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Britische Spitzenkandidaten kämpfen wie Gentlemen

Die Vorsitzenden der britischen Liberalen, der Konservativen und von Labour: Nick Clegg, David Cameron und Gordon Brown.Großansicht
London (dpa) - Statt sich heftige Wortgefechte zu liefern, haben sich die Kandidaten für das Amt des britischen Premiers am Donnerstagabend beim ersten TV-Duell der Geschichte des Landes wie Gentlemen gestritten.

Der derzeitige Premier Gordon Brown musste sich dabei Vorwürfe zur Labour-Politik der vergangenen Jahre von seinem konservativen Konkurrenten David Cameron sowie Nick Clegg von den Liberaldemokraten anhören. Brown hatte allerdings auch die Programme seiner Angreifer im Detail gelesen und rechnete unter anderem Cameron vor, dass dessen Pläne für die Bildungsfinanzierung angeblich nicht aufgehen.

Das erste Duell der drei großen Parteien war mit Spannung erwartet und als historisches Ereignis gefeiert worden. Am 6. Mai wird gewählt, vorher wird es noch zwei weitere TV-Duelle geben. Brown hatte sich erst nach langer Überlegung bereiterklärt anzutreten. Während die Runden in den USA oder Deutschland längst etabliert sind, hatten sich die jeweils amtierenden britischen Premierminister stets verweigert.

Brown gilt als eher steif und hatte selber zugegeben, bei öffentlichen Auftritten oft schüchtern zu sein. Am Donnerstagabend allerdings wirkte er ruhig und locker. Er war mit 59 Jahren der Älteste auf dem Podium. Die beide 43 Jahre alten Konkurrenten Cameron und Clegg gelten als deutlich besser vor der Kamera. Vor allem Cameron war bemüht, auch einige Witze in seine Rede miteinzuflechten.

Nach einem angespannten Start entwickelte sich schnell eine lebhafte Diskussion. Die Fragen aus dem Publikum, denen sich die Drei stellen mussten, drehten sich von Bildung über Gesundheit bis zur Verschuldung des Landes um alle wichtigen innenpolitischen Themen des Wahlkampfes. Die Fragesteller waren repräsentativ ausgewählt worden: Ein Schüler löcherte die Kandidaten zur Zukunft der Schulen, eine Krankenschwester fragte nach dem Gesundheitssystem. Ein Soldat wollte wissen, wie es mit der Ausstattung der Armee und dem Einsatz in Afghanistan weitergeht.

Während Brown und Cameron versuchten, die Pläne des jeweils anderen als unrealistisch und ungeeignet darzustellen, setzte Clegg auf seine Rolle als Außenseiter. Die kleineren Liberaldemokraten könnten bei der Wahl zum «Königsmacher» werden, falls weder Labour noch die Tories eine absolute Mehrheit schaffen. Seine Partei sei eine echte Alternative, betonte er immer wieder: «Sie dachten vielleicht, alle Politiker sind gleich. Ich hoffe, ich habe Ihnen gezeigt, dass das nicht so ist.»

Mit der Debatte wollten die Spitzenpolitiker die Briten auch für den Wahlkampf begeistern, der bisher nicht viele Bürger mitgerissen hat. Derzeit liegen die Tories in Umfragen vorne. Ihr lange riesiger Vorsprung vor Labour war allerdings zuletzt stark geschrumpft. Die Liberaldemokraten, die drittgrößte britische Partei, stehen derzeit bei rund 20 Prozent.

Rund 65 Prozent der Briten wollten sich die TV-Debatten anschauen. Die Regeln für das eineinhalb Stunden lange Duell waren strikt: 200 Zuschauer wurden für die Sendung ausgewählt. Sie durften vorher Fragen einreichen, von denen dann eine Auswahl getroffen wurde. Es durfte zwischendrin nicht gebuht oder geklatscht werden.

Wahlen / Fernsehen / Großbritannien
16.04.2010 · 07:51 Uhr
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