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Blick in die Zukunft - So leben wir im Jahr 2050

2050. In Deutschland leben weniger als 70 Millionen Menschen, fast jeder Dritte ist älter als 65 - aus heutiger Perspektive also schon im Rentenalter. Im Schnitt sind die Deutschen dann ungefähr 50 Jahre alt - 100 Jahre zuvor waren sie 15 Jahre jünger.

Mehr als zehn Millionen Deutsche sind jenseits der 80, ein Siebtel der Bevölkerung könnte also pflegebedürftig sein, prognostizieren Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes. Das sind mehr als doppelt so viele Menschen wie 2012.

Zahlen, die wir derzeit immer wieder hören und lesen. Der Nachwuchs bleibt aus, Deutschland wird alt. Manch einer kann es nicht mehr hören. Doch was bedeutet das tatsächlich für unsere eigene Zukunft?

Wer heute in den Beruf einsteigt, ist im Jahr 2050, in 38 Jahren also, sicher noch kein altersbedingter Pflegefall. Und er ist sicher auch noch nicht im Ruhestand. Professor Klaus Zimmermann, Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), hat sich mit uns auf eine Zeitreise in die Arbeitswelt 2050 begeben. Sehen Sie selbst, ob sie ebenso düster ausfällt wie die Prognose, die kürzlich der Club of Rome für die Umweltsituation unseres Planeten geliefert hat.

Wer macht die Arbeit?

 Wer macht die Arbeit?

 «Wir haben eine sehr alte Arbeitsbevölkerung. Die Rente mit 70 ist normal und gesellschaftlich akzeptiert. Die Leute wollen auch arbeiten, weil sie noch fit sind», da ist sich Klaus Zimmermann sicher. Vor allem aber arbeiten wesentlich weniger Menschen. Eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellt fest, dass es 2050 zwischen acht und zwölf Millionen weniger Erwerbstätige in Deutschland gibt – derzeit sind es 41,5 Millionen. Und das, obwohl man annimmt, dass immer mehr Frauen berufstätig sind und Arbeitsmigranten ins Land kommen.

«Ich gehe davon aus, dass wir weiter Deutsch sprechen», scherzt Zimmermann. Tatsächlich ist der Anteil der Migranten in den Unternehmen 2050 merklich größer als heute. Die Berechnungen des IAB beziehen mit ein, dass jährlich 100.000 bis 200.000 Migranten in Deutschland dazukommen. Auf 2050 hochgerechnet wären dies knapp vier bis acht Millionen Menschen.

Vor allem in Betreuung und Pflege, «Berufen, für die sich Deutsche vielleicht noch immer zu schade sind oder nicht sozial qualifiziert», wie Zimmermann vermutet, arbeiten viele Migranten. Genaue Berechnungen allerdings machen für den IZA-Direktor keinen Sinn, denn er rechnet mit einem stetigen Kommen und Gehen in Europa. Auch gut ausgebildete Deutsche werden auswandern, wenn sie von internationalen Firmen abgeworben werden. Der Staat könne zwar versuchen, dem einen Riegel vorzuschieben. Letztlich rechnet Zimmermann aber mit einer zirkulären Arbeitsmigration, zumindest innerhalb der EU.

Gibt es dann keine Arbeitslosigkeit mehr?

 

Gibt es dann keine Arbeitslosigkeit mehr?

 

Doch. «Es wird weiterhin eine Sockelarbeitslosigkeit geben. Sie betrifft die Menschen, deren Produktivität nicht gut genug ist, um eine Beschäftigung zu finden, denn für einfache Tätigkeiten besteht wenig Nachfrage», prognostiziert Klaus Zimmermann.

Wie sieht der Arbeitsmarkt aus?

Wie sieht der Arbeitsmarkt aus?

Die meisten Leute arbeiten im Dienstleistungsbereich, im Gesundheitswesen und der Altenbetreuung. Betreuung allgemein sei stärker «en vogue», sagt Zimmermann voraus, vom privaten Trainer bis zur Pflegeperson. Viele Menschen arbeiten als Selbstständige: «Sie nagen durchaus nicht immer am Hungertuch und werden gelegentlich sehr gut honoriert, aber die Unsicherheit ist deutlich höher als heute, im Beruf, aber auch was die Absicherung im Alter betrifft.»

