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BP: Operation "Static Kill" erfolgreich

«Kill»-ManöverGroßansicht

New Orleans/Washington (dpa) - Durchbruch nach dreieinhalb Monaten Ölpest: BP hat die Quelle im Golf von Mexiko erfolgreich von oben mit Schlamm abgedichtet. Der Konzern sprach am Mittwoch von einem «bedeutenden Meilenstein».

Das Manöver «Static Kill» zur Versiegelung des Bohrlochs scheint zu funktionieren. «Wir haben große Zuversicht, dass kein weiteres Öl mehr in die Umwelt austritt», sagte Thad Allen, der Einsatzleiter der US-Regierung, am Mittwoch.

Nach dem Erfolg herrschte in Washington Erleichterung, wenngleich vorsichtige Worte überwogen: Einen «Sieg» will die Regierung erst dann verkünden, wenn das Bohrloch auch von unten, das heißt mit Hilfe eines gebohrten Nebenzugangs, verschlossen worden ist. «Das ist der Anfang vom Ende der Versiegelung», sagte Robert Gibbs, Sprecher von US-Präsident Barack Obama. Allen sprach von einer «vorbereitenden Maßnahme».

Einen Lichtblick gab es auch in anderer Hinsicht. Nach jüngsten Erkenntnissen von Regierungsexperten sind bereits drei Viertel des Öls, das nach dem Unglück der Bohrinsel «Deepwater Horizon» ausströmte, verdunstet, aufgelöst und beseitigt. Das teilten die Nationale Behörde für Ozeanographie (NOAA) und das Innenministerium am Mittwoch mit.

Nach jüngsten Angaben von Forschern waren nach dem Versinken der Bohrinsel am 22. April insgesamt 4,9 Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko geflossen - etwa 666 400 Tonnen. In dem Regierungsbericht heißt es, dass 33 Prozent davon aufgesammelt oder gezielt vernichtet wurden: Das Öl wurde abgefackelt, abgesaugt oder mit Hilfe von Chemikalien zersetzt. Weitere 25 Prozent Öl seien verdunstet oder hätten sich von selbst aufgelöst, und 16 Prozent seien ebenfalls auf natürliche Weise in mikroskopische Tropfen zerfallen.

Die restlichen 26 Prozent befänden sich als Rückstände auf oder direkt unter der Wasseroberfläche, seien in Teerbälle geformt, an Land geschwemmt worden oder in Sand und Sedimenten begraben. «Zersetztes Öl und Ölrückstände bleiben im System, bis sie durch eine Reihe natürlicher Prozesse abgebaut werden», heißt es in dem Bericht, den die NOAA veröffentlichte. Es gebe Anzeichen dafür, dass das Öl schnell abgebaut werde, sagte NOAA-Chefin Jane Lubchenco.

«Wir glauben, wir haben die Wende geschafft», sagte Carol Browner, Obamas Energie-Chefberaterin. Browner erwartet zwar, dass noch einiges Öl in Form von Teerbällen an die Küste geschwemmt wird. «Aber das wird gereinigt und entsorgt.» «Wir verdoppeln unsere Anstrengung, um sicher zu gehen, dass das Öl da draußen beseitigt wird», sagte Allen.

BP hatte am Dienstag damit begonnen, von einem Schiff aus Schlamm in das Steigrohr am Meeresboden zu pumpen. Nach rund acht Stunden konnte das Manöver gestoppt werden: Die Schlammmassen hatten Öl und Gas unter Kontrolle gebracht, das heißt, dafür gesorgt, dass es nicht mehr nach oben drängt. «Wir haben einen statischen Zustand erreicht», sagte eine BP-Sprecherin. «Jetzt werden wir zunächst beobachten, ob es so bleibt.»

Der Erfolg beim endgültigen Versiegeln der Ölquelle ist aus Expertensicht nun fast sicher. Wahrscheinlich werde das Leck nach dem «Static Kill»-Manöver, bei dem erfolgreich Schlamm in die Steigleitung gepumpt wurde, keine neuen Probleme bereiten, sagte Catalin Teodoriu vom Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der Technischen Universität Clausthal. «Ab diesem Punkt kann nicht mehr viel passieren.» Es gebe nur die «sehr, sehr kleine Gefahr», dass sich Gas aus der Quelle in dem eingepressten Gemisch löse und den Schlammpfropf so instabiler werden lasse. «Dann könnte doch wieder Öl hochkommen.»

Als nächste Etappe könnte nun von oben Zement ins Steigrohr eingeleitet werden. Ob dies geschieht, hänge aber vom Zustand des kilometerlangen Steigrohres im Meeresgrund ab, sagte Allen. Es bedürfe vorher einer ausführlichen technischen Prüfung.

Fünf bis sieben Tage danach soll das gleiche Manöver von unten erfolgen, der «Bottom Kill». Dabei will BP wiederum erst Schlamm und dann Zement durch den Nebeneingang rund vier Kilometer tief im Meeresboden pumpen. «Wir wollen sicherstellen, dass die Quelle wirklich tot, tot, tot ist. Wir wollen, dass nichts von den Toten aufersteht», zitierte die «Washington Post» Energieminister Steven Chu.

Umwelt / USA
04.08.2010 · 20:51 Uhr
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