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Bundeswehr rüstet auf: Panzerhaubitzen nach Kundus

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird im Feldlager Mazar-i-Scharif der Bundeswehr von Brigadegeneral Frank Leidenberger begrüßt.Großansicht
Masar-i-Scharif/Kundus (dpa) - Angesichts der eskalierenden Gewalt rüstet die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus auf.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kündigte am Mittwoch bei einem Truppenbesuch im deutschen Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif an, «so schnell wie möglich» zwei Panzerhaubitzen 2000 nach Kundus zu verlegen. Zudem sollen der Truppe dort TOW-Panzerabwehrraketen sowie zusätzliche Schützenpanzer vom Typ Marder zur Verfügung gestellt werden. «Das sind Grundvoraussetzungen, die geschaffen werden, um dem Auftrag dort auch gerecht zu werden.»

Am Karfreitag waren drei deutsche Soldaten in Kundus in einem Hinterhalt der Taliban getötet worden. Die Panzerhaubitze ist ein schweres Artilleriegeschütz, das vom Feldlager aus Ziele in einem Umkreis von 40 Kilometern auf 20 bis 30 Meter genau treffen kann. Sie wird etwa von den Niederländern in Südafghanistan eingesetzt. Guttenberg hatte am Mittwoch die deutschen Soldaten in Kundus besucht. In Masar-i-Scharif sagte er anschließend, neben größeren Maßnahmen wie der Verlegung der Panzerhaubitzen würden auch «viele kleinere Punkte» zügig umgesetzt. Einzelheiten nannte er nicht.

Knapp zwei Wochen nach den schweren Kämpfen vom Karfreitag stärkte der Verteidigungsminister den deutschen Soldaten in Afghanistan demonstrativ den Rücken. «Mir ist wichtig, den Soldatinnen und Soldaten vor Ort zum einen deutlich zu machen, dass die politische Spitze hinter ihnen steht», sagte er. Zum anderen gehe es darum, der deutschen Öffentlichkeit klar zu machen, was der Einsatz in Afghanistan bedeute. Wichtig sei, «dass man den Soldaten vor Ort nicht vergisst, sondern dass man ihm Unterstützung gibt».

Nach dem Tod der drei deutschen Soldaten in Kundus ist die Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz in der Bevölkerung laut einer Umfrage weiter gesunken. In einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Erhebung im Auftrag des Magazins «Stern» sprachen sich 62 Prozent der Befragten für den Abzug der Bundeswehr aus. Es sei der höchste Wert, den das Institut bei dieser Frage bislang gemessen hat.

Guttenberg und Bundeskanzlerin Angela Merkel wiesen SPD-Forderungen nach einem neuen Bundestags-Mandat für den Einsatz in Afghanistan zurück. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte in der «Frankfurter Rundschau» (Dienstag) gesagt, wenn die Bundesregierung den Einsatz für einen «Krieg» halte, müsse sie ein neues Mandat beantragen. «Das Mandat ist auf die Realitäten entsprechend ausgerichtet», sagte Guttenberg. Er mahnte: «Was Begriffs-Differenzierungen anbelangt, so sollte man die nie auf dem Rücken der Soldaten austragen.»

Guttenberg hatte nach den schweren Gefechten vom Karfreitag von einem Krieg gesprochen. Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach sagte am Mittwoch in Berlin: «Die rechtlichen Grundlagen des Einsatzes und des Bundestags-Mandats haben sich nicht verändert.»

Am Ehrenhain für die Gefallenen im Feldlager in Kundus enthüllte Guttenberg die Tafeln mit den Namen der drei Toten vom Karfreitag. Er bedankte sich bei den Bundeswehr-Soldaten für ihren Einsatz. «Wir sind auf Ihre Kraft und Ihre Stärke hier angewiesen», sagte der Minister bei seinem aus Sicherheitsgründen zuvor nicht angekündigten Besuch. Später betonte er: «Ich stelle fest, dass wir hier eine wirklich tolle Truppe haben.» Die Soldaten seien motiviert, wüssten aber um die Gefahren. «Afghanistan bleibt ein gefährlicher Ort. Der Einsatz bleibt einer, der nicht ohne Risiken ist.»

Die Kämpfe am Karfreitag hatten eine Debatte über Ausrüstung und Ausbildung der Bundeswehr ausgelöst. Die vom designierten Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus geforderte Entsendung von «Leopard 2»-Kampfpanzern lehnte Guttenberg ab, weil die schweren Fahrzeuge für das Gelände um Kundus nicht geeignet seien.

Zur Entsendung amerikanischer Soldaten in den deutschen Verantwortungsbereich in Nordafghanistan sagte der Minister: «Wir sind in einem Bündnis, und es ist etwas vollkommen Normales, dass in einem Bündnis unterschiedliche Bündnispartner Verantwortung übernehmen.» Deutschland habe die Verantwortung für den Norden. «Das ist von den Amerikanern vollkommen akzeptiert.»

Die USA wollen nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF bis zu 4500 Soldaten nach Nordafghanistan entsenden, die unter Bundeswehr-Befehl stehen sollen. Guttenberg sagte: «Wir freuen uns, dass wir die Amerikaner an unserer Seite haben. Sie schließen auch Fähigkeitslücken, die wir hier oben haben.» Der Minister spielte darauf an, dass die US-Truppen rund 40 Helikopter nach Nordafghanistan schicken wollen, darunter auch Kampfhubschrauber.

Die Bundeswehr hat derzeit rund 4300 Soldaten in Afghanistan im Einsatz, davon etwa 900 in Kundus, der gefährlichsten Provinz im Norden. Der Kommandeur der NATO-geführten ISAF, US-General Stanley McChrystal, wird Anfang kommender Woche in Berlin erwartet.

Konflikte / Bundeswehr / Guttenberg / Afghanistan
14.04.2010 · 17:28 Uhr
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