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Brown: «Ich könnte all das hinter mir lassen»

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London (dpa) - Nach der schweren Regierungskrise hat der britische Premier Gordon Brown erstmals offen über einen Rückzug vom Regierungsamt gesprochen. «Um ehrlich zu sein, man könnte all das morgen hinter sich lassen», sagte Brown in einem ungewöhnlich persönlichen Interview mit der Zeitung «Guardian».

Gleichzeitig betonte er jedoch, er werde die Labour-Partei in die kommende Parlamentswahl führen. «Das, was die Macht begleitet, interessiert mich nicht. Es würde mir nichts ausmachen, wenn ich nie mehr an diese Orte zurückkehre - Downing Street, Chequers», sagte Brown mit Blick auf den britischen Regierungs- und Landsitz. «Es wäre wahrscheinlich gut für meine Kinder.» Er könne sich auch vorstellen, eine Lehrtätigkeit aufzunehmen.

Brown räumte offen ein, wie sehr ihn die Kritik «verletzt» habe, die ihm zuletzt entgegenschlug. Die vergangenen Wochen seien mit die schlimmsten in seiner politischen Laufbahn gewesen. Auch gestand er Schwächen ein: «Ich bin kein so guter Vermittler von Informationen oder Kommunikator, wie ich es gerne wäre.»

Das Interview wurde vor allem als Versuch Browns gewertet, seine menschliche Seite zu zeigen - und weniger als Andeutung, dass er sein Amt niederlegen könnte. «Ich dachte, dass die Versuchung, das alles hinter sich zu lassen, groß ist», sagte der Labour-Abgeordnete Tony Wright mit Blick auf den auf Brown lastenden Druck. «Aber ich habe Gordon noch nie als jemanden gesehen, der etwas hinwirft.»

Brown hatte vor zwei Wochen nur knapp einen Sturz durch seine eigene Partei verhindert. Zuvor war - ausgelöst durch den Spesenskandal und interne Machtkämpfen - eine Reihe von Ministern und Staatssekretären zurückgetreten. Bei den Europawahlen fuhr Labour zudem ein historisch schlechtes Ergebnis ein. Der Premier muss bis spätestens Mai 2010 Parlamentswahlen angesetzt haben.

Im Zusammenhang mit dem Skandal um falsch abgerechnete Spesen leitete die Polizei unterdessen auch Ermittlungen gegen Parlamentarier ein. Wie Scotland Yard am Freitagabend in London mitteilte, ist «eine geringe Zahl» von Abgeordneten im Unter- und Oberhaus betroffen. Die Untersuchungen würden von einer Spezialeinheit für Wirtschaftskriminalität geleitet. Namen der Verdächtigen, gegen die ermittelt wird, nannte die Polizei nicht.

Regierung / Großbritannien
20.06.2009 · 11:28 Uhr
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