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BP kommt im Kampf gegen Ölpest langsam voran

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Washington (dpa) - Der unter massivem Druck stehende BP-Konzern macht bei der Eindämmung der Ölpest im Golf von Mexiko sichtbare Fortschritte.

Mittlerweile könnten rund 3400 Tonnen Öl pro Tag direkt aus der unablässig sprudelnden Quelle aufgefangen werden, teilte der Einsatzleiter der US-Regierung, Thad Allen, am Freitag mit. Das seien rund 1000 Tonnen mehr als zuletzt. BP habe unter anderem ein weiteres Tankschiff an der Meeresoberfläche platziert, um mehr Öl gleichzeitig sammeln zu können.

Nach jüngsten offiziellen Schätzungen fließen trotzdem weiterhin bis zu 5000 Tonnen täglich an dem Auffangtrichter vorbei, den BP vor Wochen auf das abgerissene Steigrohr gestülpt hatte. Auf Weisung der US-Regierung soll der britische Konzern bis Ende Juni rund 7200 Tonnen Öl auffangen können. Mitte Juli sollen bis zu rund 11 000 Tonnen täglich erreicht werden. Insgesamt habe BP bislang mehr als 27 000 Tonnen über die Vorrichtung abgefangen.

Die beiden Entlastungsbohrungen, mit denen BP die Quelle endgültig abdichten will, kämen schneller voran als gedacht. Die erste Bohrung könne bereits in drei bis vier Wochen abgeschlossen sein - wenn das nur rund 20 Zentimeter breite Ziel vier Kilometer unter dem Meeresgrund auf Anhieb getroffen werde, sagte Allen. Dann könne der Konzern Schlamm in die Quelle pumpen, um sie zu verschließen. Der Küstenwachen-Admiral warnte aber vor zu großen Hoffnungen, dass dies vor August geschehen werde.

Weiterhin schwappt das auslaufende Öl an die Stände und ins Marschland. Rund 115 Kilometer Golfküste seien derzeit betroffen, sagte Allen - wieder einige Kilometer mehr als Anfang der Woche. Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, kritisierte am Donnerstag die Koordination der Säuberungsarbeiten von BP und der Küstenwache. «Es ist frustrierend, weil es scheint, als wisse die linke Hand nicht, was die rechte macht», sagte er. Er erwarte mehr Verständnis für die Dringlichkeit der Angelegenheit. «Wir sind hier in einem Krieg gegen das Öl.»

Einem aktuellen Bericht der Naturschutzbehörde zufolge wurden bisher mehr als 1400 ölverschmierte Vögel gefunden, mehr als 800 davon tot. Von rund 350 entdeckten, verölten Meeresschildkröten verendeten rund 100.

BP-Aufsichtsratschef Carl-Henrik Svanberg stornierte wegen der Ölpest seine Reise zur Hochzeit von Schwedens Kronprinzessin Victoria. Der Schwede sagte im Stockholmer TV-Sender SVT mit finsterer Miene, dass er seine Teilnahme an der kirchlichen Trauung Victorias mit Daniel Westling und am Fest «leider absagen muss». Er wird am Wochenende am Golf von Mexiko gebraucht.

Umwelt / USA
18.06.2010 · 18:40 Uhr
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