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Bundesagentur: Hartz-IV-Chancen nicht ausgeschöpft

Heinrich AltGroßansicht
Nürnberg (dpa) - Fünf Jahre nach dem Hartz-IV-Start sind die Chancen der Arbeitsmarktreform laut Bundesagentur für Arbeit (BA) noch längst nicht ausgeschöpft. So gebe es bei den Vermittlern in den Jobcentern noch Qualifizierungsbedarf.

«Wir haben noch immer zu wenige Kolleginnen und Kollegen, die als Fallmanager zertifiziert sind», sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt der Deutschen Presse-Agentur dpa in Nürnberg. Er bezog sich auf die Kritik von Arbeitsmarktforschern, die den Jobcentern eine unzureichende individuelle Betreuung vorgeworfen hatten. Die Hartz-IV-Reform war am 1. Januar 2005 in Kraft getreten.

In den Jobcentern brauche es «sensible Kolleginnen und Kollegen, die die soziale Infrastruktur kennen, die mit schwierigen Lebenssituationen von Menschen umgehen können, denen es im besten Fall gelingt, mit ihnen ein Arbeitsbündnis abzuschließen». In manchen Fällen sei die Integration in ein normales Arbeitsleben allerdings eine Herausforderung, gab Alt zu bedenken. «Wir haben es auch mit Menschen zu tun, die seit vielen Jahren keinen Arbeitsplatz mehr hatten oder noch nie abhängig beschäftigt waren.»

Allerdings seien die Weichen gestellt, um die Betreuung von Langzeitarbeitslosen zu verbessern. So habe man sich in der Beratung und Vermittlung von Arbeitssuchenden bereits umgestellt. Alt: «Wir wollen die Talente der Menschen suchen und nicht ihre Defizite. Wir wollen nicht wissen, was fehlt, sondern worauf wir aufbauen können.» So gebe es Hartz-IV-Empfänger, die aufopfernd und mit großer Zuwendung ihre Eltern oder Verwandte pflegen. «Und wir haben auch viele Angebote im sozialen Bereich», sagte Alt. Das seien Potenziale, wo die Jobcenter ansetzen könnten.

Bei alleinerziehenden Frauen wiederum scheitere eine Job-Vermittlung neben der fehlenden Qualifizierung auch an der fehlenden oder unflexiblen Kinderbetreuung. Das Problem sei, dass sich viele Kindertagesstätten noch immer an den klassischen Arbeitszeiten - nämlich zwischen 8 und 17 Uhr - orientierten. Was aber mache eine alleinerziehende Verkäuferin mit ihrem Kind, wenn sie samstags erst nach 20 Uhr Feierabend habe. «Wir müssen deshalb gemeinsam mit unseren kommunalen Partnern klären: Wie können wir die Kinderbetreuung an die erheblich flexibilisierten Strukturen unserer Gesellschaft anpassen?», sagte Alt.

Arbeitsmarkt / Bundesagentur
02.01.2010 · 09:47 Uhr
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