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BP unternimmt neuen Anlauf gegen Ölpest

Öl an der Küste von LouisianaGroßansicht
Washington/Grand Isle (dpa) - Ingenieure des BP-Konzerns versuchen in einem neuen, riskanten Anlauf, die Ölpest im Golf von Mexiko einzudämmen. Experten haben damit begonnen, mit Hilfe von Robotern das defekte Steigrohr in 1500 Meter Tiefe abzusägen.

Anschließend soll ein Auffangbehälter über der Öffnung platziert und das Öl auf ein Schiff abgeleitet werden, gab die US-Regierung bekannt. Außerdem bemühen sich die USA um ausländische Hilfe im Kampf gegen die Katastrophe.

Die angelaufene Aktion gilt als riskant, weil nach dem Absägen zumindest zeitweise wesentlich mehr Öl ins Meer sprudeln könnte als zuvor. Experten warnen, die Ölmenge könnte um 20 Prozent zunehmen. Selbst BP geht davon aus, dass mit dieser Methode nicht alles ausströmende Öl aufgefangen werden kann.

Allein das Absägen des Steigrohrs könnte 24 bis 36 Stunden dauern, sagte Admiral Thad Allen, der Einsatzleiter der US-Regierung.

Zugleich machte Allen deutlich, dass die USA ausländische Hilfe im Kampf gegen die Ölkatastrophe suchen. Die US-Regierung denke dabei an Unterstützung aus Ländern wie die Niederlande, Kanada und Mexiko. Es gehe besonders um Unterstützung, wie das Ölleck in der jetzt beginnenden Hurrikansaison geschlossen werden kann.

Präsident Barack Obama drohte Obama, die Verantwortlichen für die Katastrophe vor Gericht zu bringen. «Wenn unsere Gesetze gebrochen wurden, und dies zu Tod und Zerstörung führt, dann verspreche ich, dass wir die Verantwortlichen vor Gericht bringen», sagte Obama. Justizminister Eric Holder reiste erneut in die betroffene Region, um mit örtlichen Staatsanwälten zu sprechen.

Die Justizbehörden hätten BP aufgefordert, alle Unterlagen zu sichern, die mit dem Unglück in Verbindung stehen, berichteten US- Medien. Mehrere US-Senatoren hatten das Ministerium gedrängt, die Vorfälle vor der Südküste eingehend zu untersuchen. «Wir sind zunehmend frustriert über BP, was die Transparenz angeht», sagte ein Regierungsbeamter der «Washington Post».

Auch das Vorgehen im Kampf gegen die Ölpest geriet ins Visier der Ermittler - vor allem aus umweltrechtlichen Gründen. BP-Sprecher Andrew Gowers kündigte an, bei allen Ermittlungen «voll zu kooperieren». Die Bohrinsel «Deepwater Horizon» war am 20. April gesunken. Seitdem strömt Stunde um Stunde tonnenweise Öl ins Meer.

Nach dem Scheitern mehrerer Anläufe, die Ölpest in den Griff zu kriegen, gerät BP auch ökonomisch unter Druck. BP-Aktien fielen an der Londoner Börse am Dienstag zum Teil bis zu 15 Prozent, der Unternehmenswert sank zeitweise um 18 Milliarden Euro.

Fast eine Milliarde US-Dollar (rund 815 Millionen Euro) habe die Rettungsaktion bisher gekostet, teilte der Konzern mit. Laut CNN gehen Analysten davon aus, dass der Gesamtschaden für BP auf 22 Milliarden Dollar steigen könnte. Im vergangenen Jahr lag der Gewinn von BP bei etwa 16,5 Milliarden Dollar.

Der derzeitige Versuch, das ausströmende Öl abzuleiten, könnte allerdings durch drohende Hurrikans erheblich durcheinandergebracht werden. Sobald ein Wirbelsturm aufzieht, müsse das Absaugrohr gekappt und die Operation angebrochen werden, schreibt die «New York Times».

Das Öl würde dann wieder ungehemmt ins Wasser schießen. Das Unternehmen arbeite deshalb bereits an einer weiteren Methode, das Öl aufzufangen. Es will eine zweite, «sturmsichere» Leitung zur Meeresoberfläche bauen, hieß es.

Die Hurrikansaison begann am Dienstag. Die US-Wetterbehörde NOAA warnte vor einer überdurchschnittlich turbulenten Saison, es würden in den nächsten Monaten drei bis sieben schwere Hurrikans erwartet. Die Stürme würden auch das Abschöpfen und Verbrennen des Öls auf dem Meer verhindern. Bei ungünstiger Windrichtung drücken sie den Ölteppich an die Küsten.

Umwelt / USA
01.06.2010 · 22:16 Uhr
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