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Bundesbehörden raten dringend zur Grippe-Impfung

Die deutschen Gesundheitsbehörden raten dringend zu einer Schutzimpfung. Die Grippe sei unberechenbar (Archivbild).Großansicht

Berlin (dpa) - Vor dem Beginn der neuen Grippe-Saison haben die deutschen Gesundheitsbehörden nachdrücklich zu einer Schutzimpfung geraten. Die Grippe sei unberechenbar und eine nach wie vor unterschätzte Infektionskrankheit, sagte der Präsident des Paul- Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, in Berlin.

Mit dem relativ milden Verlauf der Schweinegrippe-Pandemie habe Deutschland im vergangenen Jahr «Glück gehabt». Die Grippe-Impfquote von 10 bis 15 Prozent aus der vergangenen Saison hält das Berliner Robert Koch- Institut (RKI) für unzureichend.

Den Grippe-Impfstoff - rund 20 Millionen Dosen für Deutschland - gibt es nach Angaben der Influenza-Experten ab sofort beim Arzt. Der neue Impfstoff aus den Antigenen dreier Erreger, darunter auch dem Schweinegrippe-Virus, sei getestet, sicher und wirksam. Der Schutz baue sich innerhalb von 10 bis 14 Tagen auf.

Eine Immunisierung wird allen Menschen über 60 Jahren sowie Kindern und Erwachsenen mit chronischen Krankheiten empfohlen. Erstmals gilt der Aufruf aber auch für Schwangere. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sollten sich ebenfalls pieksen lassen.

Die Impfempfehlung geht darüber hinaus besonders an die Adresse von medizinischem Personal. Denn in deutschen Krankenhäusern ließen sich in den vergangenen Jahren laut RKI nur 20 Prozent der Ärzte und des Pflegepersonals immunisieren. Zur Impfung geraten wird auch Menschen, die bei ihrer Arbeit mit viel Publikum zu tun haben.

«Eine Grippeimpfung ist immer ein doppelter Schutz», betonte RKI- Präsident Reinhard Burger. Es gehe um die eigene Gesundheit, aber auch um Vorsorge für andere - die Familie, Arbeitskollegen, Patienten, Kinder, Kunden. Die skandinavischen Länder schafften mit ihren Kampagnen Impfquoten von 50 bis 60 Prozent. «Davon träumen wir nur.» Neue Infobroschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen nun auch mehr Deutsche zur Impfung motivieren.

Grippeviren können sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Bereits ein Niesen reicht, um einen Patienten 7 bis 10 Tage lahmzulegen. Neben hohem Fieber und Gliederschmerzen kann es schwere Komplikationen bis hin zu Lungenentzündungen geben.

Die vergangene Grippe-Saison - als weltweite Pandemie ausgerufen - schätzt die Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI heute als mittelstarke Welle ein. Damit war die Schweinegrippe nicht harmlos. Rund drei Millionen Menschen gingen zum Arzt, 1,5 Millionen wurden arbeitsunfähig. Mehr als 5000 Menschen kamen mit der Infektion ins Krankenhaus, 258 Menschen starben. Getroffen hat die Neue Grippe vor allem Menschen in mittleren Jahren und nicht allein Senioren wie früher. Auch das gibt den Forschern zu denken.

Das Schweinegrippe-Virus wird nach Analysen der Weltgesundheitsorganisation in diesem Winter voraussichtlich weiter stark kursieren - zu 60 Prozent. Die beiden anderen Grippe-Erreger (Typ A und B) jeweils zu 30 und 10 Prozent. Welche Viren in welchem Land die Oberhand gewinnen und wie stark die Welle abläuft, lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Die Forscher wissen nur: Die Grippe ist unberechenbar und nicht auszurotten. Nur Impfen schützt.

Gesundheit / Grippe
13.09.2010 · 14:18 Uhr
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