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Bundeswehr zahlt für Kundus-Opfer je 3800 Euro

Nach jüngsten Erkenntnissen starben bei dem Luftangriff 91 Menschen. Elf wurden schwer verletzt. Im offiziellen Bericht der Afghanistan-Schutztruppe ISAF war von bis zu 142 Toten und Verletzten die Rede. (Archivbild)Großansicht

Berlin (dpa) - Fast ein Jahr nach dem Luftangriff von Kundus hat die Bundeswehr den Angehörigen von Opfern jeweils 3800 Euro gezahlt. Das Verteidigungsministerium will das Geld aber nicht als Entschädigung verstehen. Opferanwälte halten die Summe für zu gering und erwägen eine Klage.

Nach jüngsten Erkenntnissen starben bei dem von einem deutschen Oberst befohlenen Angriff 91 Afghanen, elf wurden schwer verletzt. Einige Familie haben gleich mehrere Angehörige verloren. Die gezahlte Gesamtsumme beläuft sich auf knapp 327 000 Euro (430 000 US-Dollar). Demnach haben 86 Familien Geld bekommen.

«An jede betroffene Familie wurden 5000 US-Dollar gezahlt», teilte das Ministerium am Dienstag auf seiner Homepage (www.bundeswehr.de) mit. Das Geld sei bei einer afghanischen Bank eingezahlt worden. Die Angehörigen bekämen es über ein personalisiertes Konto. Es handele sich um eine freiwillige humanitäre Hilfsleistung und nicht um eine «Entschädigung im Rechtssinne».

Die Bundesanwaltschaft hatte im April ein Verfahren gegen den Oberst eingestellt, der den Luftangriff auf zwei von Taliban entführte und beim nordafghanischen Kundus steckengebliebenen Tanklaster in der Nacht zum 4. September 2009 angeordnet hatte. Er hatte die Tanklaster als Gefahr für die in dem deutschen Verantwortungsbereich stationierten Soldaten angesehen. Nach Angaben des Ministeriums war der Angriffsbefehl völkerrechtlich zulässig.

Im offiziellen Bericht der Afghanistan-Schutztruppe ISAF war von bis zu 142 Toten und Verletzten die Rede. Unklar ist, wie viele Zivilisten und Taliban darunter waren.

Nach Ministeriumsangaben ermittelte die afghanische Menschenrechtskommission AIHRC den Kreis der Opfer des Luftschlags und nannte dem deutschen Kommandeur des regionalen Wiederaufbauteams in Kundus, Oberst Reinhardt Zudrop, die betroffenen Familien.

Die Opferanwälte um den Bremer Juristen Karim Popal hatten für jeden Todesfall eine Entschädigung von rund 28 000 Euro gefordert. Die nun überwiesenen 3800 Euro bezeichnete Popal «als eine Art Vorschuss». «Das hindert uns nicht an einer Klage», sagte er auf Anfrage. «Wir schämen uns für diesen Betrag.»

Er hat nach eigenen Angaben knapp 80 Vollmachten von Mandanten. Das Ministerium hatte Verhandlungen mit ihm Mitte April abgebrochen, weil die Mandatsfrage nicht ausreichend geklärt sei. Auch der Bremer Opferanwalt Bernhard Docke hält die Höhe der Zahlungen für unangemessen niedrig.

Bei einem gemeinsamen Auftritt am Montag hatten der Direktor der AIHRC, Haiatullah Amiri, der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohamad Omar, und Oberst Zudrop die Zahlungen am Ort bekanntgegeben. Dass Ministerium zitierte einen der betroffenen Familienangehörigen, Abdullah Qahar, mit den Worten: «Das Geld hilft uns, ich werde mich um die Kinder kümmern, um ihnen eine bessere Ausbildung und Schulbildung zu ermöglichen.»

Informationen des Verteidigungsministeriums

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
10.08.2010 · 17:03 Uhr
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