News
 

Buback-Sohn hofft auf neuen RAF-Prozess

Buback-AttentatGroßansicht
Karlsruhe (dpa) - Im Rahmen der neuen Ermittlungen im Mordfall Buback hat die Polizei bei der früheren RAF-Terroristin Verena Becker mehrere Computer sichergestellt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Freitag aus Sicherheitskreisen.

Die Wohnung der 57-Jährigen war am Donnerstag durchsucht worden, nachdem eine neue DNA- Analyse den Verdacht verstärkt hatte, Becker könnte an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seiner beiden Begleiter im April 1977 in Karlsruhe beteiligt gewesen sein. An den damaligen Bekennerschreiben der Roten Armee Fraktion (RAF) wurde Genmaterial entdeckt, das nach einem neuen Gutachten eindeutig von Becker stammt.

Nach Informationen der dpa hat allerdings nicht die DNA-Spur den unmittelbaren Ausschlag für die Wohnungsdurchsuchung gegeben, sondern eine Telefonüberwachung. Aus den abgehörten Gesprächen könnten sich demnach Anhaltspunkte darauf ergeben haben, dass auf den Computern Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Beckers am Buback-Mord gespeichert sind. Die Geräte müssen nun zunächst ausgewertet werden.

Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, sagte dem 3sat-Magazin «Kulturzeit», Becker habe Angaben der Bundesanwaltschaft zufolge an einer eigenen Buback-Geschichte gearbeitet. Die Ermittler hätten dies bei der Überwachung herausgefunden und daraufhin die Hausdurchsuchung bei der früheren RAF-Terroristin beschlossen. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft wollte dies am Freitagabend nicht kommentieren. Buback sagte, er hoffe, dass Becker ihre Mittäterschaft zugebe.

Zur Sicherstellung der Computer sagte er im Deutschlandradio Kultur: «Im günstigsten Fall könnte das bedeuten, dass Frau Becker sich vielleicht entschlossen hat, ihre Kenntnisse aufzuschreiben, obwohl ja für sie ein erhebliches Risiko besteht.» Wenn sie eine Mittäterin gewesen sei, könnte sie schließlich immer noch bestraft werden, sagte Buback.

Die neuerliche Spur sehen Ermittler als einen weiteren «Mosaikstein» zu dem von Anfang an bestehenden Verdacht, Becker könnte zur Gruppe der Attentäter gehört haben. Nach ihrer Festnahme vier Wochen nach der Tat - in Begleitung des als Mittäter geltenden Günter Sonnenberg und mit der Tatwaffe im Gepäck - war gegen sie Haftbefehl auch wegen des Buback-Mordes erlassen worden. Im März 1980 wurde das Verfahren eingestellt, weil die Beweise nicht für eine Anklage reichten und Becker inzwischen zu lebenslang verurteilt war. 1989 wurde sie begnadigt.

Zum Vorwurf, sie selbst könnte die Todesschützin auf dem Motorrad gewesen sein, trägt das neue DNA-Gutachten nach Einschätzung von Ermittlern aber nichts bei. Dieser Verdacht war vor allem von Michael Buback genährt worden, der sich auf mehrere Zeugenaussagen stützt. Nach einer Analyse aller an der Täterkleidung und im Fluchtfahrzeug gefundenen DNA-Spuren war Becker im vergangenen Jahr jedoch vom Verdacht entlastet worden, unmittelbar an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein. Keine der Spuren stammte von ihr. Die neue DNA-Analyse «bringt sie keinen Schritt näher ans Motorrad», sagte ein ehemaliger Ermittler der dpa.

Michael Buback sagte, er erhoffe sich nun auch weitergehende Erkenntnisse, warum der Mord an seinem Vater nach so langer Zeit immer noch nicht restlos aufgeklärt sei. «Es sind so viele ungewöhnliche Dinge geschehen (...), die einfach so guten Ermittlungsbehörden nicht passieren dürfen.» Er hoffe, dass der Rechtsstaat nun die Chance ergreife, diese Unkorrektheiten aufzuklären. Die jetzt Becker zugeordneten DNA-Spuren auf RAF- Bekennerbriefen bedeuten laut Buback keine gravierende Belastung der Ex-Terroristin. Es gebe viel gravierendere Belege für eine Mittäterschaft Beckers.

www.generalbundesanwalt.de

Terrorismus / RAF
21.08.2009 · 19:15 Uhr
[7 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

Weitere Themen