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Brüderle redet in Brasilien Klartext

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São Paulo (dpa) - Eigentlich hätte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) an einem solchen Tag in Berlin sein müssen. Aber immerhin: Er schaffte es in den «Saal Berlin» - auch wenn der mehr als 10 000 Kilometer im fernen São Paulo lag.

Mitten in der Griechenland-Misere nannte er dort die Zahl des Tages, obwohl Brüderle bisher Bekanntes nur zusammenrechnete: 135 Milliarden Euro in drei Jahren - so lautet die gigantische Summe, mit der IWF und die Europäer Athen bis 2012 unter die Arme greifen werden.

Was kommt auf den deutschen Steuerzahler zu? «Status: 8,4», sagte der Minister knapp. Das heißt: pro Jahr mindestens 8,4 Milliarden Euro. Es können aber mehr werden. Brüderle, der am Mittwoch eilig die Pressekonferenz im «Club Transatlantico» einberief, räumte ein, dass die Brasilien-Reise ein bisschen überlagert wird durch die laufenden Ereignisse. «Ohne Frage keine langweilige Zeit. Das stärkt den Reiz, gerade jetzt Wirtschaftsminister zu sein.» Doch in stürmischer Zeit an den Finanzmärkten dürfe es keinen Aktionismus geben. Angesagt seien: «Besonnenheit und Klarheit».

Brüderle steht seit der verschärften Krise in stetem Kontakt mit der Heimat, telefoniert mit der Kanzlerin und dem Finanzminister und ist nach eigenen Worten «à jour». Ein Abbruch des Brasilien-Trips sei nicht erforderlich. Längst brennt es aber an der Euro-Front nicht nur in Athen, sondern auch in Portugal. Brüderle will aus erster Hand erfahren, wie ernst die Lage ist. Deshalb wird er den planmäßigen Tankzwischenstopp auf der Rückreise am Freitag in Lissabon nun zu Krisengesprächen nutzen.

Das Riesenland Brasilien gerät damit schon wieder bei einem deutschen Ministerbesuch unverschuldet medial ins Hintertreffen. Schon beim Besuch von Brüderles Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle Mitte März ging es weniger um die Investitionschancen in Brasilien als um die umstrittene Zusammensetzung von Westerwelles Reisedelegation. Und nun holen Brüderle die Hiobsbotschaften aus Europa ein, die den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen können.

Brasilien kennt solche Sorgen zumindest im Moment nicht. Das Schwellenland boomt und pumpt Milliarden in die öffentliche Infrastruktur, nicht zuletzt wegen der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Und noch ein Unterschied: Brasilien wurde erst im September vergangenen Jahres von der Ratingagentur Moody's auf «Investment-Grade» hochgestuft. Zuvor hatte das Land bereits von den Agenturen Standard & Poor's und Fitch gute Noten bekommen.

Finanzen / Griechenland / Deutschland / Brasilien
28.04.2010 · 22:39 Uhr
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