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Bomben-Terror von Bagdad international verurteilt

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Bagdad (dpa) - Die Anschlagsserie in Bagdad mit mehr als 70 Toten ist international scharf verurteilt worden. Die Vereinten Nationen forderten ein sofortiges Ende der Gewalt. Die US-Regierung sprach von heimtückischen Attacken, die den Fortschritt in dem Land aber nicht aufhalten könnten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief die irakischen Politiker aller Glaubensrichtungen zu Ausgleich und Dialog auf. Auch in Teheran wurde der Terror im Nachbarland verurteilt.

Die schwerste Anschlagsserie im Irak seit August folgte nur wenige Tage auf den Abzug der letzten US-Truppen aus dem Land. Die politischen Vertreter der Schiiten und Sunniten, die sich seither einen offenen Machtkampf liefern, schoben sich gegenseitig die Verantwortung für das Blutbad zu.

Die Bomben waren am Donnerstag in Stadtvierteln explodiert, in denen sowohl Schiiten und Sunniten als auch Christen leben. Etwa 180 Menschen wurden verletzt. Die Polizei meldete, die Sicherheitskräfte hätten fünf weitere Autobomben rechtzeitig entdeckt und entschärft.

Die Sprengsätze, die zum Teil von Selbstmordattentätern gezündet wurden, detonierten in den Stadtvierteln Karrada, Al-Wasirija, Al-Bajaa, Abu Daschir, Al-Harithija, Al-Schaab und Al-Alwija. Die folgenreichste Explosion ereignete sich im Innenstadt-Viertel Karrada, 15 Menschen starben. Erst explodierte dort eine Autobombe, dann zündete ein Selbstmordattentäter einen Sprengstoffgürtel.

Der deutsche UN-Gesandte und Chef der UN-Mission im Irak (Unami), Martin Kobler, nannte die Tat ein «abscheuliches Verbrechen». «Kein irakischer Bürger und ganz bestimmt kein unschuldiges Kind sollten das erleiden, was ihnen aufgebürdet wird», erklärte er. Es sei die Aufgabe «aller politischen Führer im Irak, jetzt rasch, verantwortlich und gemeinsam ihre Verantwortung zu schultern und diese andauernde Gewalt zu beenden.»

Die USA verurteilten die Anschlagsserie ebenfalls. Wie Regierungssprecher Jay Carney erklärte, sehe Washington die irakischen Sicherheitskräfte aber in der Lage, mit der Situation fertig zu werden. Das Volk werde sich gegen alle Spaltungsversuche zur Wehr setzen.

Bundesaußenminister Westerwelle rief die Vertreter aller Glaubensrichtungen im Irak zu Ausgleich und Dialog auf. Sie dürften das bisher Erreichte nicht leichtfertig auf's Spiel setzen, sondern sollten zum Wohle des Landes zusammenarbeiten.

In einem Telefonat mit seinem irakischen Amtskollegen verurteilte auch der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi die Anschlagsserie. Die Feinde des Iraks wollten die Regierung in Bagdad als unfähig hinstellen, für Sicherheit und Stabilität sorgen zu können, sagte er nach Angaben seines Ministeriums. Teheran zweifle jedoch nicht an der Durchsetzungskraft der irakischen Führung.

Am Freitag wollte sich das irakische Parlament in einer Krisensitzung mit der Lage befassen. Wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, sollte es dabei auch um die Vertrauenskrise zwischen sunnitischen und schiitischen Politikern der Regierungskoalition von Ministerpräsident Nuri al-Maliki gehen.

Der Konflikt hatte in den vergangenen Tagen die Arbeit des Parlaments und der Regierung lahmgelegt. Al-Maliki hatte damit gedroht, Minister aus den Reihen der Al-Irakija-Liste, die seine Kabinettssitzungen boykottiert hatten, durch Minister seiner Wahl zu ersetzen.

Al-Maliki hatte diese Woche erst seinen sunnitischen Stellvertreter Salih al-Mutlak aus dem Amt gedrängt. Dann hatte ein Gericht in Bagdad einen Haftbefehl wegen angeblicher Terroraktivitäten gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi ausgestellt. Der Politiker floh daraufhin in das von den Kurden kontrollierte Autonomiegebiet im Norden des Irak.

Konflikte / Terrorismus / Irak
23.12.2011 · 09:34 Uhr
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