Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die deutschen Indizes beendeten den Donnerstagshandel mit Abschlägen. Die Marktteilnehmer blickten heute mit Skepsis auf den EU-Gipfel. Ferner ging aus der aktuellen ifo Konjunkturprognose hervor, dass die deutsche Konjunktur im Sommerhalbjahr voraussichtlich eine Schwächephase erleben wird. Der DAX verlor zuletzt 1,27 Prozent auf 6.149,91 Punkte. Der MDAX gab um 0,73 Prozent nach auf 9.941,27 Punkte. Für den SDAX ging es derweil um 1,08 Prozent nach unten auf 4.684,79 Zähler, während der TecDAX um 0,50 Prozent auf 725,75 verlor. Der Bund Future gewann zuletzt 0,43 Prozent auf 141,73 Zähler, während der Euro um 0,27 Prozent auf 1,2435 Dollar nachgibt.
In den USA notieren die Indizes zur Stunde mit bis zu 1,4 Prozent im Minus. Am Freitag steht in Deutschland die Veröffentlichung des Einzelhandelsumsatzes und die Kassenstatistik der öffentlichen Haushalte auf der Agenda. Aus den USA werden die persönlichen Einkommen und Auslagen, der Einkaufsmanagerindex und die Verbraucherstimmung gemeldet.
Laut der heute vorgestellten ifo Konjunkturprognose 2012/2013 wird die deutsche Konjunktur im Sommerhalbjahr voraussichtlich eine Schwächephase durchlaufen. Maßgeblich dafür ist die anhaltende Unsicherheit über den Fortgang der europäischen Schuldenkrise. Alles in allem dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten und dritten Quartal nur um jeweils 0,1 Prozent zunehmen. Gegen Jahresende dürften die konjunkturellen Auftriebskräfte aber die Oberhand gewinnen und den durch Planungsunsicherheiten ausgelösten Attentismus zurückdrängen. Von daher sei für das vierte Quartal mit einem leichten Anziehen der gesamtwirtschaftlichen Produktion in Höhe von 0,3 Prozent zu rechnen. Im Jahresdurchschnitt 2012 dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt nur um 0,7 Prozent steigen. Getragen von der Binnennachfrage dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr wieder an Fahrt gewinnen, sofern die Europäische Schuldenkrise nicht massiv eskaliert.
Wie heute bekannt gegeben wurde, hat sich die Erwerbstätigkeit in Deutschland im Mai 2012 erneut erhöht, womit sich die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt fortgesetzt hat. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts lag die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Wohnort in Deutschland bei 41,5 Millionen Personen. Das waren 552.000 Personen bzw. 1,3 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresmonat. Im April hatte die Zahl der Erwerbstätigen um 1,4 Prozent über dem Vorjahresergebnis gelegen. Im Vergleich mit dem Vormonat stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Zuge der Frühjahrsbelebung um 107.000 Personen bzw. 0,3 Prozent. Saisonbereinigt, das heißt nach rechnerischer Ausschaltung der üblichen jahreszeitlichen Schwankungen, errechnet sich ein Zuwachs von 37.000 Personen bzw. 0,1 Prozent.
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist derweil von Mai auf Juni 2012 weiter zurückgegangen. So fiel die Zahl der Arbeitslosen im Vormonatsvergleich um 46.000 auf 2.809.000. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit im Vormonatsvergleich um 7.000 gestiegen. gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der arbeitslosen Menschen um 84.000 ab, allerdings wird der Vorjahresabstand von Monat zu Monat schwächer. In drei Bundesländern und in der Arbeitslosenversicherung liegt die Arbeitslosigkeit bereits über dem Vorjahresniveau.
Im DAX setzten sich zuletzt ThyssenKrupp mit einem moderaten Zugewinn von 0,8 Prozent an die Spitze. Für Anteile von Siemens ging es derweil um 1 Prozent nach unten. Der Technologiekonzern meldete heute, dass Siemens VAI Metals Technologies im Februar 2012 die Modernisierung des Haspels 3 im Warmwalzwerk von Tata Steel in IJmuiden (Niederlande) erfolgreich abgeschlossen hat. Aktien von Daimler fielen 0,1 Prozent zurück, nachdem der Autobauer sein Ergebnisziel für die Konzernsparte Daimler Trucks bestätigt hat.
Aktien der Deutschen Lufthansa verloren indes 1,3 Prozent an Wert. Einem Medienbericht zufolge will der Konzern im Inland größere Flugzeuge einsetzen, weil der Ausbau der deutschen Flughäfen immer häufiger am Widerstand der Anwohner scheitert. Anteile von [WKN=BAY001]Bayer[/WKN] gaben 1,8 Prozent ab, obwohl der Pharma- und Chemiekonzern heute erklärte, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA im Zulassungsverfahren für das Entwicklungspräparat Regorafenib von Bayer HealthCare den Status der vorrangigen Prüfung ("Priority Review") gewährt hat.
Anteile von Linde fielen unterdessen um 1,6 Prozent zurück. Der Industriegasehersteller steht einem Medienbericht zufolge möglicherweise vor einer milliardenschweren Übernahme in den USA. So ist man offenbar an der Übernahme des US-Konzerns Lincare Holdings interessiert. Der mögliche Kaufpreis könnte bei rund 3,4 Mrd. US-Dollar liegen. Am Indexende brachen Aktien der Commerzbank um über 7 Prozent ein, nachdem der Vorstand heute mit Zustimmung des Aufsichtsrats wie geplant die endgültige Anzahl der neu auszugebenden Aktien zur Erhöhung des Grundkapitals gegen Sacheinlage mit 176.553.636 Aktien festgelegt hat.
Im MDAX lagen Continental mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent auf dem ersten Platz. Aktien von Axel Springer fallen um 0,3 Prozent zurück. Unternehmensangaben zufolge übernimmt die zum Verlagskonzern gehörende Axel Springer Media Impact die Display- und Bewegtbild-Vermarktung des Online-Angebos des Bezahlfernsehsenders [WKN=SKYD00]Sky Deutschland[/WKN] AG . Für EADS ging es um 0,4 Prozent nach oben. Der Luft- und Raumfahrtkonzern gab heute bekannt, dass Cassidian im Rahmen der Vorbereitungen zur Weiterentwicklung der gemeinsam nutzbaren landesweiten Funkkommunikationsinfrastruktur Frankreichs vom französischen Innenministerium mit der Umstellung des korsischen INPT-Netzes auf IP-Technologie (Internet Protocol) beauftragt wurde. Am Indexende verloren RHÖN-KLINIKUM 7,1 Prozent.
Im TecDAX gewannen Aktien von Gigaset 6,3 Prozent hinzu und behaupteten sich damit auf der Spitzenposition. Deutliche Zugewinne konnten auf den folgenden Plätzen auch SMA Solar (+4,1 Prozent) und Nordex (+3,1) vorweisen. Anteile von Dialog Semiconductor und Bechtle gaben auf der Gegenseite über 2 Prozent ab. Als schwächster Wert fiel ADVA um 5,3 Prozent zurück.
DAX: 6.149,91 (-1,27 Prozent) MDAX: 9.941,27 (-0,73 Prozent) SDAX: 4.684,79 (-1,08 Prozent) TecDAX: 725,75 (-0,50 Prozent) (28.06.2012/ac/n/m)