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BP zieht neuen Plan gegen Ölpest aus der Tasche

Ölleck-Abdichtung hält zunächstGroßansicht
Washington (dpa) - Nach dem Erfolg mit einer provisorischen Kappe über der defekten Ölquelle im Golf von Mexiko hat BP einen neuen Plan für die dauerhafte Abdichtung aus der Tasche gezogen.

Der Konzern überlege nun, schweren Schlamm durch die Ventile des Abdeckzylinders zu pumpen, sagte BP-Manager Kent Wells am Dienstag. Der Zylinder verschließt seit Donnerstag das Bohrloch und verhindert, dass weiter Öl ins Meer strömt. Die Idee stecke «noch in den Kinderschuhen», aber eine Entscheidung könne in wenigen Tagen getroffen werden, sagte Wells.

Der Schlammbeschuss, bezeichnet als «Static Kill», wäre bereits das zwölfte technische Manöver von BP an dem Leck in 1500 Metern Meerestiefe - fast alle scheiterten. Ein ähnlicher Plan endete im Mai in einem Fiasko, nachdem der Ölmulti vergeblich tonnenweise Schlamm und Gummistücke mit hohem Druck ins offene Bohrloch geschossen hatte. Nun seien die Chancen größer, sagte Wells. Diesmal könne die schwere Flüssigkeit langsam durch die Öffnungen des dicht sitzenden Deckels ins Bohrloch geleitet werden.

Mit einer solchen Operation könnte die Quelle schon eher dauerhaft verstopft werden als geplant. Bisher sieht der Zeitplan vor, dass sie zwischen Ende Juli und Mitte August mit Entlastungsbohrungen zum Ursprung der Quelle rund vier Kilometer unter dem Meeresboden versiegelt wird. Durch diese neuen Bohrlöcher soll ebenfalls Schlamm und Zement in die Quelle geleitet werden - allerdings von unten.

Unsicher ist jedoch weiterhin, ob der Zylinder überhaupt dort bleibt, wo er jetzt ist. «Es ist derzeit verfrüht zu sagen, dass das Bohrloch geschlossen bleibt, bis die Entlastungsbohrung fertig ist», sagte der Einsatzleiter der US-Regierung, Thad Allen, am Montag (Ortszeit).

Hintergrund sind Bedenken, dass die kilometerlange Steigleitung im Meeresboden dem Druck der Ölmassen nicht standhält. Rund drei Kilometer vom Bohrloch entfernt sickert anscheinend Öl aus dem Meeresboden - an weiteren Stellen entweicht Methangas. Auch an dem Deckel selbst trat ein Leck auf. «Es gibt zu viele unbeantwortete Fragen», so der Admiral der US-Küstenwache.

Trotz dieser Sorgen darf der Zylinder auf dem Bohrloch weiter getestet werden. Experten bezeichnen die Beobachtungen als natürlich. «Aussickerungen auf dem Meeresboden sind völlig normal, vor allem in der Region im Golf von Mexiko», sagte der Geologe Arthur Berman dem Sender CNN.

Bislang bezeichnen BP und die Regierung die Versiegelung als Versuch - laut Wells soll er in 24-Stunden-Schritten immer weiter verlängert werden. Sollte die Steigleitung der Belastung des Drucks nicht standhalten, müssten die Ventile des Zylinders wieder geöffnet und das ausströmende Öl wie zuvor auf bereitstehende Schiffe abgepumpt werden. Bis diese Operation anlaufen könnte, würden mehrere Tage vergehen, in denen wieder tonnenweise Öl ins Meer geraten würde.

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen

Umwelt / USA
20.07.2010 · 15:58 Uhr
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