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Buback-Sohn hofft auf neuen RAF-Prozess

Die ehemalige Terroristin Verena Becker auf einem Fahndungsfoto und Generalbundesanwalt Siegfried Buback im September 1976 in Bonn.Großansicht
Berlin (dpa) - Nach der Verhaftung der früheren RAF-Terroristin Verena Becker setzt der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, Michael Buback, auf Aufklärung durch einen neuen RAF-Prozess.

«Ich hoffe, dass es zu einer Anklage und zu einem Prozess kommt, in dem die Art der Mittäterschaft von Verena Becker geklärt und die Wahrheit über das Karlsruher Attentat bekannt wird», sagte Buback dem «Tagesspiegel» (Samstag). Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach forderte eine Aufklärung über eine Rolle des Verfassungsschutzes nach dem Buback-Mord.

Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker war mehr als 32 Jahre nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback unter dringendem Tatverdacht am Freitagabend in Untersuchungshaft genommen worden. Sie soll am 7. April 1977 an dem Attentat in der Karlsruher Innenstadt beteiligt gewesen sein, teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag in Karlsruhe mit. Dabei waren auch zwei Begleiter Bubacks erschossen worden. Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft soll Becker entgegen früherer Erkenntnisse «wesentliche Beiträge zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags» geleistet haben.

Die 57-Jährige war im Dezember 1977 wegen einer Schießerei während ihrer Festnahme nach dem Mord an Buback zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach vier Jahren im Gefängnis suchte sie den Kontakt zum Verfassungsschutz. Dabei soll sie RAF-Insiderwissen weitergegeben und erklärt haben, dass der frühere RAF-Terrorist Günter Sonnenberg das Motorrad fuhr, Christian Klar im Fluchtwagen wartete und Stefan Wisniewski vom Motorrad-Rücksitz aus auf Bubacks Wagen geschossen hat.

Das Verfahren gegen Becker im Mordfall Buback war im März 1980 ohne eine Anklage eingestellt worden, weil die Beweise dafür nicht reichten und Becker inzwischen zu lebenslang verurteilt worden war. 1989 wurde sie begnadigt und lebte zuletzt in Berlin.

«Seit mehr als zwei Jahren weise ich darauf hin, dass Verena Becker mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Ermordung meines Vaters beteiligt war», sagte Buback. «Trotz der zahlreichen von mir dargelegten Indizien hat sich jedoch sehr lange kaum etwas in dieser Richtung bewegt. Jetzt bin ich sehr froh über die neue Entwicklung.» Im MDR Info sagte er: «Wenn sich in einem Prozess bestätigt, dass Verena Becker eine Mittäterin war, wird man der Frage nachgehen müssen, wie es sein konnte, dass trotz der sehr, sehr starken Hinweise diese Aufklärung so zögerlich vonstatten gegangen ist.»

Unions-Fraktionsvize Bosbach sagte der «Nordwest-Zeitung» (Samstag): «Die Vermutung des Buback-Sohnes Michael, dass der Verfassungsschutz jemanden deckt, der vielleicht an einem Mord beteiligt war, beinhaltet einen massiven Vorwurf. Ich hoffe nicht, dass der sich eines Tages bestätigt». Dass jetzt 32 Jahre nach der Tat die Ermittlungen mit Hochdruck fortgeführt würden, «zeigt doch, dass der Staat nichts zu vertuschen hat», betonte Bosbach. Die Verhaftung Beckers beweise, «dass der genaue Tathergang bis heute nicht vollständig geklärt werden konnte. Man darf einen Haftbefehl allerdings nicht mit einer Verurteilung verwechseln.»

Terrorismus / RAF
29.08.2009 · 09:39 Uhr
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