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Börsen-Euphorie verflogen - aber Dax hält sich

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Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem rasanten Kursanstieg als Reaktion auf den riesigen Rettungsschirm für den Euro-Raum ist an den Finanzmärkten am Dienstag Ernüchterung eingetreten.

Die Aktienkurse fielen zunächst deutlich. Im Verlauf des Tages stabilisierte sich der Deutsche Aktienindex und legte sogar zu. Der Euro geriet aber nachhaltig unter Druck.

Händler begründeten die Entwicklung des Dax mit positiven Nachrichten aus den USA. Eine nüchterne Betrachtung des Rettungsschirms für die schwächelnden Länder der Eurozone allerdings verhinderte größere Gewinne. So rückte der Leitindex am Ende um 0,33 Prozent auf 6037,71 Punkte vor. Der MDax legte um minimale 0,05 Prozent auf 8173,60 Punkte zu und der TecDax verlor 1,30 Prozent auf 769,98 Punkte.

In den Vereinigten Staaten habe sich die Stimmung unter den kleinen Unternehmen deutlich aufgehellt, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Anleger messen dieser Meldung eine hohe Bedeutung zu, da gering kapitalisierte Firmen einen Gutteil der Arbeitsplätze in den USA stellen. Dennoch ist die Skepsis am Markt noch nicht verflogen. Die Investoren überlegten jetzt, welche Konsequenzen das von Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank geschnürte Rettungspaket haben werde, sagte Ruland.

Europaweit gehörten Finanzwerte zu den größten Verlierern. Aktien der Commerzbank sowie der Deutschen Bank gaben um 2,38 und 1,20 Prozent nach, nachdem sie am Montag überdurchschnittlich von der Euphorie profitiert hatten.

Die Erleichterung nach dem Rettungsschirm für die schwächelnden Länder der Eurozone rückte die gewaltige Dimension der Schulden im Euro-Land und die Inflationsgefahren wieder in den Blick. «Am Markt wird erst einmal abgewartet, wie die Regierungen jetzt die Ursachen in den Griff kriegen», sagte Analyst Ruland.

Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, verlor am Ende 1,03 Prozent auf 2730,48 Punkte - am Vortag hatte er mehr als 10 Prozent gewonnen. Auch in Paris und London gaben die Kurse nach.

An den Devisenmärkten fiel der Euro deutlich, die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf knapp unter 1,27 US-Dollar fest. Die Erleichterung der Finanzmärkte über das Rettungspaket hatte den Kurs der Gemeinschaftswährung am Vortag noch zeitweise bis knapp unter 1,31 Dollar getrieben. Auch nach den beschlossenen Rettungsmaßnahmen «sind die Haushaltsprobleme der Defizitsünder nicht gelöst», erklärten Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Der Euro wird unter Druck bleiben, lautet das Fazit einer Studie der Royal Bank of Scotland (RBS). Die RBS sieht noch viele Ungereimtheiten in den Rettungsmaßnahmen von EU und IWF: «Wer zahlt letztlich für die Rettung? Werden hier nicht lediglich Schulden aufgenommen, um ein Schuldenproblem zu lösen? Werden die Mittel durch die Landesparlamente freigegeben, und was ist der politische Preis dafür?» Die Probleme des Euro-Raums seien nicht gelöst: Nach wie vor bestünden zwischen den Euro-Ländern starke Unterschiede bei Produktivität, Wachstum, im Außenhandel und in regionalen Inflationstrends.

Darüber hinaus verunsichere, dass die EZB mit der bahnbrechenden Entscheidung, Staatsanleihen anzukaufen, ihre Prinzipien zerstört habe. «Die Geldpolitik ist nun eng verbunden mit der Fiskalpolitik.» Bundesbankchef Axel Weber versicherte in einem Interview, dass die EZB an ihren geldpolitischen Zielen festhalten wird: «Die deutsche Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir hier besonders wachsam sein werden.» 

Aktien / Börsen / Börseneröffnung / Standardwert / Thema des Tages
11.05.2010 · 22:58 Uhr
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