Börsen geben zum Wochenschluss noch mal Gas
FRANKFURT (Dow Jones)-Die Trübsal der vergangenen Tage scheint wie weggeblasen. Eine späte Erholung an den US-Börsen und ein steigender Euro sorgen am Freitag für Aufatmen bei den Investoren nach den überraschend kräftigen Einbußen am Vortag. Auch legen die US-Futures einen freundlichen Handelsauftakt an Wall Street nahe, was die Notierungen zusätzlich stützt. Händler sprechen von einer Überreaktion des Marktes am Donnerstag. "Jetzt kommt wieder Zug nach oben rein", sagt ein Händler.
Der Euro-Stoxx-50 erholt sich zum Mittag um 0,9 Prozent auf 2.474 Punkte. Der DAX gewinnt 1 Prozent oder 71 auf 6.946 Punkte, ein Sahnehäubchen auf ein ohnehin bereits exzellent verlaufenes erstes Quartal. Seit Jahresbeginn konnte der DAX mit der Entspannung in der Eurozone mehr als 16 Prozent zulegen. Damit ist der deutsche Aktienmarkt die Nummer eins in Europa. Mit knapp 13 Prozent folgen Wien und dann Helsinki mit einem Plus von fast 12 Prozent.
Da können vor allem die Sorgenkinder in der Eurozone nicht mithalten: In Mailand ging es im ersten Quartal lediglich um 5,4 Prozent nach oben. Portugal schaffte es mit 1,4 Prozent gerade noch ins Plus. Mit Abschlägen von über 7 Prozent war der spanische IBEX der schwächste Index im Euro-Währungsraum. Die hohe Verschuldung Spaniens, die schleppende Konjunktur und die ungelösten Probleme im Immobiliensektor haben die Anleger vergrault. Heute legt die Regierung in Madrid den mit Spannung erwarteten Haushaltsplan für das laufende Jahr vor.
Konjunkturunsicherheiten bleiben
Zur wieder besseren Stimmung trägt auch der Euro bei, der sich auf deutlich über 1,33 Dollar verbessert hat auf rund 1,3350. Dahinter stehen mangels sonstiger Erklärungen wohl vor allem optimistische Erwartungen an das in Kopenhagen stattfindende Treffen der Finanzminister aus der Eurozone. In den vergangenen Tagen hatten sich die Hinweise verdichtet, dass es zu einer Zusammenlegung der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM kommen wird. Ob das Volumen letztlich auf 700 Milliarden oder 940 Milliarden oder gar 1 Billion Euro erhöht wird ist freilich noch nicht klar, auf jeden Fall dürfte es höher ausfallen als für den ESM alleine seinerzeit mit 500 Milliarden Euro geplant.
Deutschland hatte sich bislang gegen ein Volumen von mehr als 500 Milliarden Euro gewehrt. "Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird: Das deutsche Haftungsrisiko von derzeit 211 Milliarden Euro wird deutlich steigen", bemerkt Viola Stork von der Helaba. Damit sei die Frage berechtigt, ob der Ruf als Sicherer Hafen für deutsche Staatsanleihen uneingeschränkt gehalten werden könne. Auch wenn die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen um 1 Basispunkt auf 1,81 Prozent ansteigt, von einer Flucht der Anleger kann keine Rede sein. Analysten sehen den fairen Wert für Bundesanleihen um 2,70 Prozent.
Leicht steigenden Renditen in Deutschland stehen fallende in Italien und Spanien gegenüber. In den vergangenen Tagen waren die Anleihemärkten aus der Peripherie mit den Abgaben an den Finanzmärkten unter Druck geraten. Nun sinken die Renditen wieder: Bei italienischen Benchmarkanleihen um 6 Basispunkte auf 5,12 Prozent zurück, bei entsprechenden spanischen Titeln um 4 Basispunkte auf 5,38 Prozent.
Die bessere Stimmung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass konjunkturelle Unsicherheiten bleiben. So ist die japanische Industrieproduktion im Februar überraschend um 1,2 Prozent zum Vormonat gesunken. Eine ganze Reihe von Konjunkturdaten aus Asien, Europa und den USA haben zuletzt die Erwartungen nicht erfüllt. "Die Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum nehmen weiter zu", geben die Analysten von Barclays zu bedenken. Am Nachmittag wird in den USA der viel beachtete Einkaufsmanagerindex aus Chicago veröffentlicht. Für März erwarten Analysten einen leichten Rückgang auf 63 von 64.
Aktien aus der zweiten Reihe gesucht
Eine Empfehlung der britischen Gesundheitsbehörde NICE für den Gerinnungshemmer Xarelto lässt die Bayer-Aktie zum Mittag um 0,6 Prozent steigen. Damit werde auch die Position gegenüber dem Konkurrenzprodukt Pradaxa von Boehringer gestärkt, heißt es im Handel.
Allianz hinken mit einem Plus von 0,2 Prozent hinterher. Der Versicherer soll ein Gebot für die französische Gan Eurocourtage abgegeben haben. Wie die "FTD" berichtet liegt das Gebot bei weniger als 200 Millionen Euro. Ursprünglich war von einer Summe von 700 Millionen die Rede gewesen. HeidelbergCement schnellen nach ihrem Vortagesminus und mit dem Rückenwind einer positiven Analystennote um 5,7 Prozent nach oben.
Nach guten Quartalszahlen und einer hohen erstmaligen Dividendenausschüttung von 0,90 Euro greifen Anleger beim MDAX-Wert GSW Immobilien zu. Die Aktie gewinnt 1,7 Prozent auf 25,86. Positiv wird auch der Dividendenvorschlag des Containerlogistikers HHLA von 0,65 Euro je Aktie aufgenommen. Das Papier rückt um 2 Prozent vor. Lanxess gewinnen sogar 4,3 Prozent auf 61,76 Euro, nachdem J.P.Morgan das Kursziel für die Aktie auf 90 von 40 Euro mehr als verdoppelt hat.
In Mailand verlieren Telecom Italia 1,6 Prozent auf 0,89 Euro. Hohe Abschreibungen haben die Gesellschaft 2011 unter dem Strich tief in die roten Zahlen gedrückt. Der Telekomkonzern meldete für 2011 einen Nettoverlust von 4,73 Milliarden Euro.
INDEX Stand +-% Euro-Stoxx-50 2.475,42 +0,92% Stoxx-50 2.454,49 +0,61% DAX 6.946,09 +1,03% FTSE 5.778,69 +0,64% CAC 3.421,12 +1,18% EUREX Stand +-Ticks Bund-Future 138,1 -17
DEVISEN zuletzt +/- % Fr,7.00 Uhr Do,18.00 Uhr EUR/USD 1,3347 -0,06% 1,3354 1,3265 EUR/JPY 109,5163 0,01% 109,5073 109,1664 EUR/CHF 1,2047 -0,05% 1,2053 1,2050 USD/JPY 82,0450 0,05% 82,0015 82,2870 GBP/USD 1,6009 0,14% 1,5987 1,5910 DJG/mpt/gos