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Bundeswehr-Ehrenmal in Berlin eingeweiht

Bundespräsident Horst Köhler bei der Einweihung des neuen zentralen Ehrenmals der Bundeswehr in Berlin.Großansicht
Berlin (dpa) - Nach jahrelangen Debatten ist das neue zentrale Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin eingeweiht worden. Bundespräsident Horst Köhler sagte bei dem Festakt, das Ehrenmal erinnere an jeden der mehr als 3100 Bundeswehrangehörigen, die bislang im Dienst ums Leben kamen.

Zudem erinnere es die Politik daran, dass ihre Entscheidungen Menschenleben kosten könnten. Der Auftrag und Alltag der Bundeswehr habe sich «tiefgreifend» verändert. «Unsere Bundeswehr ist zu einer Armee im Einsatz geworden, zu einer Armee im Kampf», sagte Köhler. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CSU) sprach von einem «neuen Kapitel», das mit dem zentralen Ehrenmal in der Geschichte der Bundeswehr aufgeschlagen werde.

Köhler forderte eine größere Anteilnahme der Öffentlichkeit an den Einsätzen der Bundeswehr. Er wünsche sich eine öffentliche Debatte, die von Anteilnahme und Respekt, von Sorge und Anerkennung für die Bundeswehr und ihren Dienst geprägt sei. Zu dem neuen Ehrenmal sagte er, es «mutet uns allen die Einsicht zu, dass der "Staatsbürger in Uniform" kein abstraktes Konzept ist, sondern dass unsere Soldatinnen und Soldaten unsere eigenen Söhne, Töchter, Partner und Freunde sind». Das Denkmal betreibe dabei keine falsche Heldenverehrung, es diene keinem Opferkult und verherrliche keinen Krieg.

Nach dem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff in Afghanistan mit mindestens 56 Toten sprach Köhler sich gegen voreilige Bewertungen des Vorfalls aus. «So sehr wir erwarten, dass die Ereignisse der vergangenen Woche aufgeklärt werden, so sehr wenden wir uns auch gegen Vorverurteilungen», sagte er. Das Staatsoberhaupt stellte sich hinter die Auslandseinsätze der Bundeswehr. «Wir wünschen uns eine Welt ohne Kriege und Waffen», sagte er. Jedoch gebe es Risiken und Bedrohungen, auf die man reagieren müsse. «Es gibt humanitäre Katastrophen, die unser Eingreifen verlangen», sagte der Bundespräsident.

Der Vater eines getöteten Bundeswehr-Soldaten forderte in seiner Ansprache mehr Wahrheit, Offenheit und Anteilnahme. Angehörige fühlten sich mit ihrem Trauer und Schmerz sowohl in ihrem Lebensumfeld als auch von Politik und Bundeswehr alleingelassen und unverstanden. Die Politik benutze häufig eine Sprache, die das Volk nicht verstehe. «Wir Menschen da draußen (...) vertragen sehr viel mehr Wahrheit und Offenheit als Politiker uns anscheinend zutrauen», sagte er. Die Angehörigen wollten sich angesichts Tod bringender Nachrichten nicht mit Worten arrangieren, die nicht nach Wirklichkeit klängen: «Wir können es ertragen, wenn man die realen Umstände beim Namen nennt.»

Vor allem über den Standort des Ehrenmals war lange diskutiert worden. Viele Politiker drängten darauf, die Erinnerungsstätte am Reichstag zu errichten. Jung entschied sich jedoch für den Standort auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums im sogenannten Bendlerblock. Dort waren nach dem gescheiterten Anschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 einige der Attentäter hingerichtet worden. In Deutschland gab es zentrale Gedenkstätten für im Dienst umgekommene Bundeswehr-Soldaten bislang nur für die Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine. Das neue zentrale Denkmal wurde von dem Münchner Professor Andreas Meck entworfen und trägt die Inschrift: «Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden Recht und Freiheit».

Verteidigung / Bundeswehr / Denkmäler
08.09.2009 · 18:43 Uhr
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