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Brandanschlag auf Moschee in Brüssel wegen Syrien

Imam Scheich AbdullahGroßansicht

Brüssel (dpa) - Nach einem Brandanschlag auf die größte schiitische Moschee in Brüssel hat der muslimische Täter behauptet, er habe der Minderheit der Schiiten in Syrien damit Angst machen wollen.

Er gebe den Schiiten die Verantwortung für die Lage in Syrien, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel nach Verhören des Täters mit. Bei dem Brandanschlag war am Montagabend ein 46 Jahre alter Imam der wichtigsten schiitischen Moschee Brüssels getötet worden. Zwei andere Männer wurden verletzt.

Syriens Präsident Baschar al Assad, der seit Monaten die Opposition blutig unterdrücken lässt, gehört zur Glaubensgemeinschaft der Alawiten. Diese gilt vielen Syrern als eng verwandt mit der Minderheit der Schiiten. Zudem hat Assad beste Beziehungen zum schiitischen «Gottesstaat» Iran. Die große Mehrheit der Syrer sind Sunniten.

Die Identität des Mannes, der in der Moschee Feuer legte, blieb zunächst noch unklar. Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um einen etwa 30 Jahre alten Mann, der sich selbst als Marokkaner bezeichnete. Er gab an, illegal in Belgien gelebt zu haben und legte drei verschiedene Ausweise vor. Er sehe nun einer Anklage wegen Brandstiftung mit Todesfolge entgegen. Erschwerend komme hinzu, dass die Tat aus religiösen Motiven erfolgt sei. Auch eine Anklage wegen terroristischer Gewalttaten sei später nicht ausgeschlossen.

Innenministerin Joelle Milquet sagte laut Rundfunksender RTBF, sie nehme an, dass der Verdächtige einen radikal-islamischen Hintergrund habe. «Es sieht so aus, als ob das jemand ist, der aus einer sehr radikalen Bewegung kommt.»

Das Feuer zerstörte die Moschee innen völlig. Die Wände waren verrußt, Scherben und herausgebrochene Mauerstücke lagen auf dem Boden. Zwei Polizisten bewachten den Eingang. Angehörige der schiitischen Glaubensgemeinde stimmten ein Klagelied für den toten Imam an, dabei kämpften viele mit den Tränen. Sie konnten sich nicht erklären, warum der Anschlag verübt wurde. «Bisher gab es hier keine Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten», sagte Boutinzine Layachi, Mitglied des muslimischen Kulturvereins, zu dem die Moschee gehört, vor Journalisten.

«Ich verurteile die Gewalt, die bei diesem Verbrechen angewendet wurde», sagte der belgische Regierungschef Elio Di Rupo laut Belga. Zunächst müsse klar sein, was wirklich passiert sei. Die Organisation der Muslime in Belgien forderte «zur Ruhe und zur Zurückhaltung» auf. Die unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen in ganz Belgien müssten zum Dialog und zum Zusammenleben bereit sein: «Nichts kann diese Gewalt rechtfertigen, wer auch immer die Täter sind», heißt es in einer Erklärung.

Nach dem Brandanschlag kam es in den Straßen von Anderlecht zu einer Reihe von Auseinandersetzungen zwischen Muslimen. Am Sonntag ist in Brüssel ein Marsch geplant, um friedlich an den ums Leben gekommenen Imam zu erinnern. Der Vorbeter hinterlässt nach Angaben aus der Gemeinde vier Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren.

Kriminalität / Belgien
13.03.2012 · 19:30 Uhr
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