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Brunner-Prozess: Schüler sagen aus

Akten der Staatsanwaltschaft zum Mordfall Brunner liegen im Landgericht in München.Großansicht
München (dpa) - Im Münchner Mord-Prozess um den Tod des Managers Dominik Brunner hat einer der bedrohten Schüler die schrecklichen Minuten der Tat geschildert.

«Als wir da standen, war es offensichtlich, dass gleich etwas passiert», beschrieb der 15-jährige Richard M. am Mittwoch die Situation am Münchner S-Bahnhof Solln. Er gehörte zu der Gruppe von vier Schülern, die Brunner im September 2009 vor den beiden Angeklagten schützen wollte. Der Schüler ist damit einer der Hauptzeugen. «Sie sind uns gefolgt und drohend auf uns zugegangen», beschrieb der Schüler die Augenblicke vor der Attacke. «Herr Brunner hat sich vor uns gestellt.»

Markus S. (19) und Sebastian L. (18) müssen sich wegen Mordes an dem 50-jährigen Brunner verantworten. Die Angeklagten hatten am Vortag den Angriff eingeräumt, aber jede Tötungsabsicht bestritten. Der 15-jährige Zeuge sagte, Brunner habe seinen Rucksack und seine Jacke abgelegt und schließlich Markus S. ins Gesicht geschlagen - jedoch nur, um die drohende Attacke abzuwehren. Markus S. hätten - vermutlich vor Schmerz - Tränen in den Augen gestanden. Danach hätten sich die beiden Angeklagten kurz beraten, um dann auf Brunner loszugehen.

Mit Beschimpfungen habe vor allem Markus S. auf Brunner eingeschlagen. «Hurensohn», habe er gerufen, während er auf den Manager einschlug und eintrat - auch als dieser bereits am Boden lag. Niemand am Bahnhof habe geholfen. Sebastian L. habe zunächst mitgemacht, dann aber seinen Kumpan weggezogen. Die beiden seien dann geflohen. Brunner sei dann kurz aufgestanden mit den Worten: «Das war hart.» Danach sei er zusammengesackt und binnen Minuten blau angelaufen.

Bereits zuvor habe am S-Bahnhof Donnersberger Brücke ein Kumpel der beiden Angeklagten ihn und seine drei Freunde, die eigentlich zum Bowling wollten, bedroht und Geld verlangt, schilderte der Zeuge. «Wir sollten ihnen Geld geben, weil sie Geld für Drogen bräuchten.» In der S-Bahn nach Solln hätten die beiden Angeklagten dann unüberhörbar über die Schülergruppe gesprochen. «Wann schlagen wir sie, wann rauben wir sie aus», hätten sie gesagt. Auf Brunners Ermahnung, dass das nicht in Ordnung sei, hätten sie geantwortet: «Da scheißen wir drauf.»

Zuvor hatte der Polizist Thomas Schäffler vor der Jugendkammer die erste Vernehmung von Markus S. nach der Prügel-Attacke geschildert. «Er war sehr bedrückt. Er hat mir nicht in die Augen schauen können.» Wie es geschehen konnte, dass der 50-jährige Manager aus Niederbayern tödlich verletzt wurde, dafür habe der Heranwachsene keine Erklärung gehabt. Fünf Passanten hätten über Notruf die Schlägerei bei der Polizei gemeldet und von aggressiven «Gangstertypen» gesprochen.

Auch Brunner hatte nach Angaben des Beamten während der Schlägerei noch einmal bei der Polizei angerufen. Ob er dies absichtlich tat oder im Gerangel die Wahlwiederholung gedrückt wurde, sei unklar. 22 Minuten war Brunners Handy mit der Polizei verbunden. «Es sind sehr viele Stimmen und sonstige Geräusche zu hören», sagte Schäffler. Die genaue Auswertung habe das Landeskriminalamt übernommen.

Die Lebensgefährtin des Opfers, die wohl nach Brunners Besuch in einem Hallenbad auf ihn wartete, habe sehr rasch Vermisstenanzeige gestellt, berichtete Schäffler weiter. Mehrmals habe sie versucht, Brunner auf dem Handy anzurufen. «Hab versucht Dich zu erreichen, mach mir Sorgen», schrieb sie ihm in einer SMS. Er solle sich bitte melden. In der Nacht dann, als sie weiß, dass er tot ist, schreibt sie nach Angaben des Beamten noch einmal an Brunners Handy: «Du bist unauslöschlich in meinem Herzen.» Sie habe auf ein gemeinsames Alter gehofft, und: «I miss you, love.»

Prozesse / Kriminalität
14.07.2010 · 17:58 Uhr
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