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Blaue Binde ohne Glück: Lahms bitterer Abend

Philipp LahmGroßansicht
Durban (dpa) - Philipp Lahm wählte gegen die «furia roja» (rote Furie) eine blaue Kapitänsbinde - und lag damit daneben. Deutschland ist kurz vor der großen Ziel gescheitert.

Und auch Lahm konnte beim 0:1 im Halbfinale gegen Spanien nicht an seine vorherige Turnierleistung anknüpfen. Mit seinem kurz vor dem WM-Halbfinale öffentlich geäußerten Anspruch, das Amt des Mannschafts-Führers auch nach der Fußball-Weltmeisterschaft weiter ausüben zu wollen, hatte der 26 Jahre alte Münchner vor allem in der Heimat eine Diskussion losgetreten.

Im Moses Mabhida Stadion von Durban dagegen sollte der Machtkampf mit Michael Ballack, der das brisante Duell gegen Spanien in Luxemburg vor dem Fernsehschirm erlebte, keine Rolle spielen. «Das stört uns hier überhaupt nicht», sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Anpfiff.

Allerdings waren es gerade Lahm und Bastian Schweinsteiger, die gegen den Europameister zunächst eine ungewohnt hohe Fehlerquote hatten, nur schwer ins Spiel fanden. Die beiden Chefs, im Turnier- Verlauf zuvor tragende Kräfte des deutschen Spiels, konnten lange auch ihren Nebenleuten keine Sicherheit geben. Die Folge: 45 Minuten lang war das erhoffte schnelle Umschalten aus einem kompakten Defensivblock zu schnellen Gegenattacken nur mangelhaft.

Zur Unzeit hatte Lahm den schon länger schwelenden Konflikt zwischen der Jugendabteilung im neuen Fußball-Nationalteam und Alt-Kapitän Ballack losgetreten. «Das ist sehr sehr fragwürdig, gerade von jemandem wie Lahm, der ja Werte wie Besonnenheit, Teamgeist und Respekt reklamiert», bemerkte dazu Ex-Nationaltorhüter und TV-Experte Oliver Kahn. Das schüre eine Menge Unruhe und Lahm habe sich unnötig selbst unter Druck. «Das hat er gar nicht nötig», sagte Kahn zu Lahms verbaler Offensive.

Mit Offensive auf dem Platz hielt sich der WM-Kapitän gegen die Spanier mehr zurück als gewohnt. Sicherheit zuerst: Das galt - offenbar von Löw mit verordnet - für das gesamte deutsche Team einschließlich Flügelmann Lahm. Seine rechte Seite konnte der Münchner nur mit Mühe und mit ungewohnt vielen Fehlern beackern, Lockerheit und Spritzigkeit fehlten auch ihm.

Und auch vor der entscheidenden Szene des Spiels war Lahm nicht auf der Höhe des Geschehens. Der Mann mit der blauen Binde konnte Andres Iniesta nicht am Flanken hindern, Schweinsteiger musste zur Ecke klären. Und die servierte Xavi Abwehrmann Carles Puyol genau auf den Kopf - Sami Khedira kam im Luftduell zu spät und Torwart Manuel Neuer hatte keine Chance. So wird ausgerechnet Lahms 71. Länderspiel als eines seiner schwächsten in die DFB-Geschichte eingehen. Auch das Spiel um Platz drei am Samstag in Port Elizabeth kann kaum ein Trost sein.

Den Konflikt zwischen Lahm und Ballack muss nun der Bundestrainer lösen. Erst einmal aber muss Ballack ohnehin wieder richtig gesund und fit werden. Als Führungskraft bei Bayer Leverkusen könnte er dann wieder im Nationalteam angreifen.

Fußball / WM / Lahm / Deutschland / Spanien
07.07.2010 · 23:13 Uhr
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