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Blutige Terrorattacke auf Tschetscheniens Parlament

Tote bei Sturm auf Parlament in TschetschenienGroßansicht

Moskau (dpa) - Unbemerkt dringen Terroristen in das Zentrum der schwer bewachten tschetschenischen Hauptstadt Grosny vor. Sie überfallen das Parlament. Mehrere Menschen sterben. Es ist der zweite blutige Angriff binnen weniger Wochen.

Wieder blutiger Terror in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien: Schwer bewaffnete Kämpfer griffen das Parlament in der Hauptstadt Grosny an, töteten mindestens 3 Menschen und verletzten 17 weitere. Drei mutmaßliche Islamisten sprengten sich in die Luft. Alle Angreifer seien «liquidiert» worden, sagte der Moskau-treue Republikchef Ramsan Kadyrow nach Angaben der Agentur Interfax. Der Überfall ist nach Einschätzung von Experten ein schwerer Rückschlag für den Kreml, der die einstige Bürgerkriegsregion nach eigenen Angaben befriedet hat.

Mindestens drei Angreifer seien am Dienstagmorgen in das Gebäude gestürmt, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin. Zu dem Zeitpunkt hätten sich wegen einer Sitzung viele Abgeordnete in dem Gebäude aufgehalten. Die Täter drangen auch in Räume des früheren Landwirtschaftsministeriums im selben Gebäude sowie des Parlamentspräsidenten Dukuwach Abdurachmanow ein. Verlässliche Informationen zur Zahl der Angreifer lagen bis zum Abend nicht vor.

Die Terroristen töteten mindestens zwei Polizisten sowie den Hausmeister des Parlaments und nahmen Geiseln. Einem Bericht zufolge sprengten sich drei Selbstmordattentäter auf dem Gelände in die Luft, als sich die Sicherheitskräfte näherten. Kremlchef Dmitri Medwedew wurde im französischen Deauville über den Angriff informiert, wo er sich mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel traf. Regierungschef Wladimir Putin versprach den Hinterbliebenen eine Million Rubel Schmerzensgeld (etwa 24 000 Euro) und den Verletzten bis zu 400 000 Rubel.

Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Ashton, verurteilte den Anschlag. «Wir bestätigen unsere Bereitschaft, unsere Zusammenarbeit mit Russland im Kampf gegen den Terrorismus zu verstärken», sagte sie einer Mitteilung zufolge in Brüssel.

Der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, rief Russland auf, in Tschetschenien wieder für Rechtsstaatlichkeit zu sorgen. Kritiker werfen der Führung um Kadyrow Mord und Unterdrückung von unliebsamen Menschenrechtlern, Journalisten und Oppositionellen vor. «Tschetschenien steht nicht nur für die Ausweglosigkeit des islamistischen Terrors, sondern auch für seine sozialen und politischen Ursachen», sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck.

Die Angreifer gelangten mit ihrem Wagen unbemerkt und vermutlich in einer Kolonne mit den Autos der Abgeordneten auf das Gelände. Die Leitung des Parlaments und alle Abgeordneten wurden mit gepanzerten Fahrzeugen in Sicherheit gebracht.

Eine Sondereinheit der Polizei untersuchte das Gebäude auf Minen. Der russische Innenminister Raschid Nurgalijew, der sich zu Gesprächen mit Kadyrow in Grosny aufhielt, lobte den Einsatz der Behörden als professionell. Die Lage im muslimisch geprägten Tschetschenien sei stabil, behauptete Nurgalijew. Der Kreml hatte den Anti-Terror-Kampf in der Teilrepublik bereits vor längerem für beendet erklärt und etwa 20 000 Sicherheitskräfte abgezogen.

In den angrenzenden Konfliktgebieten Dagestan und Inguschetien sind aber weiterhin tausende Polizisten, Soldaten und Sondereinheiten stationiert. Sie liefern sich immer wieder Gefechte mit Separatisten, die ein von Moskau unabhängiges islamistisches «Emirat» im Kaukasus errichten wollen.

Es war die zweite große Attacke in Tschetschenien innerhalb von nur zwei Monaten. Ende August hatten bis zu 60 Terroristen Kadyrows Heimatdorf angegriffen.

Tschetschenien / Konflikte / Russland
19.10.2010 · 17:35 Uhr
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