News
 

Bürgerkrieg in Syrien: Immer mehr Flüchtlinge

Syrien AleppoGroßansicht

Berlin/Istanbul (dpa) - Der Flüchtlingsstrom aus dem Bürgerkriegsland Syrien in die Nachbarstaaten übersteigt alle Befürchtungen von UN-Experten. Wegen der anhaltenden Kämpfe seien inzwischen 202 512 Syrer ins Ausland geflohen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Freitag in Genf mit.

Ursprünglich hatten Fachleute mit 185 000 Flüchtlingen bis Ende des Jahres gerechnet. Angesichts der dramatischen Lage wird der Ruf nach Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland lauter.

In New York traf der neue Syrienvermittler von UN und Arabischer Liga, Lakhdar Brahimi, mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zusammen. «Ich werde mein Bestes tun», sagte der frühere algerische Außenminister nach UN-Angaben vom Freitag. Brahimi war in der vergangenen Woche zum Nachfolger von Kofi Annan berufen worden. Der ehemalige UN-Generalsekretär hatte sein Amt aus Enttäuschung über mangelnde Unterstützung durch den Weltsicherheitsrat sowie die Konfliktparteien in Syrien aufgegeben.

In der Flüchtlingsfrage kündigte CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder am Freitag Gespräche mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und den Bundesländern an. Außenpolitiker aller anderen Bundestagsfraktionen plädierten ebenfalls für die Öffnung der deutschen Grenzen für notleidende Syrer. Das Auswärtige Amt warnte vor einem deutschen Alleingang. Die internationale Gemeinschaft sei sich derzeit einig, die Hilfe weiterhin auf Maßnahmen vor Ort zu konzentrieren.

Allein in der Türkei stieg die Zahl von Syrien-Flüchtlingen binnen 24 Stunden um 3518 auf nun mehr als 78 000, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das Krisenzentrum der Regierung berichtete. Ankara hatte jüngst die Aufnahme von insgesamt 100 000 Flüchtlingen aus Syrien als Obergrenze der eigenen Belastbarkeit bezeichnet und den Aufbau von Lagern auf syrischer Seite der Grenze gefordert. Dazu müsse dort möglichst eine Schutzzone eingerichtet werden.

Ein syrischer Aktivist am Grenzübergang Bab al-Salama sagte, rund um den Grenzposten säßen derzeit rund 8000 Menschen fest. Sie warteten auf eine Erlaubnis zur Einreise in die Türkei. Aus der Türkei seien zwar Lebensmittel für die Vertriebenen gebracht worden. Diese seien jedoch bei weitem nicht ausreichend.

Die Bundesregierung hat bisher 22 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt. Nach Auffassung von Koalitions- und Oppositionspolitikern sollten zusätzlich die deutschen Grenzen für Flüchtlinge geöffnet werden. «Wir müssen bereit sein, Verfolgte, Verletzte und Bedrohte aus Syrien in Europa aufzunehmen», sagte Kauder der «Schwäbischen Zeitung». «Moralisch wäre eine Aufnahme in Deutschland grundsätzlich geboten», befand auch der Sozialdemokrat Rolf Mützenich.

Außenamts-Sprecher Andreas Peschke betonte, dass Deutschland eine solche Entscheidung nicht alleine treffen könne. «Es kann in so einer wichtigen, sensiblen Frage keine Alleingänge geben.» Auch die Einrichtung von militärisch geschützten Flüchtlingszonen in Syrien lehnte Peschke ab. In den internationalen Gremien sei man sich bewusst, welche schwerwiegenden Konsequenzen so etwas haben könne, sagte er zur Begründung.

In der irakischen Grenzprovinz Anbar forderten die örtlichen Behörden die Regierung in Bagdad auf, die Grenze für Vertriebene aus Syrien zu öffnen. Die Zentralregierung, die von religiösen Schiiten-Parteien dominiert wird, sympathisiert jedoch nicht mit den Aufständischen in Syrien. Sie hatte den Grenzübergang Al-Kaim diese Woche mit einem Betonwall verbarrikadiert.

In Jordanien trafen laut lokalen Medien seit Donnerstag mehr als 2200 Syrer ein, die vor den Kämpfen in der angrenzenden Provinz Daraa geflohen waren. Die jordanische Regierung forderte am Freitag die Staatengemeinschaft zu Finanzhilfen auf, um die Versorgung der syrischen Flüchtlinge im Land sicherzustellen.

In Syrien gingen die Kämpfe auch am Freitag unvermindert weiter. Regimegegner zählten bis Freitagnachmittag mehr als 90 Tote. Heftige Kämpfe wurden unter anderem aus der Stadt Homs gemeldet, die von den Regimetruppen mit Mörsergranaten beschossen worden sein soll. Am Donnerstag waren nach Berichten von Aktivisten rund 220 Menschen ums Leben gekommen. In der libanesischen Stadt Tripoli, wo sich Anhänger und Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad seit Montag immer wieder Gefechte liefern, wurde in der Nacht ein sunnitischer Scheich getötet.

Links zum Thema
Bericht bei Sana
Konflikte / Syrien
24.08.2012 · 20:56 Uhr
[1 Kommentar]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

Weitere Themen