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Brände bringen Getreide-Markt in Turbulenzen

Die verheerenden Waldbrände und die Dürre in Russland könnten nach Einschätzung der deutschen Wirtschaft für Turbulenzen auf den Getreidemärkten sorgen.Großansicht

Moskau (dpa) - Die mit unerbittlicher Gewalt über Russland hereingebrochene Feuersbrunst stürzt das Riesenreich einmal mehr auch in schwere wirtschaftliche Turbulenzen. Mindestens 20 Prozent der Getreide-Aussaat sind verbrannt oder in der Jahrhundert-Dürre vertrocknet.

In vielen Betrieben - darunter zeitweilig auch im Volkswagen-Werk Kaluga - steht wegen der Jahrhundert-Hitze von mehr als 35 Grad seit Wochen immer wieder die Produktion still.

Wegen der Ernteausfälle von vorsichtig geschätzten 20 Millionen Tonnen verhängte Regierungschef Wladimir Putin nun sogar ein vorläufiges Exportverbot für Getreide. Weil das Land zu den weltweit größten Exporteuren von Weizen gehört, verteuerte sich die Ware auf dem Weltmarkt nach der Nachricht aus Moskau erneut. Der Preis je Tonne stieg auf ein Zwei-Jahres-Hoch von deutlich über 220 Euro.

Rund 15 Millionen Tonnen Getreide hatte das Riesenreich in diesem Jahr eigentlich exportieren wollen. Russland könnte nun seine hart erkämpfte Position auf dem Weltmarkt wieder einbüßen, hieß es aus Moskauer Finanzkreisen. Im vergangenen Jahr waren noch 20 Millionen Tonnen ins Ausland verkauft worden.

Doch wegen des Ausfuhr-Stopps, der vom 15. August bis 31. Dezember gilt, entsteht nun auch im Welthandel eine Lücke. Weizen und Roggen sollen im Land bleiben, wo schon seit Tagen die Preise unter anderem für Mehl und den bei den Russen so beliebten Buchweizen um 15 Prozent und mehr gestiegen sind.

Die Angst vor höheren Kosten und einer neuen Lebensmittelkrise veranlasste viele Russen zu Panikkäufen. Putin kündigte deshalb an, aus den Vorratsspeichern - die fassen derzeit satte 24 Millionen Tonnen - ohne Auktionen Getreidereserven auszuschütten. Das soll die Preise zügeln und die Menschen beruhigen.

Westliche Finanzanalysten vermuten, dass die zuletzt auf 70 Millionen Tonnen nach unten korrigierten Ernte-Prognosen für dieses Jahr eher noch zu positiv geschätzt sind. Damit droht Russland seit langem erstmals wieder der Fall, den Eigenbedarf von rund 75 Millionen nicht selbst decken zu können. Das alles hat zudem Auswirkungen auf die Futtermittelpreise und damit auf die Kosten für die Fleischproduktion.

Schon jetzt berichten russische Medien über deutlich mehr Tier-Schlachtungen, weil Fleischproduzenten einen weiteren Anstieg der Kosten befürchten. Putin verfügte auch ein Hilfspaket von knapp einer Milliarde Euro, um den Agrarproduzenten über die Durststrecke hinwegzuhelfen.

Der Wirtschaftsanalyst Oleg Babinow sagte der Nachrichtenagentur dpa aber, dass dies nur der Anfang sei. «Das Land steht in Flammen, alle sind mit dem Löschen der Brände beschäftigt. Da hat keiner Zeit, die Schäden zu summieren», meinte der Experte der Moskauer Risk Advisory Group. Ganze Dörfer seien niedergebrannt und müssten wieder aufgebaut werden.

Außerdem seien Zehntausende Hektar Waldfläche aufzuforsten. Das ganze Ausmaß der Schäden - auch für die Ernte - sei erst im September festzustellen, sagte Babinow. Auch die Gesundheitskosten für die Hunderten Verletzten der Brände und die wegen der schweren Torfbrände unter Atemnot leidenden Moskauer seien nicht zu vernachlässigen.

Gerade erst begann sich die russische Wirtschaft nach der Krise wieder zu erholen. Die Löhne steigen. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Inflation ist so niedrig wie schon lange nicht mehr. Die Wirtschaft soll nach bisher nicht korrigierten Prognosen in diesem Jahr wieder um 4,3 Prozent wachsen - nach einem historischen Rückgang von 7,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Doch gehen Experten nun von einer neuen schweren Belastungsprobe aus. Die Preise für Lebensmittel würden ganz klar weiter steigen. Putins Regierung erwartet eine Inflation von 6 bis 7 Prozent in diesem Jahr. Doch werden doch nun eher über acht Prozent erwartet.

Brände / Agrar / Russland
06.08.2010 · 06:20 Uhr
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