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Bürgerkrieg ohne Gnade in Syrien

Zerstörung in Aleppo. Bei neuen Angriffen starben wieder viele Menschen (Archivbild). Foto: Sana HandoutGroßansicht

Istanbul/Genf (dpa) - Für Zivilisten gibt es in Syrien kaum noch Orte, an denen sie sich halbwegs sicher fühlen können. Deshalb steigt die Zahl der Flüchtlinge immer weiter an.

Die Vereinten Nationen stellen sich darauf ein, dass Ende kommenden Jahres 4,1 Millionen Syrer auf der Flucht sein werden. Schon jetzt sind 2,3 Millionen Syrer Flüchtlinge. Das ist etwa ein Zehntel der Bevölkerung des arabischen Landes.

Die Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad warfen auch am Montag wieder über mehreren Wohnvierteln der Großstadt Aleppo Fässer ab, die mit Sprengstoff gefüllt waren. Aktivisten in Aleppo teilten mit, eine dieser «Bomben» sei auf dem Gelände der Tajbe-Schule im Stadtviertel Al-Endharat eingeschlagen. Sie habe 13 Menschen getötet, darunter mehrere Schüler und Lehrer. Rebellen drohten mit Vergeltungsangriffen. Sie forderten Zivilisten in den von der Armee kontrollierten Vierteln auf, sich von Armee-Stützpunkten und öffentlichen Gebäuden fernzuhalten.

Die Armee hatte in der nördlichen Metropole bereits am Sonntag mehrere von Rebellen kontrollierte Viertel auf diese Art und Weise bombardiert. Dabei sollen 83 Menschen getötet worden sein. Wie die lokalen Revolutionskomitees am Montag berichteten, starben alleine in dem Viertel Al-Haidarija 35 Menschen, als eine Hubschrauberbesatzung ein mit Sprengstoff gefülltes Fass über einer belebten Straßenkreuzung abwarf. 50 Menschen sollen zudem verletzt worden sein. An der Kreuzung fahren Minibusse ab, die Aleppo mit den Dörfern und Kleinstädten im Norden verbinden.

«Die Zerstörungskraft dieser Sprengstoff-Fässer ähnelt dem Effekt einer "Scud"-Rakete, nur sind sie wesentlich billiger als die Raketen», sagt der desertierte Oberst Sajjed Tlass. «In jedem dieser Fässer stecken etwa 300 Kilogramm TNT plus verschiedene Metall-Reste.»

Der Geheimdienst der Luftwaffe verschleppte nach Angaben der Opposition zwei Familien aus einer Unterkunft für Vertriebene in dem Damaszener Vorort Dscharamana. Die Militärs hätten sie als Geiseln genommen. Die Zivilisten aus den Rebellenhochburgen Duma und Arbien sollten gegen Gefangene der Rebellen in der Ortschaft Adra al-Ummalija im Umland von Damaskus ausgetauscht werden, hieß es.

Die Website «Zaman al-Wasl» berichtete, die Soldaten hätten auch Kinder, die zu den Familien gehörten, mitgenommen. Nur einen Säugling hätten sie in der Obhut anderer Vertriebener zurückgelassen. Der Vorort Dscharamana, in dem vor allem Angehörige der Minderheiten der Drusen und Christen leben, gehört zu den wenigen Stadtvierteln im Osten von Damaskus, die noch als relativ sicher gelten.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass 2014 mehr als sieben Millionen syrische Vertriebene und Flüchtlinge von Nothilfe abhängig sein werden. Die UN-Hilfsorganisationen riefen die internationale Gemeinschaft deshalb auf, im kommenden Jahr rund 6,5 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) für die Versorgung hilfebedürftige Syrer bereitzustellen. Das ist die größte Summe, um die UN-Organisationen jemals für ein einzelnes Land baten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Bürgerkriegsparteien vor der für den 22. Januar in Genf erwarteten Syrien-Friedenskonferenz zu «Gesten des guten Willens» auf. «Das kann eine Feuerpause oder zumindest eine Begrenzung der Gewalt sein. Das kann der Zugang für humanitäre Helfer und die Freilassung von Gefangenen sein, gerade Frauen und Kindern. Und das kann das Ende von Belagerungen sein», sagte Ban am Montag vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

Ein Mitglied der saudischen Königsfamilie warf den USA im Syrien-Konflikt «kriminelle Nachlässigkeit» vor. Der frühere Geheimdienstchef Prinz Turki al-Faisal sagte dem «Wall Street Journal»: «Die USA hatten uns den Eindruck vermittelt, dass sie in Syrien handeln würden, was sie dann aber doch nicht getan haben. Ihre Hilfe für die Freie Syrische Armee (FSA) ist irrelevant. Jetzt sagen sie, dass sie diese Hilfe beenden wollen. Ok, dann beendet sie! Sie hat ohnehin nichts bewirkt. » Die US-Regierung hatte vergangene Woche nach einem Angriff von Islamisten auf ein FSA-Waffenlager erklärt, sie wolle künftig keine Ausrüstung mehr an die Rebellen liefern.

Konflikte / KORR-Ausland / Syrien
16.12.2013 · 17:56 Uhr
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