Schließlich müssen immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren. Derzeit versorgen zwei Arbeitnehmer einen Rentner, bis 2050 könnte sich das Verhältnis fast umgekehrt haben. «Dass es weniger Menschen gibt, ist eigentlich nicht so problematisch, doch der Übergangsprozess ist schlimm, weil die Belastungen hoch sind für die, die aktiv im Lebenszyklus stehen», sagt Zimmermann. Die Steuern und Abgaben müssten sich vervielfachen, um den Standard zu halten.

Problematisch ist auch die Zweispaltung des Arbeitsmarktes. «Wir haben hohe Löhne für qualifizierte Fachkräfte, an denen tendenziell Mangel besteht, auf der anderen Seite steigt der Anteil von gering qualifizierten eher, als dass er sinkt», befürchtet Zimmermann.

Wie arbeiten wir 2050?

Wie arbeiten wir 2050?

Die klassische 40-Stunden-Woche wird zum Auslaufmodell. Klaus Zimmermann geht davon aus, dass weniger als die Hälfte der Erwerbstätigen noch in der altbekannten Vollanstellung arbeiten. Klar ist jedoch: Der Dauerjob im Alter von 20 bis 65 Jahren ist vom Aussterben bedroht. Wir nehmen unterschiedliche Jobs an und orientieren uns mit 50 möglicherweise noch einmal neu.

Vor allem sind wir mobiler. «Ein großer Teil der Arbeit kann überall erledigt werden, weil wir immer besser elektronisch bewaffnet sind und ständig vernetzt. Da reicht es oft, mit der Handtasche unterwegs zu sein», sagt Zimmermann. Grundsätzlich sei die Effizienz der Arbeit viel höher als heute und die Arbeitsbedingungen in qualifizierten Jobs entsprechend angenehmer. «Die klassischen Blue-Collar-Jobs zum Beispiel in der Metallindustrie gibt es ja schon heute nicht mehr. Alles wird flexibler, vom Einteilen der Arbeit bis zum unterwegs sein.»

Welche sozialen Probleme müssen bewältigt werden?

Welche sozialen Probleme müssen bewältigt werden?

Die Zweispaltung des Arbeitsmarktes ist problematisch, hinzu kommt laut Zimmermann das ungelöste Problem der alten Migration: Die «Gastarbeiter», die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Fabrikarbeit angeworben wurden, seien quasi aus ungebildeten Gesellschaftsschichten selektiert und zudem nicht integriert worden. Da in Deutschland der gesellschaftliche Aufstieg traditionell selten ist, werde sich die Spaltung der Gesellschaft weiter verstärken, sagt der IZA-Chef. «Es ist kein ethnisches, sondern ein ungelöstes Klassenproblem.»

Zimmermanns Ansicht nach wird systematisch an den falschen Stellen investiert und gespart. Kostenlose Kindergartenplätze hält er für wichtiger als kostenloses Studium - das lasse sich über Stipendien regeln. «Wer Sozialhilfeempfänger wird, entscheidet sich in den ersten Lebensjahren. Wir denken, wir investieren viel in den sozialen Ausgleich, dennoch ist der Fortschritt gering. Also müssen wir damit rechnen, dass die Schere weiter auseinander geht.»

Bildung ist für Klaus Zimmermann die einzige Antwort auf die sozialen Probleme.

Was ist 2050 schöner?

Was ist 2050 schöner?

Wir können länger ein erfülltes Leben führen. Wer einen Job hat, macht eine angenehmere und flexiblere Arbeit. Europa wird nicht zusammenbrechen, sondern noch aktiver und bunter sein als 2012, Familien sind international und Mehrsprachigkeit an der Tagesordnung. Jeder hat viele Möglichkeiten, selbst zu entscheiden, muss aber auch selbst entscheiden, es wird nicht viel abgenommen.

[news.de] · 24.05.2012 · 10:23 Uhr
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