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Browns Patzer überschattet TV-Debatte

Peinlicher PatzerGroßansicht
London (dpa) - Nach seinem Ausrutscher im Wahlkampf ist der britische Premierminister bei der letzten TV-Debatte vor der Wahl massiv unter Druck geraten, das Ruder herumzureißen. Gordon Brown versuchte, am Donnerstag den Fokus wieder auf die Wirtschaft zu lenken.

Am Vortag hatte der Chef der Labour-Partei über eine Wählerin gelästert. Weil ihm ein noch eingeschaltetes Mikrofon am Hemd steckte, das er nicht bemerkt hatte, verbreitete sich der Fauxpas blitzschnell weltweit in den Medien.

«Gestern war gestern, ich will über die Zukunft der Wirtschaft sprechen», sagte Brown vor der Fernsehdebatte, die über das Schicksal seiner Sozialdemokraten bei der Parlamentswahl am 6. Mai entscheiden könnte. Zum dritten Mal musste er sich am Abend bei der Debatte auf BBC gegen den Chef der Konservativen, David Cameron, und den gefeierten Liberaldemokraten Nick Clegg beweisen.

Bei den beiden vorigen Debatten hatte Clegg Bonuspunkte sammeln können. Diesmal standen Wirtschaftsfragen auf dem Programm. Brown hatte die Labour-Wählerin Gillian Duffy, die ihn am Mittwoch mit einer Reihe von Fragen zu Immigration und Steuern überhäuft hatte, später als «borniert» bezeichnet und das Gespräch mit ihr als «Desaster».

Auch Spitzenpolitiker von Browns Labour-Partei räumten ein, dass der Patzer der Partei schweren Schaden zugefügt habe. Innenminister Alan Johnson sagte, Brown habe einen «fürchterlichen Fehler» gemacht. «Niemand kann sagen, dass das nicht schädlich war.» Jedoch habe sich Brown entschuldigt und prompt reagiert. «Gordon ist kein Monster», sagte Johnson. Finanzminister Alistair Darling nannte Browns Patzer «sehr, sehr bedauerlich». Er koste Labour jedoch nicht die Wahl.

Und es gab weitere schlechte Nachrichten für den Premier: Das renommierte britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» unterstützt bei dieser Wahl die Tories. Die Konservativen würden am ehesten den öffentlichen Dienst reformieren, hieß es im Leitartikel. Das Blatt erkannte Brown zwar zu, er werde unterschätzt, obwohl er oft die richtigen wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen habe. «Aber ein Premierminister sollte nicht zu viel Beifall dafür bekommen, wenn er aus einem Loch klettert, das er selbst als Schatzkanzler geschaufelt hat», schrieb der «Economist». Bei der Wahl im Jahr 2005 hatte das liberale Blatt noch hinter Labour gestanden.

Wahlen / Großbritannien
29.04.2010 · 17:05 Uhr
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