler im Raum Hannover und Osnabrück auf Störungen im Nahverkehr einstellen. Zu spüren sein sollen Warnstreiks nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen auch in der Region Berlin/Brandenburg. Die S-Bahn Berlin soll aber verschont bleiben. Weniger betroffen sein sollen Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Beginnen sollen erste Arbeitsniederlegungen bereits in der Nacht gegen 3.00 Uhr. Die Streikwelle mit jeweils zweistündigen Protesten soll sich dann bis in den späten Vormittag ziehen. Die Aktionen sind zunächst auf diesen Dienstag beschränkt. «Sollten wir damit nicht vorankommen, sind weitere Arbeitskampfmaßnahmen unausweichlich», erklärten die Gewerkschaftsspitzen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beteiligt sich nicht an den Streiks.

Um «Unannehmlichkeiten» für die Reisenden so gering wie möglich zu halten, will die Deutsche Bahn bundesweit mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter einsetzen. Verstärkt werde vor allem das Servicepersonal an Bahnhöfen und bei der telefonischen Reisendeninformation, teilte der Konzern mit. Die Bahn empfahl Reisenden, sich vor der Fahrt zu informieren (kostenfreie Info-Telefonnummer 08000 996633; Internet- Seite http://www.bahn.de/aktuell).

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte die angekündigten Warnstreiks als «unbegründet und kontraproduktiv». Der Konzern sei überzeugt, dass eine Lösung am Verhandlungstisch möglich sei. «Wenn die Gewerkschaften glauben, mit Verhandlungen derzeit nicht weiter zu kommen, schlagen wir vor, in ein Schlichtungsverfahren einzusteigen.» Dies hatten auch die Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn angeboten. Ein Sprecher sagte zu den Warnstreiks: «Wir haben dafür kein Verständnis.»

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Tarife / Verkehr / Bahn
25.10.2010 · 22:46 Uhr
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