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Brüssel fordert nach dem Flug-Chaos klare Regeln

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Hamburg (dpa) - Nach dem Verkehrschaos wegen des isländischen Vulkanausbruchs wird der Ruf nach einheitlichen Regelungen lauter.

Statt einer schnellen, koordinierten europäischen Reaktion habe es ein Stückwerk aus 27 nationalen Lufträumen gegeben, kritisierte am Freitag die EU-Kommission. Sie fordert für den Luftverkehr eine europäische Regulierungsbehörde. Während sich der Luftverkehr weiter normalisierte, mussten die Behörden in Reykjavik den internationalen Flugplatz Keflavik sperren. Der Vulkanausbruch auf Island hat damit nach mehr als einer Woche erstmals die heimische Luftfahrt lahmgelegt. Insgesamt warteten nach Branchenangaben noch rund 5000 Kunden von Reiseveranstaltern auf ihren Rückflug nach Deutschland.

Die Bundesregierung will international abgestimmte Grenzwerte für künftige Flugverbote durchsetzen und sich am Dienstag in Berlin mit Vertretern von Behörden, Airlines und Triebwerksherstellern beraten. Man benötige zunächst Standards, um die Wirkung von Vulkanasche auf Flugzeugkörper und vor allem auf Triebwerke bewerten zu können, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Grenzwerte müssten aber auf der Basis solcher Beratungen international festgesetzt werden. Nationale Vorschläge reichten allein nicht aus, betonte der Sprecher mit Blick auf die britische Luftfahrtbehörde CAA.

Sie hatte am Dienstag neue Richtlinien erlassen. Anders als bisher erlaubt sie nun das Durchfliegen geringer Aschekonzentrationen bis zu einem Wert von 2000 Mikrogramm Asche pro Kubikmeter. Zuvor war das Durchfliegen strikt verboten, was weiträumige Sperrungen nötig machte. Der «Tagesspiegel» berichtete am Freitag, die tagelangen Flugverbote wären unnötig gewesen, hätte es diese Grenzwerte europaweit früher gegeben. Auch EU-Verkehrskommissar Siim Kallas kritisierte: «Dass wir keinen einheitlichen europäischen Regulierer für die Luftfahrt-Aufsicht haben, hat die Reaktion auf die Krise sehr erschwert.»

Nach Angaben des Bundesverkehrministeriums gab es bei Flügen des deutschen Forschungsflugzeugs Falcon keine nennenswerten Beschädigungen durch Vulkanasche. Partikel seien aber in der Luft festzustellen. Auch nach einem Flug der Lufthansa in Europa kam Entwarnung. «Die Messungen zeigten nur geringe Konzentrationen an Aschepartikeln des Vulkans», teilte das Max-Planck-Institut in Mainz mit. Am Dienstag war dafür ein Airbus A340-600 mit dem Klimaforschungscontainer «Caribic» an Bord von Frankfurt bis nach Stockholm geflogen.

Nach Angaben der Forscher wurden «mäßige Konzentrationen von Asche-Partikeln bis 2 Mikrometer Durchmesser erfasst». Der Großteil der Messwerte habe zwischen 20 und 125 Mikrogramm pro Kubikmeter gelegen. Das läge auch weit unter dem in Großbritannien erlaubten Wert. Die Wissenschaftler verweisen zum Vergleich auf die EU- Verordnung für Feinstaub-Grenzwerte, die bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter liege. «Die Aschewolke des Vulkans war bereits verdünnt und teilweise in die Grenzschicht der Atmosphäre abgetaucht.»

EU-Verkehrskommissar Kallas betonte in Brüssel, dass Passagiere bei annullierten Flügen ihr Geld zurückverlangen können. Dies gelte auch für Billig-Airlines. Eventuelle staatliche Hilfen müssten die Regierungen zahlen, nach grünem Licht der Kommission. «Die Kommission wird Anfragen sehr konstruktiv bearbeiten.»

Das Flugverbot nach dem Vulkanausbruch auf Island hat Europas Fremdenverkehrsbranche 1,7 Milliarden Euro Umsatz gekostet. Nach Angaben des Generalsekretärs der UN-Welttourismusorganisation UNWTO, Taleb Rifai, ist unklar, wer das trage. «In dieser Hinsicht herrscht ein absolutes Durcheinander.» Die UNWTO werde daher ein Dokument für ein internationales Abkommen erarbeiten, das künftig sowohl Urlauber als auch Touristikunternehmen in solchen Fällen besser absichere.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) seien rund 125 000 gestrandete Pauschalreisende von ihren Veranstaltern innerhalb von zwei Tagen zurückgebracht worden. Aus Kulanz hätten viele der Unternehmen die Mehrkosten für Übernachtungen übernommen. Bei einer Reiseabsage wegen höherer Gewalt wie in diesem Fall müssten Kunden aber mit einer Eigenbeteiligung rechnen. Weite Teile des europäischen Luftraums waren nach einem Vulkanausbruch in Island tagelang dicht.

Deutscher Reiseverband: http://dpaq.de/siC0O

Caribic-Projekt: http://www.caribic.de

UNWTO: http://www.unwto.org

Vulkane / Island
23.04.2010 · 16:21 Uhr
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