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Bundeswehr beschäftigt drei Staatsanwaltschaften

Gorch Fock auf Reede  in Ushuaia.Großansicht

Berlin/Ushuaia (dpa) - Die «Gorch Fock» ist mit Ermittlern an Bord auf dem Heimweg. Auch in Deutschland läuft die Aufklärung der Bundeswehraffären auf Hochtouren weiter. Drei Staatsanwaltschaften sind inzwischen neben dem Verteidigungsministerium und dem Wehrbeauftragten beteiligt.

Die Ermittlungsbehörde in Darmstadt erklärte am Montag auf dpa-Anfrage, dass sie Vorermittlungen wegen geöffneter Feldpost aus Afghanistan aufgenommen habe. In Gera gehen Ermittler dem mysteriösen Schießunfall in Afghanistan nach. Die Kieler Staatsanwaltschaft versucht, den Tod einer Kadettin auf der «Gorch Fock» aufzuklären.

Das Schulschiff verließ am Sonntag unter dem Befehl des kurzfristig eingeflogenen Kommandanten Michael Brühn das argentinischen Ushuaia und nahm Kurs auf Deutschland. An Bord sind die Ermittler einer Untersuchungskommission. Sie sollen die Berichte über Missstände bei der Ausbildung und Schikane-Vorwürfe von Offiziersanwärtern gegen die Stammbesatzung untersuchen.

Zwei Mitarbeiter des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus gingen bereits vor der Heimreise der «Gorch Fock» von Bord. Sie werden Mitte der Woche mit ihren Untersuchungsergebnissen in Deutschland zurück erwartet. Die restliche Ermittler werden voraussichtlich Mitte Februar von Bord gehen und nach Deutschland zurück fliegen. Die «Gorch Fock» wird voraussichtlich erst Ende April im Heimathafen Kiel eintreffen.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte die Heimkehr des Segelschiffes angeordnet. In Ushuaia war der von Guttenberg suspendierte bisherige Kommandant Norbert Schatz kurz vor dem Ablegen mit militärischen Ehren verabschiedet worden. Schatz genießt unter der Stammbesatzung hohes Ansehen. Der Marineoffizier will nach Medienberichten möglicherweise gegen seine Suspendierung vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen.

Bereits jetzt zieht die juristische Aufarbeitung der Bundeswehraffären weite Kreise. Die Kieler Staatsanwaltschaft geht der Frage nach, ob es hinreichende Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden am Tod einer 25-jährigen Kadettin gibt, die im November 2010 aus der Takelage der «Gorch Fock» gestürzt war. Ihr Tod war der Auslöser für Auseinandersetzungen zwischen Offiziersanwärtern und der Stammbesatzung.

Die Staatsanwaltschaft Gera geht dem Tod eines 21-jährigen Hauptgefreiten in Afghanistan nach, der Mitte Dezember durch den Schuss aus der Waffe eines Kameraden getötet wurde. Staatsanwalt Jens Wörmann kündigte an, zunächst die Waffe genauer durch das Bundesamt für Wehrtechnik untersuchen zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt wird nach eigenen Angaben voraussichtlich in zwei bis drei Wochen über ein formelles Ermittlungsverfahren entscheiden. Die Bundeswehr hatte 33 Hinweise auf geöffnete oder verschwundene Feldpost aus Afghanistan erhalten, konnte aber in einer eigenen Untersuchung keine Pannen auf dem Postweg feststellen.

Verteidigung / Bundeswehr / Affären
31.01.2011 · 17:19 Uhr
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