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Buch enthüllt Afghanistan-Streit im Weißen Haus

Ein US-Soldat auf einer Abschlussfeier afghanischer Soldaten in Herat (Archivbild).Großansicht

Washington (dpa) - Im Weißen Haus hat es einem Enthüllungsbuch zufolge ein tiefes Zerwürfnis über die Afghanistan-Politik von US- Präsident Barack Obama gegeben.

Nach Informationen des amerikanischen Starjournalisten Bob Woodward kam es bei der Überarbeitung der Strategie für den Krieg am Hindukusch zu einem heftigen Streit zwischen Obamas Beratern, Top-Militärs, dem Vizepräsidenten und Ministern. Die Debatte Ende vergangenen Jahres sei von gegenseitigem Misstrauen und persönlichen Anfeindungen geprägt gewesen. Der Disput war demnach noch schlimmer als bisher öffentlich bekannt.

Besonders umstritten war Obamas Plan einer Truppenaufstockung kombiniert mit einem Termin für einen schnellen Abzug der amerikanischen Soldaten, berichteten die «New York Times» und die «Washington Post» vorab. Das neue Buch Woodwards mit dem Titel «Obama's Wars» (Obamas Kriege) erscheint am kommenden Montag.

Woodward zufolge drängte Obama massiv auf ein schnelles Ende des Krieges. «Ich will eine Strategie für den Ausstieg», zitiert der Autor den Präsidenten. Obama habe sich dabei dem massiven Druck seiner Militärs widersetzen müssen, die 40 000 zusätzliche Soldaten und ein langfristiges Engagement der USA am Hindukusch forderten.

Im Verlaufe der Diskussion sei der Streit auch persönlich geworden. Obamas Berater seien von Militärs als «Wasserwanzen» bezeichnet worden, als Teil einer «Mafia» oder eines «Politbüros». Der amerikanische Afghanistan-Beauftragte Richard Holbrooke wird in Bezug auf Obamas Strategie mit den Worten zitiert: «Das kann nicht funktionieren.»

Der 67-jährige Woodward gilt seit seinen Watergate-Enthüllungen für die «Washington Post», die zum Fall von Präsident Richard Nixon führten, als einer der bekanntesten und stets bestens informierten US-Journalisten. In seinem 16. Buch beschreibt er auch bislang nicht bekannte Informationen aus den Reihen der Geheimdienste.

Demnach betreibt der CIA zum Beispiel eine 3000 Mann starke Schattenarmee in Afghanistan. Es handele sich dabei um eine gut ausgebildete Elitetruppe mit der Aufgabe, in Afghanistan und Pakistan radikalislamische Taliban aufzuspüren und zu töten. Die Armee setze sich aus verdeckt agierenden paramilitärischen Anti-Terror-Einheiten mit dem Namen CTPT (Counterterrorism Pursuit Teams) zusammen.

Weiter schreibt Woodward, dass der afghanische Präsident Hamid Karsai manisch-depressiv sei. «Mal nimmt er Medikamente, mal setzt er sie ab», wird der US-Diplomat Karl Eikenberry zitiert.

Ausführlich schildert das Buch zudem die Angst der amerikanischen Behörden vor einem atomaren Terrorakt. Eine geheime Übung in Indianapolis (Indiana) habe ergeben, dass die US-Regierung auf eine solche Attacke auf heimischen Boden nicht ausreichend vorbereitet sei. In einem Interview mit Woodward sagte Obama: «Wenn ich meine Liste mit all den Dingen anschaue, über die ich mir jederzeit Sorgen machen muss, dann steht das ganz oben.»

Präsident / USA / Afghanistan
22.09.2010 · 16:52 Uhr
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