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Blutbad bei Anschlägen auf Hotels in Jakarta

Bombenanschläge in JakartaGroßansicht
Jakarta (dpa) - Zwei Selbstmordattentäter haben sich am Freitag in Luxushotels in Indonesien in die Luft gesprengt und dabei neun Menschen in den Tod gerissen. Mehr als 40 wurden bei den Anschlägen im Ritz Carlton und im JW Marriott-Hotel im Herzen der Millionenmetropole Jakarta zum Teil schwer verletzt.

Ermittler hätten die Leichen der beiden Täter gefunden, sagte der Polizeichef. Experten verdächtigten muslimische Terroristen der einheimischen Jemaah Islamiyah, die das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt vor Jahren mit einer Terrorwelle überzogen haben. 

Unter den Toten waren ein Neuseeländer und drei weitere Ausländer, wie die Polizei mitteilte. Aus dem Marriott-Hotel wurden sechs Leichen geborgen, aus dem Ritz Carlton zwei. Ein Opfer starb später im Krankenhaus. Die Hotels befinden sich im noblen Geschäftsviertel Kuningan und werden vor allem von Ausländern besucht. Auch viele, die in Jakarta leben, nutzen die Hotels zu Geschäftstreffen, weil sie bislang als besonders sicher galten. Offenbar war einer der Attentäter Hotelgast. Die Polizei entdeckte in einem Zimmer im 18. Stock die vermeintliche Kommandozentrale der Attentäter. Dort entschärften sie einen nicht detonierten Sprengsatz.

Die Bomben explodierten kurz vor 8.00 Uhr Ortszeit. Augenzeugen berichteten von Szenen des Grauens. «Es sah in der Lobby wie im Krieg aus», sagte der Politologe Ikrar Nusa Bakti, der mit seiner Tochter im Marriott-Hotel war. Blutüberströmte Menschen seien in Panik auf die Straße gerannt. Auf der Wiese hinter den nebeneinanderliegenden Hotels liefen Hotelgäste verstört im Bademantel herum. «Es war ein riesiger dumpfer Schlag», sagte Paul Harbon von der Sydney-Universität, der beim Frühstück war. «Die Wände bekamen sofort Risse, und die Jalousien fielen runter.» Seine Frau war im Untergeschoss. «Plötzlich war überall Wasser, und ich habe nur noch geschrien, bis mich jemand herausführte», sagte sie.

Beim Ritz Carlton war die Fassade zerfetzt. Aus der Wand ragten abgerissene Rohre. Der Sprengsatz explodierte nach ersten Ermittlungen in einem Restaurant. Sicherheitskameras hatten einen Mann mit Baseball-Mütze gefilmt, der unmittelbar vor der Detonation mit Koffer und Rucksack in das Restaurant gegangen war. «Im Ritz-Carlton-Hotel war die Leiche (des Täters) intakt, während im Marriott-Hotel der Kopf der Leiche abgerissen war», sagte Polizeichef Bambang Hendarso Danuri. Die Männer könnten aber identifiziert werden. Beide Hotels sind unterirdisch durch einen Tunnel verbunden. 

Der erst vor zwei Wochen mit großer Mehrheit im Amt bestätigte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verurteilte die Anschläge. «Das war die Tat einer Terror-Organisation», sagte er. «Die, die dafür verantwortlich sind, werden verfolgt, verhaftet und verurteilt werden.» Auch die USA und die EU sowie die Islam-Konferenz (IOC) verurteilten die Anschläge. «Diese Attacken machen deutlich, dass die Extremisten weiterhin das Ziel haben, in allen Ländern unschuldige Männer, Frauen und Kinder aller Glaubensrichtungen zu ermorden», hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. «Akte wie diese sinnlose Bombardierung widersprechen den edlen und friedlichen Werten des Islam», erklärte OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu.

«Die einzige Gruppe, die die Fähigkeit zu solchen Anschlägen hat, ist Jemaah Islamiyah», sagte der Terrorismusexperte Rohan Gunaratna dem Sender «Channel News Asia». «Sie verüben oft zwei Anschläge gleichzeitig und nehmen Ziele mit Ausländern ins Visier.» Die Gruppe war auch für die Anschläge auf Bali 2002 und 2005 verantwortlich. Dabei starben mehr als 220 Menschen. Die Anschläge könnten ein Racheakt für die Hinrichtung der Bali-Bomber im vergangenen November sein, meinte er.

Allerdings warnte Präsident Yudhoyono vor voreiligen Schlüssen. Er enthüllte, dass die Sicherheitskräfte in jüngster Zeit Attentatspläne gegen ihn aufgedeckt haben. Er zeigte bei einer Pressekonferenz Fotos von Extremisten, die Schießübungen auf ein Konterfei von ihm machten.

Wie überall in Indonesien gelten in den beiden Hotels hohe Sicherheitsvorkehrungen, vor allem im Marriott, auf das Extremisten 2003 schon einmal ein Anschlag verübten. Dabei starben zwölf Menschen. «Wir haben 40 verschiedene Sicherheitsauflagen», sagte der für Sicherheit zuständige Vizepräsident der Marriott-Gruppe, Alan Orlob, im Fernsehen. Er konnte sich nicht erklären, wie die Attentäter Sprengstoff in das Hotel geschmuggelt haben. In jedem Hotel in Indonesien werden Autos an der Auffahrt kontrolliert und Gäste müssen durch Schleusen mit Metalldetektoren gehen. Allerdings werden die Taschen von Gästen, die mehrere Tage im selben Hotel wohnen, später oft nicht mehr untersucht.

Der britische Fußballclub Manchester United sagte ein Freundschaftsspiel in Jakarta ab. Die Mannschaft wollte an diesem Wochenende im Ritz-Carlton-Hotel absteigen. «Wir sind schwer enttäuscht, dass wir Indonesien nicht besuchen können», hieß es auf der Webseite des Vereins. «Wir gedenken der Opfer der Anschläge.»

Terrorismus / Indonesien
17.07.2009 · 22:37 Uhr
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