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Bundesbürger gehen immer häufiger zum Arzt

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Berlin (dpa) - Die Bundesbürger gehen mehr als 18 Mal pro Jahr zum Arzt - so häufig wie nie zuvor. Im Sprechzimmer werden sie oft in wenigen Minuten abgefertigt. Gegenmittel wie die Praxisgebühr oder Hausarztprogramme hätten bislang wenig geholfen.

Das teilte der Branchenführer Barmer GEK am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung seines neuen Arztreports mit. Die Schätzung von 18,1 Besuchen pro Jahr beruht auf jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2008. Im Jahr zuvor waren es noch 17,7 Arztbesuche. Seit 2004 stieg die Zahl von 16,4 an.

«Natürlich betrachten wir die Arztrennerei als problematisch», sagte der Barmer GEK-Vizechef Rolf-Ulrich Schlenker. Deutschland nehme international eine Spitzenposition ein. Angesichts der hohen Zahl blieben jeweils nur acht Minuten Beratungs- und Behandlungszeit. Jeder der knapp 150 000 niedergelassenen Ärzte hatte im Schnitt 45 Patienten pro Werktag im Sprechzimmer.

«Die Patienten hätten lieber längere Kontaktzeiten», sagte der Sozialmediziner Friedrich-Wilhelm Schwartz, dessen hannoversches Forschungsinstitut ISEG den Bericht erstellte. Viele Arztbesuche seien nicht auf einen schlechten Gesundheitszustand zurückzuführen. So gingen in Bayern die Menschen bundesweit am häufigsten zum Arzt. Dort sei die Lebenserwartung aber besonders hoch, sagte Schwartz.

Die Arztbesuche sollten stärker gesteuert werden, forderte Schlenker. So habe die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal ihre anfängliche Lenkungswirkung verloren. Schlenker bewertete es als positiv, dass die Koalition die Gebühr auf den Prüfstand stelle. Allerdings müsse im Fall einer Streichung der Ertrag von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr anders hereinkommen.

Schlenker sprach sich dafür aus, dass mehr Versicherte künftig öfter immer zuerst zu ihrem Hausarzt gehen und die Allgemeinmediziner die Arztbesuche insgesamt stärker steuern. Zugleich forderte er aber eine Abschaffung der gesetzlichen Pflicht der Kassen zum Abschluss von entsprechenden Hausarztverträgen mit dem Hausärzteverband. «Wir wollen es freiwillig machen.»

Bei rund der Hälfte der Bevölkerung diagnostizierten Ärzte Muskel- Skelett-Leiden sowie Atemwegserkrankungen. Eine deutliche Zunahme um neun Prozent gab es bei diagnostizierten Depressionen. Schlenker sagte, es sei positiv, dass die Menschen guten Zugang zum Arzt hätten.

In anderen Ländern gehen die Menschen weit seltener zum Arzt, werden aber viel eingehender behandelt, wie Schwartz erläuterte. In Schweden seien es knapp dreimal im Jahr, in Belgien, Dänemark, Frankreich, Österreich und Polen rund siebenmal. Die Zahlen, auf denen der Report beruht, sind repräsentative Hochrechnungen der Daten von 1,7 Millionen Versicherten der Kasse GEK, die zum Jahresbeginn mit der Barmer fusionierte. Bei der Zahl der Arztbesuche waren die Forscher wegen einer Änderung der Abrechnungspraxis auf Schätzungen angewiesen.

Die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für Gesundheitsvorsorge und Verhütung von Krankheitsverschlimmerungen stiegen unterdessen auf die Rekordsumme von rund fünf Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor seien es knapp drei Milliarden Euro gewesen, Anfang der 90er knapp zwei Milliarden, teilte der Kassen-Spitzenverband bei der Vorstellung des Präventionsberichts 2009 mit. So gaben die gesetzlichen Kassen 2008 rund 1,76 Milliarden Euro für Impfungen aus, rund 800 Millionen für Krebs-Früherkennung, 430 Millionen für weitere medizinische Vorsorge und 370 Millionen für die Früherkennung von Zahnerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Gesundheit / Ärzte
19.01.2010 · 18:32 Uhr
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