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Brahimi als Syrien-Vermittler im Gespräch

Der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi ist als möglicher Nachfolger des scheidenden Syrien-Vermittlers Annan im Gespräch. Foto: Youssef Badawi/ArchivGroßansicht

Beirut/Damaskus (dpa) - Der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi ist als möglicher Nachfolger des scheidenden Syrien-Vermittlers Kofi Annan im Gespräch.

Der 78-jährige ehemalige algerische Außenminister habe «gute Chancen», den Auftrag im Namen der Vereinten Nationen (UN) und der Arabischen Liga zu erhalten, sagte ein westlicher Diplomat mit Einblick in die Diskussionen am Freitag in Beirut. Nach Angaben von Oppositionellen beschädigte eine Granate der Regimetruppen die mittelalterliche Zitadelle im Zentrum der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo.

Nach Aktivisten-Angaben wurden am Freitag in ganz Syrien mindestens 84 Menschen getötet, davon 45 in Aleppo. Seit Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime vor 17 Monaten kamen nach UN-Schätzungen etwa 17 000 Menschen ums Leben, die meisten Zivilisten. Die Zahl der Vertriebenen liegt laut UN bei 1,5 Millionen Syrern.

UN-Vermittler Annan hatte vor einer Woche wegen der mangelnden Friedensbereitschaft der Konfliktparteien in Syrien und der Uneinigkeit der Vetomächte im Weltsicherheitsrat seinen Rückzug von dem Amt angekündigt. Brahimi war in der Vergangenheit als UN-Sondergesandter unter anderen in Afghanistan und im Irak tätig.

Die Ernennung eines Annan-Nachfolgers soll nach UN-Angaben bald erfolgen. «Wir wollen uns nicht lange Zeit damit lassen, weil wir nicht wollen, dass auf dieser Position ein Vakuum entsteht», sagte ein Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Ein genaues Datum gebe es aber noch nicht, ergänzte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

«Wir wünschen uns einen starken Nachfolger für Kofi Annan», sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin. «Wir müssen angesichts der schrecklichen Gewalt in Syrien dringend den Einstieg in einen politischen Prozess schaffen. Hier kann der zukünftige Sonderbeauftragte eine entscheidende Rolle spielen.»

In Aleppo gingen die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Truppen von Präsident Baschar al-Assad und Aufständischen weiter. Dabei gerät auch das einzigartige kulturelle Erbe der historischen Handelsmetropole zunehmend in Gefahr. Eine Granate der Regimetruppen habe das Eingangstor der mittelalterlichen Zitadelle beschädigt und eine Marmortafel zerstört, teilte der oppositionelle Syrische Nationalrat mit. Von unabhängiger Seite ließ sich dies wegen der Kriegsumstände nicht bestätigen.

Aleppo ist eine der ältesten, durchgehend bewohnten Städte der Welt. Die Altstadt mit ihren Souks (Märkten), Moscheen, christlichen Kirchen und Hamams (Bädern) gilt als Juwel mittelalterlicher arabischer Architektur. 1986 wurde sie zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Im gegenwärtigen Konflikt wird sie zum Großteil von den Aufständischen kontrolliert.

Nach ihrer Verdrängung aus dem strategisch wichtigen Bezirk Salaheddin sammelten sich die Rebellen in einem benachbarten Stadtteil neu. «Wir bereiten einen Gegenangriff vor», sagte ein örtlicher Kommandeur der Deutschen Presse-Agentur am Telefon.

Großbritannien stellt den Rebellen in Syrien Ausrüstung im Wert von fünf Millionen Pfund (6,3 Millionen Euro) für ihren Kampf gegen das Assad-Regime zur Verfügung. Dabei handle es sich nicht um tödliche Waffen, betonte Außenminister William Hague in London. Vielmehr gehe vor allem um Funk- und Kommunikationstechnik sowie medizinische Hilfe. Auch Schutzanzüge seien dabei. Die Mittel würden zusätzlich zur humanitären Hilfe in Millionenhöhe gewährt, die Großbritannien bereits nach Syrien geschickt hat.

Konflikte / UN / Syrien / Iran
10.08.2012 · 16:17 Uhr
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