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Bundeswehr soll Einsatz gegen Taliban ausweiten

Bundeswehrsoldaten in Char DarahGroßansicht

Masar-i-Scharif (dpa) - Nach der erfolgreichen Offensive der Bundeswehr im nordafghanischen Unruhedistrikt Char Darah sollen die Aktivitäten gegen die Taliban ausgeweitet werden.

«Wir werden das in der nächsten Zeit noch in einigen weiteren Regionen erleben», kündigte Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) am Dienstag bei einem Truppenbesuch im Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif an. Es habe sich bewährt, «sehr viel mehr offensiv auf die Nester von Taliban zuzugehen». Bei einem Anschlag auf den Bürgermeister von Kundus starben unterdessen zwei Menschen.

Die Bundeswehr hat nach eigenen Angaben bei ihrer Offensive die Aufständischen aus Char Darah, dem gefährlichsten Distrikt Nordafghanistans, zu großen Teilen verdrängt. «Das ist der Weg in die richtige Richtung», sagte Staatssekretär Schmidt. Eine gewisse Vorsicht bei der Bewertung bleibe aber. Der Einfluss der Taliban müsse nicht zwangsläufig nur mit dem Einsatz von Waffen zurückgedrängt werden. «Das muss nicht immer mit Gewalt sein.»

Der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf für den Norden, Generalmajor Hans-Werner Fritz, sagte am Dienstag in Masar-i-Scharif, es gebe nun auch in Char Darah «Räume, aus denen die Taliban weitestgehend raus sind». Er fügte hinzu: «Hier tragen auch unsere Operationen Früchte, die wir sehr konsequent geführt haben, zusammen mit unseren afghanischen Partnern.»

Char Darah liegt westlich des deutschen Feldlagers in der Provinz Kundus. Der Distrikt war lange Zeit von den Taliban dominiert und heftig umkämpft. Im September 2009 ließ die Bundeswehr in dem nun eroberten Gebiet zwei von Aufständischen entführte Tanklaster bombardieren. Dabei wurden mehr als hundert Menschen getötet oder verletzt. Am Karfreitag starben in der Gegend drei deutsche Soldaten bei heftigen Gefechten mit den Taliban.

Ein Bundeswehr-Sprecher in Kundus sagte, die Taliban seien bei der jüngsten Operation aus dem südlichen Teil des Distrikts verdrängt worden. Im Norden Char Darahs seien weiterhin Aufständische.

Ende Oktober ging die Bundeswehr gemeinsam mit der afghanischen Armee im Süden Char Darahs in die Offensive und startete die Operation «Halmasag» (Blitz). Auch belgische und amerikanische Truppen waren unter den insgesamt rund 480 beteiligten Soldaten. Die schweren Kämpfe dauerten vier Tage. Mehrere Taliban wurden getötet, andere Aufständische wechselten die Seiten. In den Reihen der Bundeswehr gab es zwei Leichtverletzte. Die Bundeswehr setzte schwere Artillerie ein und forderte mehrfach Luftunterstützung an.

Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Bürgermeister der Stadt Kundus wurden am Dienstag dessen Bruder und ein Kandidat für die Parlamentswahl getötet. Bürgermeister Mullah Mohammad Farhad und vier weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Vize-Polizeichef der Provinz Kundus, Abdul Rahman Aktaasch.

In den vergangenen Wochen hatten Politiker und Militärs immer wieder von Fortschritten in Afghanistan berichtet und sich vorsichtig optimistisch zur weiteren Entwicklung geäußert. Fritz teilt diese Einschätzung auch für den gesamten Norden des Landes. «Ich glaube, dass wir da gute Fortschritte gemacht haben», sagte er.

Zwar sei die Sicherheitslage «unverändert angespannt», sagte der General. Die steigende Zahl von Gefechten und Anschlägen in diesem Jahr sei aber auch darin begründet, dass die Stärke der internationalen Truppen seit dem Frühjahr verdoppelt wurde. «Wir können jetzt auch in Bereiche reingehen, wo wir vorher nicht reingehen konnten», sagte Fritz. Dass sich die Taliban wehrten, sei eine «ganz normale Reaktion».

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
16.11.2010 · 15:21 Uhr
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