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Bundeswehr soll für Wähler-Schutz in Kundus sorgen

Bundeswehr in KundusGroßansicht
Kundus/Kabul (dpa) - Sechs Tage vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat die Bundeswehr in der nördlichen Unruheregion Kundus ihre Anstrengungen zum Schutz der Abstimmung verstärkt.

«Wir sind heute mit starken Kräften ausgerückt», sagte der Kommandeur des zivil-militärischen Wiederaufbauteams (PRT), Oberst Georg Klein, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kundus. Die Soldaten blieben bis nach der Wahl am kommenden Donnerstag «in der Fläche». Die radikal-islamischen Taliban haben auch in der Provinz Kundus zu einem Wahlboykott aufgerufen und Wähler bedroht.

Die Unabhängige Wahlkommission in Kundus hatte sich besorgt über die Sicherheitslage gezeigt. Klein wollte sich nicht zur Zahl der deutschen Soldaten äußern, die die Wahl absichern, um den Aufständischen keine Anhaltspunkte zu liefern. Klein sprach von einer «schwierigen Gesamtlage» in Kundus. Dort sind rund 800 deutsche Soldaten eingesetzt. Knapp die Hälfte davon gehört «kämpfenden Einheiten» an. Die Sicherheitslage in Kundus ist so schlecht wie nie seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001.

Unterdessen hat der Vater eines getöteten 15-jährigen Jungen in Kundus knapp vier Wochen nach den tödlichen Schüssen deutscher Soldaten schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr erhoben.

Khan Mohammad sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kundus, entgegen der Bundeswehr-Darstellung hätten die Soldaten die Zivilisten weder mit Handsignalen noch mit Warnschüssen zum Anhalten aufgefordert gehabt. Das Verteidigungsministerium in Berlin wies die Vorwürfe zurück. Das Vorgehen der deutschen Soldaten sei «in keinster Weise zu beanstanden», betonte ein Ministeriumssprecher am Freitag.

Der Kommandeur des zivil-militärischen Wiederaufbauteams (PRT) in Kundus, Oberst Georg Klein, sagte: «Die Soldaten haben übereinstimmend und sehr glaubwürdig ausgesagt, dass Warnschüsse abgegeben worden sind.» Die Zivilisten seien mit ihrem Kleinlaster «in hoher Geschwindigkeit» auf eine Bundeswehr-Stellung zugefahren. Mehrere Soldaten hätten nach den Warnsignalen auf das Fahrzeug geschossen. Vor dem Vorfall habe es Meldungen gegeben, dass Selbstmordattentäter in Kleinlastern unterwegs seien. Soldaten seien in der Gegend mehrfach beschossen worden. Am selben Tag - dem 19. Juli - sei in der Region auch die bislang größte deutsch-afghanische Offensive gegen die Taliban begonnen worden.

«Es war ein tragischer Unfall im Rahmen des Gefechts», sagte Klein der dpa. Er habe sich noch am selben Tag entschuldigt. Aus dem PRT erfuhr die dpa, dass die Bundesregierung nach dem Vorfall mehr als 20 000 US-Dollar Entschädigung bezahlt hat. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte, dass die Familie des Jungen entsprechend den landesüblichen Sitten entschädigt wurde. Zur Höhe wollte er keine Angaben machen, sagte aber: «Das, was kursiert in den Medien, ist sicher nicht ganz falsch.»

Gleichzeitig zeigte sich der Sprecher über die Aussagen des Vaters «überrascht». Angehörige hätten bereits kurz nach dem Zwischenfall bekundet, dass letztlich nicht die Bundeswehr für den Tod des Jungen verantwortlich sei, sondern die Taliban. Khan Mohammad, der selbst durch Kugeln verletzt worden war, betonte, er hege keine Rachegefühle gegen die Deutschen. «Wir haben ihnen vergeben.» Sie hätten ihm nach dem Vorfall medizinisch und finanziell geholfen.

Trotzdem sei die Darstellung der Bundeswehr, wonach die Soldaten die Zivilisten vor den tödlichen Schüssen zum Stoppen aufgefordert hätten, «nicht wahr», sagte Mohammed. Bereits der erste Schuss habe seinen Sohn Tadsch Mohammad getroffen. Die gepanzerten Fahrzeuge der Bundeswehr hätten abseits der Straße gestanden. Der Kleinlaster der Zivilisten sei bereits an ihnen vorbeigefahren gewesen, als in Fahrtrichtung von hinten rechts geschossen worden sei. Er habe die Militärfahrzeuge beim Vorbeifahren beobachtet und hätte die ihm bekannten Warnsignale nicht übersehen können.

Die Bundeswehr hatte nach dem Vorfall mitgeteilt, der Fahrer habe trotz Warnschüssen nicht gestoppt. Daraufhin hätten die Soldaten gezielt auf das Fahrzeug geschossen, um es zum Halten zu bringen. Die Soldaten hätten von einem Angriff ausgehen müssen. Sie hätten ihre Waffen im Einklang mit den bestehenden Regeln eingesetzt. Das Verteidigungsministerium bekräftigte diese Darstellung am Freitag. Die Soldaten seien gezwungen gewesen, auf das Fahrzeug zu schießen, sagte der Sprecher in Berlin.

Es war der bislang zweite bekannte Vorfall, bei dem Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan einen Zivilisten töteten. Zuvor waren im August vergangenen Jahres versehentlich eine Frau und zwei Kinder erschossen worden. In der Region Kundus hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen Monaten erheblich zugespitzt.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
14.08.2009 · 20:56 Uhr
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